Steuerzahlerbund-Chef unter Beschuss "Pharisäer Däke sollte seinen Hut nehmen"

Bislang profilierte sich Karl Heinz Däke an der Spitze des Steuerzahlerbundes als Kritiker von überbordenden Abgeordnetenbezügen. Weil nun Details über die üppigen Bezüge des Verbandschefs publik wurden, revanchieren sich die Politiker. Schon fordert die SPD Däkes Rücktritt.


Verbandschef Däke: Für die Glaubwürdigkeit vernichtend
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Verbandschef Däke: Für die Glaubwürdigkeit vernichtend

Berlin - "Der Pharisäer Däke sollte seinen Hut nehmen", sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß. Der Präsident des Bundes der Steuerzahler lasse keine Gelegenheit ungenutzt, "den Parlamentariern Raffke-Mentalität vorzuwerfen und er betätigt sich seit Jahren als oberster General-Ankläger in Sachen Moral".

Däke hatte zuvor dem Kölner "Express" bestätigt, dass er als Präsident und Chef des verbandseigenen Karl-Bräuer-Instituts 11.000 Euro pro Monat verdiene. Zudem erhalte er als Vorstandsmitglied des nordrhein-westfälischen Landesverbands weitere 3900 Euro im Monat. Alle Bezüge seien von den Gremien des Verbandes ordnungsgemäß genehmigt worden, sagte der 62-Jährige dem Blatt.

Poß forderte, Däke solle sich jetzt so verhalten, wie er es von Politikern immer wieder fordere. "Alles muss auf den Tisch, damit die beitragszahlenden Mitglieder des Vereins, Bund der Steuerzahler, wissen, wofür sie ihre Beiträge zahlen." Es müsse auch deshalb alles auf den Tisch, "damit die Allgemeinheit der Steuerzahler, für die zu handeln Däke immer wieder vorgibt, die Politik dieses obskuren Vereins besser einzuschätzen weiß".

Der Göttinger Parteienforscher Peter Lösche hat in der Gehälter-Affäre um den Präsidenten des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke, von "einer Art Selbstvernichtung" gesprochen. Grundsätzlich sei es zwar nicht schlimm, wenn ein Verband seinem Präsidenten ein hohes Gehalt zahle. Aber wenn jemand wie Däke mit großem moralischen Gestus die Versorgung von Politikern kritisiere und dann bei den eigenen Einkünften nicht für absolute Transparenz sorge, sei dies für seine Glaubwürdigkeit vernichtend, sagte Lösche am Montag der Nachrichtenagentur ddp in Berlin.



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