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Streit mit Energiekonzernen: Regierung verlangt niedrigere Gaspreise für Verbraucher

Wirtschaftsminister Guttenberg erhöht den Druck auf deutsche Gasversorger: Sie sollen ihre gesunkenen Kosten vollständig an die Verbraucher weitergeben. Die Grünen werfen den Unternehmen Abzocke vor - die Firmen vertrösten Kunden auf mögliche Preissenkungen im Herbst.

Berlin - Die Bundesregierung hat sich in den Streit über zu hohe Gaspreise eingeschaltet. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kritisierte, dass einzelne Versorger derzeit nur die Hälfte des Preisrückgangs beim Gas-Einkauf tatsächlich an die Verbraucher weitergäben. "Ich erwarte, dass sie die durch die Ölpreisentwicklung gesunkenen Gasbezugspreise in vollem Umfang und zeitnah an die Verbraucher weitergeben", sagte der Minister.

Erdgas-Verdichterstation in Brandenburg: Die Grünen werfen den Unternehmen Abzocke vor
DPA

Erdgas-Verdichterstation in Brandenburg: Die Grünen werfen den Unternehmen Abzocke vor

Bereits im Herbst 2008, nach Gesprächen mit der Gaswirtschaft, sei die Senkung angemahnt worden, sagte Guttenberg - und erhöhte den Druck auf die Unternehmen: "Bei Preismissbrauch sind die Kartellbehörden vor allem der Länder gefordert, einzuschreiten." Die Verbraucher sollten Möglichkeiten nutzen, den Anbieter zu wechseln. Das Ministerium arbeite zudem an Änderungen zur Erleichterung des Gas-Netzzugangs.

Eine Studie im Auftrag der Grünen bei fünf großen Gasversorgern hat ergeben, dass die Unternehmen nur einen Teil der gesunkenen Bezugspreise an die Verbraucher weitergeben. Dadurch entstünden ungerechtfertigte Mehrerlöse von mehreren hundert Millionen Euro allein im ersten Halbjahr 2009, schreibt der Kölner Gashandelsexperte Gunnar Harms. Hochgerechnet auf alle 600 Versorger könnten dies mehr als 1,5 Milliarden Euro sein. Laut Verbraucherinternet-Dienst toptarif.de kommen 540 Millionen Euro dazu, weil die meisten der 750 Gasversorger die Preise erst im April und nicht schon im Februar gesenkt hätten. Damit kassierten die Unternehmen gut 2,1 Milliarden Euro.

Der Grünen-Studie zufolge müssten die Preise im ersten Halbjahr 2009 um rund ein Viertel sinken und zum Winter noch einmal um 25 Prozent. Bisher seien es aber nur 12 bis 14 Prozent gewesen. Zudem wird kritisiert, die Preise für die Verbraucher würden immer dann gesenkt, wenn etwa im Frühjahr der Bedarf an Gas ohnehin zurückgehe.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft widersprach den Vorwürfen und kritisierte die Studie: Sie untersuche nur den Zeitraum bis April 2009, entscheidend sei aber das Gesamtjahr. Hier könne es noch Preissenkungen geben. Diese würden sich in der nächsten Heizperiode ab Herbst positiv für die Kunden auswirken. Zudem gebe es durchaus Wettbewerb auf dem Markt.

Die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn, bekräftigte dagegen die Vorwürfe ihrer Partei: "Bei den Gaspreisen gibt es deutliche Hinweise auf eine Abzocke der Verbraucher."

Der Gaspreis ist mit zeitlicher Verzögerung an den Ölpreis gekoppelt. Die Anbindung funktioniere scheinbar nur bei steigenden Preisen, kritisierte Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz. Der Ölpreis sei derzeit nur halb so hoch wie noch im Oktober 2008, sagte er. "Deshalb müssen die Preise weiter runter. Im übrigen kommen die Senkungen zu spät", sagte Ropertz unter Berufung auf den Internet-Dienst Check24.de.

