Streit um Quelle-Rettung: Guttenberg knöpft sich Steinbrück vor

Die Rettung von Quelle wird zum Streitthema in der Politik: Wirtschaftsminister Guttenberg wirft Steinbrück Zögerlichkeit bei der Vergabe von Hilfskrediten vor. Die Belegschaft des insolventen Versandhändlers sieht sich bereits in den "Mühlen des Wahlkampfs".

Fürth/Berlin - Streit über den Kredit für Quelle: Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mahnte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), schnell für eine Entscheidung über eine Hilfe für das insolvente Versandhaus zu sorgen. "Ich glaube, dass allen gedient wäre, wenn sie bald wüssten, woran sie sind", sagte Guttenberg am Freitag in Berlin. Der Finanzminister habe alle Zahlen vorliegen, um entscheiden zu können.

"Mir ist es völlig unverständlich, weshalb man diese Zahlen nicht zu einem Ergebnis führen kann", sagte Guttenberg. Dieses "Verharrungsvermögen" dürfe nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werden.

Guttenberg (l.) und Steinbrück: Streit um Quelle-Kredit
DDP

Guttenberg (l.) und Steinbrück: Streit um Quelle-Kredit

Das insolvente Versandunternehmen Quelle aus Fürth wartet auf einen sogenannten Massekredit von 50 Millionen Euro. Bayern und Sachsen wollen bislang 25 Millionen Euro übernehmen, der Rest soll vom Bund kommen. Ein Massekredit ist eine spezielle Nothilfe, mit der insolvente Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb aufrechterhalten können. Bei einem Massekredit steht der Kreditgeber ganz oben auf der Liste der Gläubiger und hat damit frühzeitig Zugriff auf die Insolvenzmasse.

Steinbrücks Ministerium reagierte umgehend auf die Attacke von Guttenberg. "Wenn die erforderlichen Informationen - hoffentlich möglichst rasch - vorliegen, sind auch wir an einer ganz kurzfristigen Entscheidung interessiert", wies am Freitag ein Sprecher des Ministers die Vorwürfe zurück. Es sei aber vorrangig Sache des federführenden Wirtschaftsministeriums, "hier für die Klarheit der Informationen zu sorgen".

Um zu einer positiven Entscheidung zu kommen, müsse geklärt werden, ob die notwendigen Sicherheiten für den in Frage stehenden Massekredit an Quelle vorliegen und die Staatsbank KfW, die den Kredit vergeben würde, Zugriff auf die erstrangigen Sicherheiten hätte, ergänzte der Ministeriumssprecher. Das Finanzministerium versicherte aber noch einmal ausdrücklich, dass es selbst an einer schnellen Klärung der noch offenen Fragen interessiert sei.

Die Bundesregierung wolle bis zu diesem Montag eine Grundsatzentscheidung treffen, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen in Berlin.

Nach Einschätzung von Klaus Hubert Görg, Insolvenzverwalter der Quelle-Mutter Arcandor Chart zeigen, ist ein Massekredit in jedem Fall durch ausreichend Vermögenswerte des Versandhändlers gedeckt. Nach Angaben von Görgs Beauftragtem Hans-Gerd Jauch verfügt Quelle über umfangreiche Werte wie unbezahlte Ware. Den erzielbaren Liquidationserlös schätzt Görg auf 72 Millionen Euro. "Damit sollte die Masse für 50 Millionen Euro Kredit auf jeden Fall ausreichen", sagte Jauch der "Financial Times Deutschland".

Betriebsrat fordert Machtwort von Merkel

Guttenberg bekräftigte, dass eine Insolvenz nicht das Ende eines Unternehmens bedeuten müsse. Es gebe heute die Möglichkeit einer "geordneten Abwicklung" statt der "sofortigen brachialen Pleite". Dies müsse man auch der Bevölkerung vermitteln. Ansonsten entstünden durch falsche Darstellungen Ängste und Sorgen bei den Menschen, die dann zu Selbstläufern würden.

