Stockende Gespräche mit VW Krisentreffen bei Porsche

Im Machtkampf mit VW gerät Porsche in die Defensive: Nachdem die Wolfsburger ein Fusionsgespräch platzen ließen, berät der Aufsichtsrat des Sportwagenherstellers nun über die Zukunft des hochverschuldeten Unternehmens. Dabei treffen die zerstrittenen Familien Porsche und Piëch aufeinander.


Stuttgart/Wolfsburg - Nächster Akt im Machtkampf der beiden großen Autobauer-Familien Porsche und Piëch: Im Forschungs- und Entwicklungszentrum von Porsche in Weissach berät am Vormittag der Aufsichtsrat über die Zukunft des angeschlagenen Sportwagenbauers. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP soll es um eine Kapitalerhöhung bei Porsche in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro gehen. Der Sportwagenbauer ist mit rund neun Milliarden Euro verschuldet. Volkswagen soll dagegen Nettoreserven von elf Milliarden Euro haben.

Porsche in der Klemme: Der Autobauer ist mit rund neun Milliarden Euro verschuldet
AP

Porsche in der Klemme: Der Autobauer ist mit rund neun Milliarden Euro verschuldet

Bei dem Treffen wollen sich die Familien dem Vernehmen nach aussprechen. Nach Informationen des SPIEGEL haben die öffentlichen Äußerungen Piëchs zur Zukunft des Autoimperiums VW/Porsche auch für Krach zwischen den beiden Familienstämmen gesorgt.

Piëch hatte vor wenigen Tagen öffentlich von Schwierigkeiten der Stuttgarter gesprochen, Geld aufzutreiben. VW könne dagegen leichter Kredite bekommen. Daher sei auch eine Übernahme und anschließende Integration von Porsche bei VW denkbar. Dabei wären elf Milliarden Euro als Kaufpreis für Porsche zu hoch gegriffen.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück warf Piëch daraufhin Medienberichten zufolge vor, die Stuttgarter zu verraten. Für Montag hat Hück mehrere tausend Porsche-Beschäftigte am Rande der Aufsichtsratssitzung zu einer Demonstration gegen den VW-Patriarchen aufgerufen. Auch an den Standorten Stuttgart-Zuffenhausen und Ludwigsburg sind Protestaktionen geplant.

Die vor einer Woche gestarteten Gespräche über die gemeinsame Zukunft von VW und Porsche liegen seit Sonntag auf Eis. VW hatte die für Montag geplante Fortsetzung der Verhandlungen überraschend abgesagt. Darüber, wie es weitergehen soll, gibt es unterschiedliche Angaben aus Stuttgart und Wolfsburg. Ein VW-Sprecher sagte, die Gespräche seien für unbestimmte Zeit unterbrochen. Die Atmosphäre sei derzeit nicht konstruktiv. "Daher haben weitere Gespräche momentan keinen Zweck." Porsche teilte dagegen mit, die Verhandlungen würden "ganz normal weitergeführt". Abgesagt worden sei lediglich der Termin am Montag. "Folgetermine sind vereinbart."

Porsche hat sich bei seinen Plänen für eine Übernahme von VW verhoben. Vor eineinhalb Wochen hatten sich die Porsche-Eigentümerfamilien auf einen Zusammenschluss mit dem VW-Konzern geeinigt. Die Details sollen in den nächsten Wochen Vertreter beider Unternehmen sowie des Landes Niedersachsens ausarbeiten. Das Land hat als zweitgrößter VW-Aktionär neben Porsche ein gewichtiges Wort mitzureden.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, er habe die Unterbrechung eingefordert. In der derzeitigen Lage sehe er keine Atmosphäre für konstruktive Gespräche. Er forderte, die Familie Porsche müsse jetzt deutlich vorgeben, wozu sie bereit sei und wozu nicht. "Das sollte sie vor allem erst einmal hausintern bei Porsche klären, vor allem mit den Beschäftigten. Wenn man dann wieder auf Volkswagen zugeht, dann muss klar sein, worüber wir überhaupt sprechen wollen. Verkauf, Fusion oder etwas ganz anderes."

In einem Brief an die VW-Führungskräfte schreibt der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, dass auch die Chefetage in Wolfsburg die Einschätzung des Betriebsratsvorsitzenden teile. "Für ein Zusammengehen von Volkswagen und Porsche müssen wir die Ausgangslage systematisch analysieren und uns ein klares Bild über die tatsächlichen Verhältnisse bei Porsche machen", zitierte die "Berliner Zeitung" aus einem "Brief an die Führungskräfte" vom Sonntag. "Wir benötigen die volle Transparenz der derzeitigen Lage. Es ist im Interesse aller Beteiligten, unserer Belegschaften, aller Aktionäre und unserer Kunden, dass wir die finanzielle Stabilität und Souveränität von Volkswagen nicht gefährden." Der VW-Chef verteidigte der "Berliner Zeitung" zufolge die Absage des für Montag geplanten Arbeitstreffens mit Porsche und betonte, dass "wir uns von niemandem zu überstürzten Handlungen verleiten lassen".

Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff forderte Porsche in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zu konstruktiverem Verhalten auf. "Was wir brauchen, ist volle Transparenz", sagte der niedersächsische Staatssekretär und Wulff-Sprecher, Olaf Glaeseker, "bei allem Verständnis dafür, dass mancher auf dem Weg in die Sauna den Bademantel möglichst lange anbehalten will. Die Stunde der Wahrheit für Porsche naht."

"Porsche muss klären, wohin die Reise gehen soll"

Von Seiten des größten europäischen Autobauers wird in dem Machtpoker immer wieder betont, dass schließlich der hochverschuldete Porsche-Konzern um Gespräche gebeten habe. Der Volkswagenbetriebsrat erklärte: "Wir sind von der Familie Porsche gebeten worden, Gespräche über die Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns zu führen. Aber Porsche muss erst mal intern klären, wohin die Reise eigentlich gehen soll." Bereits zuvor war aus dem Unternehmen verlautet, offenbar werde der Ernst der Lage bei dem hochverschuldeten Sportwagenbauer verdrängt.

Porsche hatte VW ursprünglich übernehmen wollen, war dadurch aber in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Porsche-Eigentümer streben daher nun eine Fusion mit Volkswagen an. Im Gespräch war auch eine umgekehrte Übernahme des Sportwagenbauers durch VW. Darum hatte nach Informationen des manager magazin sogar die Porsche-Führung selbst bei einem Krisentreffen im März gebeten.

Die Eigentümer-Familien Porsche und Piëch - Ferdinand Piëchs Mutter war eine geborene Porsche - hatten sich Anfang Mai bei einem Treffen in Salzburg auf ein Zusammengehen mit dem VW-Konzern geeinigt. Einzelheiten sollten die Vorstände beider Firmen innerhalb von vier Wochen ausarbeiten. Seitdem gab es am vergangenen Montag Gespräche auf Arbeitsebene. In der Öffentlichkeit gab es zahlreiche Spekulationen sowohl über Personalfragen als auch über den zukünftigen Firmensitz und das Thema Finanzen.

ler/dpa/AP/AFP



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