Steuern und Sozialabgaben Arbeitnehmer schultern immer mehr Lasten

Ihre Löhne sinken selbst in Boomzeiten, doch die Abgaben steigen stetig: Keine gesellschaftliche Gruppe wurde einer neuen Studie zufolge in den vergangenen Jahren so stark geschröpft wie die Arbeitnehmer. Profiteure waren dagegen Unternehmer, Selbständige und Beamte.


Berlin - Was viele Arbeitnehmer ohnehin als gefühlten Trend im Alltag wahrnehmen, ist nun durch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt: Ihre Belastung durch Steuern und Sozialabgaben steigt stetig, die Löhne dagegen sinken. Arbeitnehmer hätten in den vergangenen fünf Jahren unter dem Strich immer weniger verdient.

Ingenieur bei der Arbeit: Immer höhere Abgaben
DPA

Ingenieur bei der Arbeit: Immer höhere Abgaben

Als "einmalig" in der Geschichte der Bundesrepublik wertete das Institut das Phänomen, das die Löhne hierzulande auch nach dem 2004 einsetzenden Aufschwung weiter gesunken sein.

Andere Gruppen dagegen würden zunehmend entlastet, teilte das Institut am Mittwoch in Berlin mit. Die Einkünfte von Unternehmern und Kapitalanlegern seien seit 2003 "stark" gestiegen.

Im Detail sieht die DIW-Berechnung wie folgt aus: Von 2003 bis 2008 habe das Lohnplus der deutschen Arbeitnehmer stets unter der Inflationsrate gelegen. Den Beschäftigten blieb also unter dem Strich weniger Geld.

Trotz des Aufschwungs sei der Anteil der Löhne und Gehälter am gesamten Volkseinkommen so auf ein historisches Tief von 61 Prozent gesunken.

Zugleich aber stieg die Belastung durch Steuern und Sozialabgaben bei den Arbeitnehmern auf mehr als 50 Prozent, wie das DIW mitteilte. Damit trugen sie die Hauptlast der staatlichen Forderungen in Deutschland.

Eine entgegengesetzte Entwicklung stellte das DIW dagegen bei Selbständigen und Kapitalanlegern fest. Auch Beamte hätten überdurchschnittlich profitiert, weil sie vergleichsweise wenige Abgaben leisten müssen. Zwar sei eine solche Entwicklung in Boomzeiten normal, sie verlief aber laut DIW "rasant".

Schon in den achtziger und neunziger Jahren habe es Phasen gegeben, in denen die Reallöhne der deutschen Arbeitnehmer gesunken waren, erklärte das DIW - allerdings habe es damals keinen Wirtschaftsboom gegeben. Seinerzeit hätten vor allem höhere Steuern und Sozialabgaben zu dem Minus bei den Reallöhnen geführt. Nun habe es aber ein tatsächliches Einkommensminus gegeben.

Besonders bemerkenswert sei, dass die Löhne in Deutschland zurückgingen, obwohl die Menschen hierzulande immer öfter Berufe mit höherer Qualifikation ausübten.

Die schwache Lohnentwicklung sei zudem nicht darauf zurückzuführen, dass die Einkommen von gering Qualifizierten gesunken sei. Vielmehr seien die Einkommen aller Berufsgruppen gesunken. Laut der Studie sei zu vermuten, dass "die großen Beschäftigungsprobleme der Unqualifizierten immer wieder herangezogen werden, um Forderungen nach höheren Löhnen generell im Zaum zu halten".

