Streit um Bankgeheimnis OECD setzt Schweiz auf Steuerparadies-Liste

Noch ist es nicht offiziell, doch laut einem Pressebericht betrachtet die OECD die Schweiz neuerdings als Steuerparadies. Auf einer entsprechenden Liste finden sich neben den Eidgenossen auch die EU-Länder Österreich und Luxemburg.


Paris - Die OECD hat die Schweiz, Österreich und Luxemburg auf eine vorläufige Steuerparadies-Liste gesetzt. Das berichtet die Pariser Finanzzeitung "La Tribune". Die Liste führt Länder auf, die nicht ausreichend mit anderen Staaten kooperieren.

Safe in Zürich: Große Mehrheit für das Bankgeheimnis
Corbis

Safe in Zürich: Große Mehrheit für das Bankgeheimnis

Auch Singapur und Hongkong würden neu genannt, berichtet die Zeitung. Die britischen Kanalinseln blieben dagegen verschont, da Jersey in letzter Minute mit mehreren Ländern Abkommen über Finanzstandards geschlossen habe.

Bisher führt die OECD (Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit) nur die Zwergstaaten Liechtenstein, Monaco und Andorra auf ihrer schwarzen Liste. Innerhalb der Organisation besteht ein Zwang zur Einstimmigkeit, was nach Expertenmeinung bisher eine klare Auflistung verhindert hat. So kommt man schwer an die Kanalinseln und ihre Briefkastenfirmen heran, so lange London vorrangig seinen Finanzplatz schützen will.

Deutschland und Frankreich haben nun jedoch durchgesetzt, dass die OECD bis zum G-20-Gipfel in London ihre Liste überarbeitet. Die Organisation möchte es laut "Tribune" allerdings bei technischen Vorarbeiten belassen und es der G20 selbst überantworten, die neue Liste aufzustellen. Schweizer Politiker sprechen den G20 dazu aber die Kompetenz ab.

Die Schweiz steht wegen ihres Bankgeheimnisses besonders unter Beobachtung der OECD. Nach Ansicht von Deutschland und anderen großen Staaten begünstigt das Bankgeheimnis Steuerflucht und -hinterziehung.

Die Schweizer selbst stehen indes mit großer Mehrheit hinter dem Bankgeheimnis. Laut einer Umfrage sind 78 Prozent der Eidgenossen der Meinung, das Bankgeheimnis solle in seiner jetzigen Form beibehalten werden. Dies teilte die Schweizerische Bankiersvereinigung, welche die Umfrage in Auftrag gegeben hatte, am Mittwoch mit.

In der repräsentativen Umfrage des unabhängigen Meinungsforschungsinstitut MIS Trend wünschten sich rund drei Viertel der Befragten kein Nachgeben der Schweiz gegenüber ausländischem Druck. In einer kürzlich veröffentlichten Isopublic-Umfrage hatten sich 55,7 Prozent der Befragten für die Verteidigung des Bankgeheimnisses in seiner bisherigen Form ausgesprochen. Mit 59 Prozent stuft die Mehrheit der Befragten den ausländischen Druck auf die Schweiz als groß ein.

wal/dpa/Reuters



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