Straßengebühren 120 Mautpreller in zwei Stunden erfasst

Seit Mitternacht sind deutsche Autobahnen für Lastkraftwagen mautpflichtig. Das System startete ohne technische Probleme. Doch manche Brummifahrer haben ihre Schwierigkeiten damit, pro Kilometer rund zwölf Cent berappen zu müssen: In den ersten Stunden wurden bereits 120 Verstöße festgestellt.


Lkw-Mautstelle: Technisch reibungslos
DPA

Lkw-Mautstelle: Technisch reibungslos

Berlin - Von den 120 Verstößen, die das Bundesamt für Güterverkehr in der vergangenen Nacht bis 2.30 Uhr registrierte, wurden 75 von ausländischen Fahrern begangen. Nach Angaben einer Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums müssen die Mautpreller mit einem Nacherhebungsverfahren rechnen. Neben der nachträglichen Zahlung der Maut können in schweren Fällen bei Verstößen gegen die Mautpflicht bis zu 20.000 Euro Bußgeld fällig werden.

Technisch sei die Einführung der Maut reibungslos verlaufen. Die Sprecherin nannte es "erfreulich, dass das System funktioniert". Bei Polizei und Bundesgrenzschutz wurde darauf verwiesen, dass die Zahl der Lastwagen auf den Autobahnen wegen des Fahrverbots an Neujahr sehr gering sei.

Nach jahrzehntelanger politischer Diskussion und einer Serie schwerer Pannen war um Mitternacht die Mautpflicht für das rund 12.000 Kilometer umfassende Schnellstraßennetz in Kraft getreten. Sie betrifft Lastwagen mit mehr als zwölf Tonnen Gesamtgewicht und beträgt nach Achszahl und Schadstoffklassen gestaffelt zwischen neun und 14, durchschnittlich 12,4 Cent pro Kilometer.

Das Bundesverkehrsministerium in Berlin sprach aus Anlass der Einführung von dem "weltweit modernsten und innovativsten Mautsystem". Als verkehrspolitisches Ziel nannte es eine gerechtere Anrechnung der von schweren Lastwagen verursachten Kosten für den Straßenbau.

Die Bundesregierung verspricht sich rund drei Milliarden Euro Gesamteinnahmen pro Jahr von der Maut. Davon würden nach Abzug der Kosten für den Betrieb des Systems und die Kontrollen rund 2,4 Milliarden in den Ausbau von Bundesfernstraßen, Schienenwegen und Wasserstraßen gesteckt. Die Straße solle 50, die Schiene 38 und die Wasserwege zwölf Prozent erhalten, teilte das Ministerium mit.

Trotz mehrerer offensichtlich erfolgreicher Probeläufe in den letzten Monaten hielten Bedenken der Betroffenen über die Praxistauglichkeit des satellitengestützten Systems an. Die Bewährungsprobe steht dem System am Sonntagabend um 22.00 Uhr bevor. Dann endet das Wochenendfahrverbot für Lastwagen, und wer kein automatisches Borderfassungsgerät (OBU) im Cockpit hat, muss sich entweder per Internet oder über ein Dienstleistungsunternehmen einbuchen - oder er nutzt eines der 3700 stationären Terminals an Tankstellen oder Grenzübergängen.

An diesen Geräten werden Staus erwartet: Bis Freitag waren etwa 315.000 Laster mit einem OBU ausgestattet, an einem normalen Werktag bewegen sich aber mehr als eine Million auf den Autobahnen. Die Spediteure hatten zuletzt kritisiert, dass die geplanten Kontrollen unzureichend seien.

Maut-System als Exportschlager?

Der neue Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, hat sich erfreut über den erfolgreichen Start der Lkw-Maut in Deutschland gezeigt. "Das ist ein guter Tag für den Innovationsstandort Deutschland", erklärte Thumann in Berlin. Das satellitengestützte System des Betreiberkonsortiums Toll Collect sei weltweit einmalig und allen Konkurrenzprodukten technisch überlegen. Das Mautsystem aus Deutschland könne sogar ein "neuer Exportschlager" werden.

Zugleich forderte der neue BDI-Präsident die Bundesregierung auf, die erwarteten Maut-Einnahmen von rund drei Milliarden Euro pro Jahr zum Ausbau der Verkehrswege zu nutzen. Das Geld dürfe nicht zum "Stopfen von Haushaltslöchern" benutzt werden, sondern müsse ins Autobahnnetz fließen.



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