Demnach hätten im ersten Quartal nur 397 Gasversorger - einige zweimal - die Preise gesenkt: im Januar 207 Unternehmen um im Schnitt 5,3 Prozent, im Februar 108 um 5,7 Prozent und Anfang März 82 um 10,8 Prozent. Mit 466 Versorgern seien die meisten erst zum 1. April gefolgt: mit Preisabschlägen von im Schnitt 13,4 Prozent. "Da war aber schon der Winter vorbei. Das kostet die Unternehmen nichts", betonte Ropertz. Ein Sprecher von toptarif.de forderte die Verbraucher erneut auf, von ihrer "Marktmacht" Gebrauch zu machen und teure Anbieter zu wechseln. Damit ließen sich bis 400 Euro einsparen.

cte/Reuters/dpa

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Forum - Zocken die Gasversorger die Verbraucher ab?
insgesamt 163 Beiträge
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1. Nein !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Neurovore 15.04.2009
Zitat von sysopWirtschaftsminister Guttenberg fordert die deutschen Gasversorger auf, ihre Preise stärker als bisher zu senken. Nach dem Ölpreisverfall müssten nun auch die daran gekoppelten Gaspreise sinken. Was denken Sie - werden die Verbraucher von den Gasunternehmen abgezockt?
Nein ! Nein, Nein, Nein und nochmals Nein ! Neinneinneinnein ... und Nein ! Niemals nicht ! Nieeeeeeee... Nein, echt nicht ! Nicht die ! Niehieeeeeee...Neinneinneinneinneinnein... ne ....Nein ! Nein ! Nein ! ....... ... .... Ja !
2.
Gast100100, 15.04.2009
Eine Studie im Auftrag der Grünen. Sind das nicht diejenigen, die vor 10 Jahren gefordert haben, dass Benzin 5 DEM pro Liter kosten soll? Sind das nicht diejenigen, die nach Abschaffung des Kohlepfennigs beim Strom die Stromsteuer mit 2,05 Cent im Jahre 2000 initiert haben, also eine Vervierfachung des Kohlepfennings? Sind das nicht auch diejenigen, die es verpasst haben, den Gasmarkt zu liberalisieren und damit Wettbewerb zu erzeugen? Sind das nicht auch diejenigen, die als Politiker über ihre Gehälter mit fadenscheinigen Begründungen selbst entscheiden?
3. Dummheit rächt sich.
Rums, 15.04.2009
Zitat von sysopWirtschaftsminister Guttenberg fordert die deutschen Gasversorger auf, ihre Preise stärker als bisher zu senken. Nach dem Ölpreisverfall müssten nun auch die daran gekoppelten Gaspreise sinken. Was denken Sie - werden die Verbraucher von den Gasunternehmen abgezockt?
Ich denke, die privaten Gasversorger haben versagt. Sie beweisen nur, daß die PRIVATISIERUNG der Gaswerke eine Riesendummheit der sogenannten "Volkvertreter" war. -
4. Was nu? Nein oder Ja?
Steff-for 15.04.2009
Zitat von NeurovoreNein ! Nein, Nein, Nein und nochmals Nein ! Neinneinneinnein ... und Nein ! Niemals nicht ! Nieeeeeeee... Nein, echt nicht ! Nicht die ! Niehieeeeeee...Neinneinneinneinneinnein... ne ....Nein ! Nein ! Nein ! ....... ... .... Ja !
Muss schon sagen: Sehr informativ, der Beitrag. Natürlich wird der Verbraucher verarscht. Er wird bei allen unabwendbaren Kostenpunkten für blöd verkauft. Bei Energie bei Krankenversorgung bei Rentenkosten bei Lebensmittel hauptsache die Kumpane in der Seilschaft der Lobby bekommen bisschen was ab. Und da schließe ich die Regierung nicht aus. Ich denke hier nur an EON und Angie. Angie war richtig sauer, nach dem Rückzugsbekunden von EON aus dem Versorgernetz. Wo doch Angie schon im Hintergrund für EON alles fix gemacht hätte. Nein, Nein.... stimmt schon. Das sind Abzocker. Und die gibt es seit der großen Liberalisierung. Wie hat es geheissen? Konkurenz erhöht den Druck auf die Bewerber und senkt so die Kosten. Das Gegenteil hat stattgefunden. Alle sitzen sie jetzt an der großen Tafel und bewerfen sich mit Kaviar. Wo bleibt eigentlich uns Gerhard Schrödie alias Gasprom? Grüsse Steff
5. Politiker mit gutem Beispiel voran!
carlosowas, 15.04.2009
Soll doch die Regierung mit gutem Beispiel vorangehen: Steuern runter. Zumindest die Mehrwertsteuer für Brennstoffe.
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