Streit um Gasprom-Drohung Europaabgeordneter Brok spricht von "Kaltem Krieg"

Im Streit um die jüngsten Drohungen des russischen Energiekonzerns Gasprom, die Lieferungen an Europa zu drosseln, verschärft sich der Ton. Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok warnt vor einer Gefahr für die Sicherheit Europas. Gasprom dagegen wiederholte seine Drohung.


Berlin -  "Was wir hier erleben, ist die Ankündigung eines Kalten Krieges mit neuen Methoden", sagte der CDU-Abgeordnete Elmar Brok der Tageszeitung "Die Welt". Brok forderte, das Thema Energieversorgung "stärker unter sicherheitspolitischen Aspekten" zu betrachten. Gasprom hatte angekündigt, den Gashahn nach Westen teilweise zuzudrehen, sollten die Expansionspläne des Unternehmens in Europa blockiert werden.

Brok kritisierte, der russische Energiekonzern verfolge die Strategie, nicht nur größter Energielieferant der EU zu sein, sondern auch die Herrschaft über Netze und Durchleitungsrechte zu bekommen, "damit ohne Gasprom nichts mehr geht". Dagegen müsse die EU entschlossen vorgehen, sagte Brok. Wichtig sei, die Gas-Netze in Europa enger miteinander zu verknüpfen, um die Mitgliedsstaaten weniger erpressbar zu machen. Dies sei "nicht zuletzt angesichts der Lage im Mittleren Osten eine dringend notwendige Maßnahme zur eigenen Sicherheit".

Gasprom-Sprecher Sergej Kuprianow sagte dagegen der "Welt", wer die Zusammenarbeit entwickeln wolle, dürfe Gasprom "keine Knüppel zwischen die Beine werfen". In diesem Fall würden die neuen Gasmengen auf andere Märkte fließen. Gasprom würde das "sehr bedauern, aber wir müssten andere Varianten suchen. Und die gibt es", sagte Kuprianow. Gleichzeitig versicherte er, sein Unternehmen garantiere die Erfüllung aller geltenden Verträge.

Gasprom-Chef Alexej Miller hatte gestern die EU-Staaten vor einer Einmischung in die Expansionspläne des Konzerns gewarnt. Versuche, Gasproms Aktivitäten auf dem europäischen Markt zu beschränken und Fragen der Gasversorgung zu politisieren, "werden nicht zu guten Resultaten führen", hatte Miller im Anschluss an ein Treffen mit den Botschaftern der 25 EU-Mitgliedsländer erklärt.

fok/afp



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