Steueroasen: Deutsche Bank soll bei Offshore-Geschäften geholfen haben

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Das Institut wehrt sich gegen Vorwürfe Zur Großansicht
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Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Das Institut wehrt sich gegen Vorwürfe

In der Affäre um Steueroasen steht nun auch die Deutsche Bank in der Kritik. Laut "Süddeutscher Zeitung" und NDR gründete das Geldhaus über seine Filiale in Singapur mehr als 300 Treuhandfonds und Briefkastenfirmen. Die Bank wehrt sich.

Hamburg - Ihre Geschäfte in Steueroasen bringen die Deutsche Bank in Bedrängnis. Nach Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" hat das Institut über seine Niederlassung in Singapur mehr als 300 Firmen und Trusts in mehreren Steueroasen, größtenteils auf den Britischen Jungferninseln, gegründet. Das geht aus Daten hervor, die das internationale Journalistennetzwerk ICIJ zugespielt bekam - und die nun von Medien aus 46 Ländern bearbeitet und veröffentlicht werden.

Die Daten enthalten 120.000 Briefkastenfirmen und Offshore-Konten in mehr als 170 Ländern - sowie die Namen von 130.000 Personen, die ihr Geld in Steueroasen geparkt haben. Dahinter stecke "eine gutbezahlte Industrie aus Strohmännern, Buchhaltern, Notaren und Banken", schreibt das ICIJ. Verwickelt seien "viele der größten Geldkonzerne der Welt", darunter die Deutsche Bank.

Ein Deutsche-Bank-Sprecher sagte auf Anfrage, man biete "Dienstleistungen für vermögende Kunden auf der Grundlage an, dass die Kunden ihre Steuerangelegenheiten vollumfänglich regeln und dabei alle Steuergesetze und Meldeverpflichtungen befolgen". In Südostasien würden die Dienstleistungen vor allem Kunden aus der Region angeboten.

Auf ihrer Website dboffshore.com wirbt die Bank für Geschäfte in Steueroasen wie den Cayman-Inseln und Mauritius. Diese Finanzzentren ermöglichten es, den Kunden durch "professionellen Service besondere Bedürfnisse zu erfüllen".

Laut "Süddeutscher Zeitung" zeigen die untersuchten Daten, dass die Bank bis ins Jahr 2010 über ihre Filiale in Singapur 309 Briefkastenfirmen und Trusts gegründet habe. In wessen Auftrag diese Vehikel mit Namen wie Roseburn oder White River Holdings Group Ltd. aufgesetzt wurden und was der Geschäftszweck ist, wolle die Bank nicht sagen.

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Steueroasen: Wohin die Datenspuren führen

