Steuerhinterziehung Samsung-Chef angeklagt

Das Verfahren kommt einer Revolution gleich: Staatsanwälte haben den Boss des wichtigsten koreanischen Konzerns Samsung, Lee Kun Hee, wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Es wäre nach etlichen Beschuldigungen das erste Mal, dass ein Mitglied des Samsung-Clans vor Gericht gestellt würde.


Seoul - Die Anklage ist der Höhepunkt eines drei Monate andauernden Ermittlungsverfahrens. Zunächst war sogar von einem Korruptionsverdacht die Rede, doch der ließ sich nicht erhärten. Übrig bleibt die Anklage gegen Lee wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und Untreue. Eine Verhaftung Lees sei aber nicht geplant, erklärte der leitenden Ermittler am Donnerstag in Seoul. Das würde in dem Unternehmen zu "enormen Störungen" führen.

Samsung-Chef Lee Kun Hee: Entschuldigung beim koreanischen Volk
REUTERS

Samsung-Chef Lee Kun Hee: Entschuldigung beim koreanischen Volk

Der Topmanager habe fast 1200 Konten unter anderen Namen zu Aktientransaktionen genutzt und umgerechnet knapp 72 Millionen Euro an Steuern hinterzogen, teilte der leitende Ermittler mit. Dass der Konzern regelmäßig Beamte bestochen haben soll, habe dagegen nicht nachgewiesen werden können.

Auslöser für die Ermittlungen waren Vorwürfe eines früheren Anwalts des Konzerns, wonach Samsung schwarze Konten zur Bestechung eingerichtet habe. Insgesamt soll das Vermögen auf diesen Konten umgerechnet 127 Millionen Euro betragen haben. Nach Berichten koreanischer Medien hatte Samsung immer erklärt, das Geld gehöre Lee persönlich oder stamme aus dem Erbe seines Vaters, des Samsung-Gründers Lee Byung-Chull.

Die Anklage gegen Lee darf durchaus als Sensation betrachtet werden. In den vergangenen Jahren waren wiederholt Beschuldigungen gegen den Samsung-Clan laut geworden. Die Untersuchungen gegen die Familie lösten sich aber meistens in nichts auf.

In einer Affäre 2005 hatte Lee sich laufenden Ermittlungen durch eine Reise in die USA entzogen. Er kam erst wieder zurück, nachdem die Ermittlungen eingestellt worden waren. Noch auf dem Flughafen entschuldigte er sich beim koreanischen Volk und spendete drei Tage später 800 Milliarden Won (damals rund 825 Millionen Dollar) für soziale Zwecke.

Die Unternehmensgruppe ist mit 59 Tochterunternehmen das Schwergewicht in der koreanischen Wirtschaft. Rund 20 Prozent der Ausfuhr des exportabhängigen Landes stammen nach Unternehmensangaben von Samsung. Zu dem Konglomerat gehören Krankenhäuser, Versicherungen, ein Wertpapierhaus, Kaufhäuser, Hotels und der Vergnügungspark Everland.

Die Gesellschaften der Gruppe sind über ein Netz an Querbeteiligungen miteinander verwoben. Obwohl die Gründerfamilie nur noch einen sehr geringen Anteil an der Gruppe besitzt, ist es ihm auf diese Weise trotzdem möglich, entscheidenden Einfluss auf das Unternehmen auszuüben. Der Samsung-Clan habe das Land wirtschaftlich im Griff, heißt es in Seoul.

mik/AP/dpa-AFX



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