Strafzinsen Erste Sparkassen verlangen Gebühr für hohe Geldanlagen

Weil die Banken für die Geldaufbewahrung bei der Europäischen Zentralbank inzwischen Strafzinsen zahlen müssen, geben erste Sparkassen diese Kosten jetzt an Geschäftskunden weiter.

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Als Folge der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) erheben erste Sparkassen Gebühren für hohe Geldanlagen. Geschäftskunden müssten zum Teil ein sogenanntes Verwahrentgelt für Anlagesummen im Millionenbereich zahlen, sagte der bayerische Sparkassenpräsident Ulrich Netzer.

"Wir können das Geld nicht auf Dauer im eigenen Tresor halten." Die Geldaufbewahrung bei der EZB kostet Banken inzwischen 0,4 Prozent Strafzins. Dieser müsse bei hohen Summen aus wirtschaftlichen Gründen zumindest teilweise an die Kunden weitergegeben werden. "Das machen inzwischen auch andere Banken so", sagte Netzer.

Für Privatkunden sind Strafzinsen aber bislang kein Thema. "Unser Ziel ist, von normalen Sparern keinen Negativzins zu verlangen", sagte Netzer. Völlig ausgeschlossen sei dieser auf lange Sicht aber nicht. Es sei fraglich, wie lange die jetzige Situation der Zinspolitik für die Geldinstitute noch auszuhalten sei.

Als Konsequenz aus den hohen Gebühren für die Geldaufbewahrung bei der EZB haben mehrere Sparkassen schon darüber nachgedacht, das Geld im eigenen Tresor zu lagern. Bislang habe aber noch kein Institut damit begonnen, sagte Netzer. Sollten die Strafzinsen bei der EZB aber noch weiter steigen, könne die Aufbewahrung im eigenen Haus eine Option sein.

Bargeld bei Filialschließungen notfalls nach Hause bringen

Netzer kündigte zudem an, dass Sparkassen in Bayern ihre Kunden nach der Schließung zahlreicher Filialen notfalls zu Hause mit Bargeld versorgen wollen. Wenn kein Geldautomat erreichbar sei, könne Geld zu den Kunden gebracht werden, sagte der bayerische Sparkassenpräsident weiter. "Dieses Angebot wird bislang aber nur von wenigen Kunden genutzt." Auch Bustickets für die Fahrt zur nächsten Filiale oder mobile Geschäftsstellen hätten einige Sparkassen schon im Angebot.

Netzer hatte vor wenigen Wochen angekündigt, dass in diesem Jahr bis zu 220 Filialen in Bayern geschlossen werden sollen, weil die Kunden immer mehr Bankgeschäfte im Internet erledigten. Ziel sei es aber, an möglichst vielen der betroffenen Standorte zumindest ein Selbstbedienungsgerät zu erhalten.

yes/dpa

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