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1. ja ja
Stabhalter 04.04.2013
Zitat von sysopIn der Affäre um Steueroasen steht nun auch die Deutsche Bank in der Kritik. Laut "Süddeutscher Zeitung" und NDR gründete das Geldhaus über seine Filiale in Singapur mehr als 300 Treuhandfonds und Briefkastenfirmen. Die Bank wehrt sich. Steueroasen: Deutsche Bank soll bei Offshore-Geschäften geholfen haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/steueroasen-deutsche-bank-soll-bei-offshore-geschaeften-geholfen-haben-a-892621.html)
hätte mich gewundert wenn die Deutsche Bank da nicht ihre un gesegneten Finger im Spiel hätte
2. Welch ein tolle Überschrift...
u.loose 04.04.2013
In welche Bedrängnis sollte eine Bank bzw. ein deren Töchter geraten, wenn sie gegen Bezahlung bei der Gründung von Firmen im Ausland behilflich ist? Das ist in Gänze vollkommen legal! Eine Illegalität besteht erst dann, wenn der Inhaber einer solchen Firma möglicherweise in Deutschland steuerpflichtig ist und der Inhaber eben Steuern hinterzieht. Jeder Müller oder Maier kann z.B. ein Konto in der Schweiz eröffnen und selbiges auf Franken Basis führen lassen. Extra dafür wird in der Steuererklärung die Frage nach dem Unterhalt eines ausländischen Kontos gestellt. Sind wir ehrlich - selbst die Nichtangabe einer solche Kontoverbindung ist per se Steuerhinterziehung - jedenfalls so lang das Konto mit Versteuertem befüllt ist ist etwaige Zinsgewinne versteuert werden. Ich möchte mal sehen, ob die 500 Mrd physisches Gold bei einer Nachfrage hierzulande von den Müllers und Maiers angeben werden. Offenbar steht Gold ja weitestgehend deshalb so hoch im Kurs, weil die Käufer - auch Kleine und Kleinste - ihren Schatz vorm möglichen Zugriff von Schwiegermutter Statt schützen wollen.
3. Also wirklich ... wen wunderts?
kopfschütteler 04.04.2013
Gäbe es in Ländern wie dem unseren ein simples, akzeptables Besteuerungssystem wie zum Beispiel in Kanada, wären Offshore-Konten ein Auslaufmodell. Aber so ... Keiner meiner Freunde und Bekannten schenkt dem Fiskus auch nur einen Euro, wenn er es irgendwie vermeiden kann und so manch einer von ihnen geht beim Steuern sparen bis an die Grenze und hier und da vielleicht sogar darüber hinaus. Kann ich es ihnen verdenken? Nein! Diesem verkrusteten Schranzenstaat mit seinem Verwaltungs-Wasserkopf, auf den sogar die Griechen neidisch werden könnten und dazu jeder Menge mehr oder weniger blödsinnigen Verbänden und Organisationen, in denen man ausgediente Politclowns unterbringen kann (sogar für Scharping fand man ja damals etwas) nicht das Schwarze unterm Fingernagel. Ein bei einer internationalen WP-Gesellschaft tätiger Freund (Volkswirtschaftler/Mathematiker) ist der festen Überzeugung, dass Deutschland auch bei annähernder Halbierung der Verwaltung noch problemlos funktionieren würde, und da ist der föderalistische Multi-Parlamente-Blödsinn noch nicht mal berücksichtigt. Wenn ich gerade flüssig wäre, würde ich ja Thüringen kaufen und dort einen Gegenentwurf installieren, aber ich kriege mein Geld leider nicht so ohne weiteres von den Caymans hier rüber.
4. Peer Steinreich wusste es wohl,
guentherprien 04.04.2013
sonst haette er sich heute nicht so aus dem Fenster gelegt mit seinen Bemerkungen. Woher wusste er es denn blos ??? Na ja, als ehemaliger Finanzminister hat man da sicher den nötigen Abstand und damit Überblick. Rechnen können für einen ja andere, wenn Mathematik nicht so die grosse Leidenschaft war. Weiter so, spart den Regierungsparteien Geld bei der Wahlkampagne. Keinen Pinot Grigio mit Napolitano trinken sonden Cabernet Sauvignon mit Hollande, damit der nicht so traurig ist, weil seine Schummis ja nun plötzlich Fehler gemacht haben. Vive la SPD, vorwaerts und nicht vergessen Hollande & Steinreich !!!
5. Die British Virgil Islands
mimija 04.04.2013
waren bei allen großen Banken in den 90-er Jahren ein beliebtes Ziel für Tochtergesellschaften. Die Kunden konnten per Kreditkarte über ihre "Inselkonten" verfügen! Der Clou ist, dass das nie ein Geheimnis war! Den Kunden wurde allerdings immer gesagt, dass sie für die irdnungsgemäße Versteuerung selbst die Verantwortung tragen würden. Nur glaubten diese Kunden, dass sie schlauer sind als der Fiskus. Es ist allerdings auch ein Unding, dass Inseln, die zu einem europäischen Land gehören, dem Steuerzugriff entzogen werden. Dies gilt ja auch für die britischen Kanalinseln! Hier ist die Politik gefordert, die jahrelang alle Augen zugedrückt hat, und sich jetzt künstlich aufregt...! Aber wie immer, nur diejenigen, die viel Geld hatten, können sich diese Betrügereien leisten!
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