Streit über Alternativ-Benzin Wie Umwelt-Guru Gore zum Biosprit-Gegner wurde

Die deutsche Debatte um das E10-Benzin hat einen Vorläufer: Jahrelang trommelte der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore für Biosprit. Doch dann vollzog er plötzlich eine radikale Kehrtwende - aus einleuchtenden Gründen.

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Klimaschützer Al Gore: Hätte Umweltminister Röttgen beistehen können
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Klimaschützer Al Gore: Hätte Umweltminister Röttgen beistehen können


Hamburg - Im August 1994 feierten amerikanische Biosprit-Befürworter ihren Durchbruch: Der US-Senat machte den Weg frei für Ethanol-Gemische im Benzinmarkt. Die Biosprit-Bewegung geriet richtig in Schwung, wurde fortan als ökologisch und politisch korrekt verkauft, fast schon als hip - und verschaffte sich so auch in Europa schnell eine breitere Akzeptanz.

Die alles entscheidende Stimme im Senat hatte damals Al Gore: Dass der damalige Vizepräsident sich in der historischen Abstimmung für mehr Bio in amerikanischen Tanks einsetzte, brachte auch ihm den Durchbruch in Sachen Öko-Politik. Der smarte, stets jugendlich wirkende Demokrat hatte ein Thema für sich entdeckt, das ihm Glaubwürdigkeit und Anerkennung verschaffte - und ihm auch nach der unglücklichen Wahlniederlage gegen George W. Bush im Jahr 2000 Ablenkung brachte.

Nach der Politkarriere feierte Al Gore Erfolge als Promiredner auf Öko-Kongressen und Händeschüttler bei Biosprit-Firmeneröffnungen. Die Botschaft, die der ehemalige Spitzenpolitiker dabei stets versprühte, las sich in etwa so: Seht her, so staatsmännisch lässt sich Öko verkaufen! Al Gore meinte es wohl wirklich ernst, warnte mit ernster Miene vor den Folgen des Klimawandels - und bekam dafür sogar den Friedensnobelpreis und einen Oscar.

Doch die ehrenwerten Titel haben den Ex-Politiker ein wenig erhaben gemacht über Gegner und Zweifler seiner Thesen. So hat Al Gore jahrelang Biosprit-Kritiker, die ihm in die Quere kamen, klein gemacht. Und wäre der einstige Biosprit-Vorkämpfer heute noch derselbe wie damals, dann würde er jetzt wohl auch dem unglücklich agierenden Umweltminister Norbert Röttgern (CDU) in Sachen E10 zur Seite stehen.

Öko-Wahlkampf für die Landwirte in Tennessee

Wäre da nicht die radikale Kehrtwende, die Al Gore plötzlich Ende vergangenen Jahres vollzog - als hätte er geahnt, welche Wut sich bei Autofahrern breit machen würde. "Ethanol der ersten Generation war ein Fehler", sagte Gore im November auf einer Energiekonferenz in Athen. "Das Verhältnis der Energieumwandlung ist bestenfalls sehr gering."

Schlimmer noch: Die Ehrlichkeit, mit der Al Gore seine vehemente Unterstützung des US-Biospritprogramms in den neunziger Jahren begründete, konnte nur von einem Ex-Politiker kommen: "Einer der Gründe, warum ich diesen Fehler gemacht habe, war, dass ich besonderes Augenmerk auf die Landwirte in meinem Heimatstaat Tennessee gerichtet und eine gewisse Vorliebe für die Bauern im Bundesstaat Iowa entwickelt habe, weil ich dabei war, für das Präsidentenamt zu kandidieren", räumte er ein.

In den USA wird die Ethanolproduktion aus Mais mit jährlich 7,7 Milliarden Dollar Steuergeldern subventioniert - und die Farmer profitieren. Weltweit wird nach Angaben der Internationalen Energieindustrie keine andere Form der erneuerbaren Energien stärker subventioniert.

Al Gore geht inzwischen sogar weiter: Er sieht einen negativen Zusammenhang zwischen der Biosprit- und der Nahrungsmittelproduktion. "Der Konkurrenzkampf mit den Nahrungsmittelpreisen ist Realität."

