Hamburg - Beim Thema Geld hört der Spaß auf. Das gilt auch für die Bundesbank und die Bundesdruckerei, die sich seit Monaten darüber streiten, ob deutsche Euro-Noten im Ausland gedruckt werden dürfen oder nicht.
Nun zog die Druckerei den Kürzeren. Das Bundeskartellamt hat entschieden, dass die Zentralbank ihre Aufträge auch ins Ausland vergeben darf, schreibt die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf einen Sprecher der Wettbewerbsbehörde. Das Amt wies demnach bereits am Donnerstag einen Antrag der Bundesdruckerei gegen die Auftragsvergabe ins Ausland zurück. Der Entscheidung zufolge war die Ausschreibung rechtmäßig, die Bundesbank musste die deutschen Geldnoten-Drucker nicht automatisch berücksichtigen.
Die Bundesbank hatte den Auftrag für das Drucken der deutschen Banknoten europaweit ausgeschrieben. Anbieter aus dem Ausland setzten sich durch: Die meisten deutschen Euro-Geldscheine sollen dieses Jahr in Frankreich und den Niederlanden gedruckt werden. Die inzwischen wieder staatliche Bundesdruckerei ging dabei hingegen leer aus, das Münchener Unternehmen Giesecke & Devrient erhielt nur einen kleinen Auftrag.
Jahrzehntelang war der Markt abgeschottet
Die Belegschaft der Bundesdruckerei hatte bereits im August vor der Bundesbankzentrale gegen die neue Auftragsvergabe protestiert. Die Beschäftigten befürchten, dass 400 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden müssen. Denn insgesamt verbleiben in Deutschland nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di nur 20 Prozent des gesamten Auftragsvolumens.
Die Kartellamtsentscheidung ist ein schwerer Schlag für die Bundesdruckerei und den G&D-Konzern. Bis 2008 bekamen sie jahrzehntelang in einem abgeschotteten Markt alle Bestellungen für die D-Mark- und Euro-Scheine. Dies brachte Planungssicherheit und finanzierte Sicherheitsentwicklungen. Bei der Bundesdruckerei entfielen laut Zeitungsbericht 2009 von mehr als 312 Millionen Euro Umsatz rund 58 Millionen Euro auf den Banknotendruck.
Die Bundesdruckerei kritisiert, dass die Bundesbank die Aufträge europaweit ausschreibt während andere große Zentralbanken ihre Märkte noch abschotten - sie haben zum Teil Staatsdruckereien. Frühestens 2012 wäre die Bundesbank zur Marktöffnung verpflichtet, heißt es bei Ver.di. In diesem Fall argumentieren die Gewerkschaft und auch das Management der Druckereien auf einer Linie.
Gegen die Entscheidung des Kartellamts kann nun zwei Wochen lang Berufung eingelegt werden. "Wir prüfen das weitere Vorgehen", sagte eine Sprecherin der Bundesdruckerei der Zeitung.
yes/AFP
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