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Gefahr für Steuerzahler: Auch der Stresstest macht die Banken nicht sicher

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Blick aus der neuen EZB-Zentrale auf die Frankfurter Bankentürme: Alle noch da Zur Großansicht
DPA

Blick aus der neuen EZB-Zentrale auf die Frankfurter Bankentürme: Alle noch da

25 Banken durchgefallen im europäischen Bankenstresstest: Das klingt nach hartem Aufräumen. Doch am Kern des Problems ändert es wenig. Auch in der nächsten Krise werden Steuerzahler für Pleitebanken zahlen müssen.

Die Erwartungen waren gigantisch. Wenn der Stresstest erst mal abgeschlossen sei, so hörte man in den vergangenen Wochen viele europäische Banker und Finanzexperten reden, dann werde das Vertrauen in die Geldinstitute zurückkommen und sie könnten endlich wieder das tun, wofür sie eigentlich da sind: das Wachstum der Wirtschaft zu finanzieren.

Nun ist der Stresstest vorbei. 25 Banken sind durchgefallen, 13 davon werden sich in den kommenden Monaten noch frisches Eigenkapital besorgen müssen (eine grafische Übersicht finden Sie hier). Und alle Beteiligten sind irgendwie zufrieden.

Wird nun alles gut?

Leider nein. Es spricht zwar Einiges für den Test: Er war gründlicher und längst nicht so weich wie die beiden vorigen Übungen in den Jahren 2010 und 2011. Und er war wichtig, weil er zumindest ein bisschen Transparenz und Vergleichbarkeit schafft in einer Branche, in der sonst vieles im Dunkeln liegt.

Das war es dann aber leider auch schon mit den positiven Folgen des Tests. Er wird das kranke europäische Bankensystem nicht plötzlich gesunden lassen. Er wird die nächste Krise nicht verhindern. Und er wird es auch den Steuerzahlern nicht ersparen, wieder draufzahlen zu müssen, sobald eine größere Bank ins Wanken gerät.

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Bankenprüfung: Der Stresstest im Überblick
Der Stresstest wurde mit Erwartungen überfrachtet. Er sollte das Bankensystem reparieren, ohne an den Grundfesten dieses Systems zu rütteln. Er sollte einzelne Institute zwingen, sich besser mit Eigenkapital abzusichern, aber dabei bloß nicht zu große Lücken bei wichtigen Banken aufdecken - denn wer weiß, ob die Finanzmärkte dann nicht wieder durchdrehen würden?

Diese Anforderungen kann kein Test erfüllen. Und so bleiben die Konsequenzen überschaubar. Viele Banken sind heute ein bisschen besser mit Eigenkapital ausgestattet als noch vor einem Jahr. Aber reicht das auch, falls eine wirklich große Krise kommt?

Bei 59 der 130 von der EZB getesteten Banken liegt das Verhältnis des Eigenkapitals zu den gesamten Risiken unter fünf Prozent. Das heißt im Klartext: Wenn nur fünf Prozent aller Forderungen, die diese Banken in ihren Geschäftsbüchern halten, nicht eintreibbar sind, und sich auch sonst kein frisches Geld beschaffen lässt, sind die Institute pleite. Keine besonders beruhigende Vorstellung.

Um wirklich etwas zu ändern, müssten gesunde Banken noch stärker mit Eigenkapital aufgepolstert werden als bisher - und marode Banken ohne echtes Geschäftsmodell müssten dicht gemacht werden. Es gibt ohnehin zu viele davon.

Formell ist das demnächst möglich, mit der Einführung des europäischen Abwicklungsmechanismus. Tatsächlich aber ist auch den Finanzaufsehern klar, dass sie es mit diesen Regeln nicht schaffen werden, eine in Schieflage geratene wirklich große Bank abzuwickeln. Zu gewaltig wären die anschließenden Turbulenzen im Finanzsystem - und zu mickrig sind die bereitgestellten Geldtöpfe.

Es wird in solchen Fällen also auch künftig eher gerettet als abgewickelt werden. Und die Kosten dafür werden weiter die Steuerzahler tragen.