Der Quelle-Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Ernst Sindel, forderte ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Im Deutschlandradio Kultur sagte Sindel, Quelle gerate zunehmend in die "Mühlen des Wahlkampfs". Die Diskussion um die Zukunft des Unternehmens laufe nicht mehr auf der Sachebene, sondern "mittlerweile auf einer hohen politischen Schiene". Dass Merkel kein Machtwort spreche, tue "sehr weh". "Das werden auch die Mitarbeiter registrieren", sagte Sindel.

als/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Arcandor - ist Insolvenz die beste Lösung?
insgesamt 718 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Spiegel-Online hat DIE Macht
yupii 09.06.2009
Das sich Spiegel-online damit brüstet, dass sie, durch das Vermelden der Entscheidung des Vorstands, den Antrag auf einen staatlichen Notkredit nicht zu verbessern, den Kurs um 30 % fallen sinken lassen haben finde ich überheblich und beängstigend. Wer sich so mit seiner vermeintlichen macht rühmt und auch noch so leichtfertig damit umgeht, der kann einen ja nur Angst machen. Sich mit Dingen zurühmen , die nichts Gutes sind ist man eigentlich eher von der Bild-Zeitung gewohnt
2. Faire Lösung
bringtheheat 09.06.2009
Die Insolvenz ist wohl die fairste Lösung für alle. All die Absolventen von Studium und Ausbildung bekommen momentan keine Chance zu zeigen was sie können. Arcandor hatte seine Chance, hat sie aber nicht genutzt. Nun sind andere an der Reihe. Neben den offensichtlichen Fehlern des Big-Business-Middelhoff, die Immobilien zu verkaufen tragen aber auch die Verkäufer in den Häusern eine gehörige Mitschuld. Ich kann zwar nicht beurteilen inwiefern der Verkauf der Immobilien damals alternativlos war, aber ich kann beurteilen, das ein Unternehmen ohne Werte immer am Abgrund steht, da man speziell bei den regelmäßigen Kreditverhandlungen im Handel nichts einbringen kann und keine Sicherheiten vorlegen kann. Man geht dort einkaufen, wo man sich wohl fühlt. Auf den Cent achtet man bei der Größenordnung nicht. Bei dumm und dreist in Gruppen rumstehenden Verkäuferinnen fühlt man sich nunmal nicht wohl. In kleineren Filialen trampeln einem die Verkäuferinnen überspitzt formuliert direkt auf die Füße sobald man den Laden betritt. Die schleppende Sanierung der Häuser tut ein übriges. In meiner Stadt (330tsd Einw.) fühlt man sich bei Karstadt eher wie auf nem türkischem Basar. Interessanterweise hat Arcandor durch den Verkauf der Immobilien Vertrauen bei den Kreditgebern verloren. Der Götze einer möglichst hohen Eigenkapitalrentabilität die ja gerade durch wenig Eigenkapital erreicht wird, also möglichst wenig Risiko einzugehen ist in diesem Fall wohl auch gescheitert. Die Entscheider vergessen heutzutage oftmals, das es Käufer und Verkäufer, Schuldner und Gläubiger usw. gibt. Das ganze nennt sich wohl modernes Unternehmertum...lol Ich möchte hier mal die These aufstellen, das die Insolvenz lange Zeit absehbar war und man daher alle Vermögenswerte schon vor längerer Zeit von Arcandor abgetrennt hat. Wer steigt mit ein?...:-D
3.
idealist100 09.06.2009
Zitat von sysopArcandor gibt auf: Der Handelskonzern hat Antrag auf Insolvenz gestellt. Betroffen sind die Tochterfirmen Karstadt, Quelle, Primondo, aber nicht Thomas Cook. Ist diese Insolvenz-Lösung die beste für den Konzern und seine Angestellten?
Wenn 50 % der Jobs erhalten werden zu marktüblichen Gehältern, kein Lohndumping wie bei Karstadt/Quelle, dann war es ein Erfolg. Vielleicht werden es ja auch mehr. Ich hoffe nur das kein müder Eurone für die Eigner Schicki-miki, Openeimer, Esch, middelh, Eick etc. übrigbleibt.
4. Klar
elwu 09.06.2009
ist eine Insolvenz die beste Lösung, wäre es auch bei Opel gewesen... Zum Artikel: "Die Finanzkrise hat erstmals einen deutschen Großkonzern in die Insolvenz getrieben." Ah ja? Arcandor war schon seit Jahren siech! Auch ohne die Finanzkrise. Wenn doch wenigstens die Journalisgten aufhören würden, die Finanzkrise für jede Pleite als Begründung zu nennen. Statt richtigerweise das Versagen und/oder die Gier von Managern und Politikern.
5.
D0nJuAn 09.06.2009
Ein dank an die Regierung das sie es nicht zum kompletten Dammbruch hat kommen lassen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -21-