Streit über Aussage Bahn-Chef Mehdorn stellt sich Verkehrsausschuss

Aufsichtsratschef Müller wollte den Auftritt verhindern - doch Bahn-Chef Mehdorn fühlt sich bei der Ehre gepackt. Nach heftigem Ärger wird er nun doch dem Verkehrsausschuss am Mittwoch Auskunft über die Datenaffäre geben. Viel bringen wird das vermutlich nicht.


Berlin - Bahn-Chef Hartmut Mehdorn ist sicher keiner, der den Vorwurf gut erträgt, sich drücken zu wollen. Vielleicht hat er sich deshalb entschlossen, am Mittwoch vor dem Verkehrsausschuss zu erscheinen - obwohl Aufsichtsratschef Werner Müller genau das verhindern wollte.

Bahnchef Mehdorn: Zu sagen hat er sicher einiges - nur wenig Neues
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Bahnchef Mehdorn: Zu sagen hat er sicher einiges - nur wenig Neues

In der Sitzung soll es um die Datenaffäre gehen. Neben Mehdorn will der Verkehrsausschuss auch den Anti-Korruptionsbeauftragten der Bahn, Wolfgang Schaupensteiner, sowie die Leiter der Konzernrevision und der Konzernsicherheit, Josef Bähr und Jens Puls, bei dem Termin hören. Müller allerdings hatte - nach einer dringlichen Einladung an die genannten Manager - in einem Brief den Parlamentariern mitgeteilt, dass Mehdorns Erscheinen seitens des Aufsichtsrates nicht gewünscht sei. Die Aufseher hätten vom Vorstand verlangt, sich zunächst nicht mehr öffentlich zu den Vorfällen zu äußern - weil wiederholt kritisiert worden sei, die Information erfolge nur scheibchenweise.

Die empörte Reaktion der Verkehrsausschussmitglieder ließ nicht lange auf sich warten: Der Ausschussvorsitzende Klaus Lippold (CDU) schrieb Müller zurück, sämtliche Fraktionen forderten das Erscheinen der geladenen Bahn-Manager. Die Sitzung sei nicht öffentlich, darum laufe Müllers Argumentation ins Leere.

Eine rechtliche Handhabe, den Bahn-Chef zum Kommen zu zwingen, gab es allerdings nicht - sie ist aber auch nicht nötig. "Mehdorn kommt", heißt es aus Unternehmenskreisen.

Zu sagen hat der Bahn-Chef sicher Einiges - dass er allerdings Neues verkündet, ist zu bezweifeln. Die Bahn hat bereits einen Zwischenbericht zu der Affäre vorgelegt. Vor kurzem haben darüber hinaus die Rechtsanwälte und ehemaligen Bundesminister Herta Däubler-Gmelin und Gerhart Baum ihre Recherchen zu der Affäre aufgenommen. Auch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nimmt die Sache unter die Lupe.

Mündliche Zwischenberichte werden bei der regulären Aufsichtsratssitzung der Bahn am 27. März erwartet. Mehdorn wird sich hüten, vor diesem Termin weiter ins Detail zu gehen als bisher. Unklar scheint auch noch zu sein, wer von den übrigen Geladenen den Bahn-Chef am Mittwoch begleiten wird.

Sollte etwa Bähr nicht erscheinen, ist der Ärger programmiert. Der Leiter der Konzernrevision sollte eigentlich schon zur letzten Sitzung des Gremiums kommen - wurde aber kurz vorher beurlaubt.

Die Bahn hatte über rund zehn Jahre mehrmals die Daten fast aller Beschäftigten mit denen von Zulieferfirmen abgeglichen, um damit Korruption auf die Spur zu kommen. Dabei wurde der Betriebsrat nicht informiert. Die Bahn hat auch nicht ausgeschlossen, dass Akten über die Vorgänge manipuliert oder vernichtet wurden.

ase/AP



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