Diese Sorge hat auch die indische Regierung. Um die Kosten für Nahrungsmittel nicht weiter in die Höhe zu treiben, hat Neu-Delhi deshalb Abstand genommen von dem Plan, den Anteil an Biokraftstoff an Benzin von derzeit fünf auf 20 Prozent im Jahr 2012 anzuheben. In erster Linie seien die Preissteigerungen bei Lebensmitteln aber "auf Missernten, Naturkatastrophen und den Klimawandel" zurückzuführen, und das bei gleichzeitig stark wachsender Bevölkerung, sagt die Ökonomin Saon Ray vom Indian Council for Research in International Economic Relations (ICRIER) in Neu-Delhi.

Es scheint fast so, als ob der Klimaschützer Al Gore, der einst Präsident der USA werden wollte, mit dem Biosprit auf Maisbasis nicht allein einen neuen Feind gefunden hat. Lediglich Biosprit der zweiten Generation, also aus Klärschlamm, Stroh oder anderen organischen Abfällen, befürwortet er nun. So wie Indiens Regierung: Sie verfolge eine Politik, wonach Ethanol nur aus den Abfallprodukten von Lebensmitteln hergestellt werden dürfe, "zum Beispiel aus Melasse, einem Nebenprodukt von Zuckerrohr", sagt die Umweltaktivistin Sunita Narain. "Damit wird der Anbau von Gemüse und Getreide nicht verdrängt."

Ob überhaupt und wie glaubwürdig Al Gore den Kampf dieses Mal führen kann, wird sich zeigen.

Mitarbeit: Hasnain Kazim



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Seite 1
atzigen 07.03.2011
1. Beweis
Zitat von sysopDie deutsche Debatte um das E10-Benzin hat einen Vorläufer: Jahrelang trommelte der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore für*Biosprit. Doch dann*vollzog er plötzlich eine radikale Kehrtwende - aus einleuchtenden Gründen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,749482,00.html
Damit wäre dann bewiesen das es auch unter gefeierten Lichtgestalten Diletanten und Deppen gibt. Wie gehabt. Erst gross puuuupen dann Denken.
wexelweler 07.03.2011
2. Lernkurve
Man muss solchen Politikern auch eine Lernkurve zugestehen. Bei uns in der Nähe (in der Schweiz, in Delémont) wollte jemand eine Biosprit Raffinerie aufstellen, gespiesen mit Material, dass in Südamerika angebaut wird und erst importiert werden müsste. Der Besitzer des Landes, die Alkoholverwaltung wollte es für diesen Zweck nicht verkaufen was diesem Projekt gleich mal das Licht ausgeblasen hat. Es gibt sogar vernünftige Behörden ...
dwg 07.03.2011
3. .
Ja, fein - und diese Ehrlichkeit - ganz allerliebst! Bis sich das jedoch zu unserer Bundesregierung herum gesprochen hat, haben wir alle die Zwangsbetankung mit unserem Wunderbenzin. Dort herrscht derzeit die Parole "Augen zu und durch". Und wenn morgen Herr Röttgen mit dem Füßchen aufstampft, geht es erst richtig los.
absentcrisisx 07.03.2011
4. heh
Wat sacht man dazu? Find ich aber gut das er es eingesehen hat. Keine Anbauflächen zur Mobilitäts-/Energieversorgung verschwenden! Benzin und Biogas kann man nicht Essen/Trinken oder Atmen und in der dritten Welt verhungern se.
reinhard_m, 07.03.2011
5. Boykottieren und abwählen
Zitat von dwgJa, fein - und diese Ehrlichkeit - ganz allerliebst! Bis sich das jedoch zu unserer Bundesregierung herum gesprochen hat, haben wir alle die Zwangsbetankung mit unserem Wunderbenzin. Dort herrscht derzeit die Parole "Augen zu und durch". Und wenn morgen Herr Röttgen mit dem Füßchen aufstampft, geht es erst richtig los.
Wir Wähler und Autofahrer haben es in der Hand, dem Spuk ein Ende zu machen. Das heißt für mich ganz konkret: Pansch-Benzin unter allen Umständen boykottieren und unfähige, ideologisch verbohrte Politiker, die uns solchen Unfug aufzwingen wollen konsequent abwählen.
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