yes/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 315 Beiträge
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Seite 1
cathys 12.08.2009
1. Ach nee
Zitat von sysopIhre Löhne sinken selbst in Boomzeiten, doch die Abgaben steigen stetig: Keine gesellschaftliche Gruppe wurde einer neuen Studie zufolge in den vergangenen Jahren so stark geschröpft wie die Arbeitnehmer. Profiteure waren dagegen Unternehmer, Selbständige und Beamte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,642058,00.html
Sag ich schon lange, wer arbeitet ist der DUMME!
pablo morales 12.08.2009
2. Löhne
Als ob das was neues ist! Dafür benötigt man nun wirklich keine Studie..... Nicht vergessen, am 27.09 schön die CDU wählen
marvinw 12.08.2009
3. Und was wird hier diskutiert?
Zitat von sysopIhre Löhne sinken selbst in Boomzeiten, doch die Abgaben steigen stetig: Keine gesellschaftliche Gruppe wurde einer neuen Studie zufolge in den vergangenen Jahren so stark geschröpft wie die Arbeitnehmer. Profiteure waren dagegen Unternehmer, Selbständige und Beamte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,642058,00.html
Und? Was ist die eigentliche Frage die diskutiert werden muß? Es ist das Resultat der ausbeuterischen Politik aus Berlin, wer weiß das nicht? Wenn selbst SPD als Arbeiterpartei sich vollständig dem Reichtum verpflichtet hat, warum muss man sich da wundern?
Michael Giertz, 12.08.2009
4. Nur so eine Idee ...
Zitat von sysopIhre Löhne sinken selbst in Boomzeiten, doch die Abgaben steigen stetig: Keine gesellschaftliche Gruppe wurde einer neuen Studie zufolge in den vergangenen Jahren so stark geschröpft wie die Arbeitnehmer. Profiteure waren dagegen Unternehmer, Selbständige und Beamte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,642058,00.html
Tja. Das ist ja mal was ganz Neues (Ironie). Die Belastungsgrenze ist nunmal erreicht. Und wenn ich dran denke, welchen "Segen" uns Gesundheitsreform und "Renten-bleiben-sicher"-Politik eingebracht haben, nämlich steigende Abgaben ohne Leistungssicherung, schlag' ich mal die Hände über'm Kopf zusammen. Es ist doch klar, dass kein Sozialstaat mit alternder Bevölkerung und steigenden Arbeitslosenzahlen sich auf Dauer mit den durch Einkommen abhängig Beschäftigter generierten Einnahmen finanzieren kann. In der Schule wird irgendwann mal die "Alterspyramide" vorgestellt, die aber in Deutschland eher an einen Dönerspieß erinnert und zeigt, dass die Gesellschaft vergreist. Die Schicht der Leistungsträger im Staat wird dünner. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft schlichtweg immer weniger Arbeitnehmer braucht! Mein Vorschlag, schon seit einer geraumer Weile übrigens ist, die Sozialabgaben komplett vom Einkommen der abhängig Beschäftigten zu lösen und auf die Unternehmen umzulenken: und zwar basierend auf den getätigten Umsatz. Da Umsatz und Mitarbeiterzahl nicht zwangsläufig korrellieren, würden nun umsatzstarke Unternehmen gleichmäßig zur Finanzierung des Sozialstaates herangezogen, egal, ob dabei die Stammbelegschaft 10.000 Kopf stark ist, oder nur 1000. Nebeneffekt: Der Arbeitnehmer zahlt nur noch Einkommenssteuer, die Differenz zwischen Netto und Brutto sieht kleiner aus, damit steigt die Zufriedenheit, wenn der Arbeitnehmer das Gefühl hat, nicht das halbe Jahr für andere arbeiten zu müssen. Und auch die Buchhaltung wird sich freuen, ist die Abrechnung für die Arbeitnehmer wesentlich vereinfacht. Und die Sozialabgaben? Die sind nun nicht mehr an die Belegschaft eines Unternehmens gekoppelt, sondern an die Wirtschaftskraft des Unternehmens selbst. Damit kann sich KEIN Unternehmen vor der sozialen Verantwortung drücken, in dem die Belegschaft reduziert wird ... und den Umsatz wird wohl kein Unternehmen runterschrauben, nur um Sozialabgaben zu sparen. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Zufriedenere Bürger und Finanzierung des Sozialhaushaltes sichergestellt. Was will man mehr?
marvinw 12.08.2009
5. CDU für was wählen?
Zitat von pablo moralesAls ob das was neues ist! Dafür benötigt man nun wirklich keine Studie..... Nicht vergessen, am 27.09 schön die CDU wählen
Na klar, für noch weniger Löhne. Nein, Danke. Ich werde keine Volksparteien mehr wählen.
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