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Der Stress mit dem Stresstest

Die Europäische Zentralbank hat untersucht, ob die wichtigsten Geldinstitute Europas genug Kapital für Notfälle auf der hohen Kante haben - der Großteil der Banken hat bestanden. Was ist Ihre Meinung zum Ergebnis dieses Stresstests?

Das sind die Durchfaller 2014
Deutschland Münchener Hypothekenbank
Österreich Österreichischer Volksbanken-Verbund
Belgien Axa Bank Europe
Belgien Dexia
Zypern Bank of Cyprus
Zypern Cooperative Central Bank
Zypern Hellenic Bank
Spanien Liberbank
Frankreich C.R.H. Caisse des Refinancement de l'Habitat
Griechenland Eurobank
Griechenland National Bank of Greece
Griechenland Piräus Bank
Irland Permanent tsb
Italien Monte dei Paschi di Siena
Italien Banca Carige
Italien Veneto Banca
Italien Banco Popolare
Italien Banca Popolare de Milano
Italien Banca Popolare di Vicenza
Italien Credito Valtellinese
Italien Banca Popolare di Sondrio
Italien Banca Popolare dell'Emilia Romagna
Portugal Banco Comercial Portugues
Slowenien Nova Kreditna Banka Maribor
Slowenien Nova Ljubljanska banka

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Eigenkapital 5,5%
geisterfahrerii 27.10.2014
Wenn eine Bank also zu 94,5 Prozent aus Luftgeld besteht ist sie sicher. Das ist eine Logik der nur Bänker folgen können. Oder Menschen die uns eine nicht vorhandene Sicherheit einreden wollen.
2. Interessant
rosenvater 27.10.2014
"Das heißt im Klartext: Wenn nur fünf Prozent aller Forderungen, die diese Banken in ihren Geschäftsbüchern halten, nicht eintreibbar sind, und sich auch sonst kein frisches Geld beschaffen lässt, sind die Institute pleite." Dann dürften aber 99% aller Unternehmen pleite sein, deren die Forderungen nicht zu 100% mit Eigenkapital gedeckt sind. Naja, zumindest die, deren Bilanzposition nur aus Eigenkapital und Forderungen besteht.
3.
anderton 27.10.2014
---Zitat--- Auch in der nächsten Krise werden Steuerzahler für Pleitebanken zahlen müssen. ---Zitatende--- Na selbstverständlich! Traurig, dass selbst die Medien diesen Umstand schon als normal ansehen.
4.
woooord 27.10.2014
Geballte Inkompetenz des Autors. Dann machen Sie doch mal den großen SPON Banken Test und zeigen mal allen wie es richtig geht. Damit ist ja allen nur geholfen: Anleger haben wieder Vertrauen, Banken geht es nachhaltig besser, die Wirtschaft floriert und Sie werden als neuer Star der Finanzbranche gefeiert. Hier wird in dem Artikel ohne wirkliches Fachwissen eine Binsenweisheit nach der anderen gezündet: zb 'es ist nur eine Frage der Zeit bis der Crash kommt', 'es gibt ohnehin zu viele Banken'. Ich habe Eigendlich von Spiegel mehr als Bild Niveau erwartet.
5. Man sollten damit anfangen,
warkeinnickmehrfrei 27.10.2014
sich zu fragen, ob ein Zusammenbruch/Reset mit anschließendem Neustart des Systems nicht die beste Lösung wäre. Und dann sollte man auch gleich über die Abschaffung des Euro und der EU in ihrer jetzigen Form nachdenken . Aber das wird nicht passieren, für unsere Eliten hängen von all dem viel zu viele Pöstchen und Pfründe ab.
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Bankencheck: Die Stresstester

So funktioniert der Stresstest
Worum geht es?
Es ist der bisher größte Bankencheck in Europa. Ein Jahr lang hat die EZB mithilfe der nationalen Aufsichtsbehörden und der Beratungsfirma Oliver Wyman die 130 größten Banken in der Eurozone untersucht, darunter 24 deutsche.
Wo liegen die größten Risiken für jedes einzelne Institut? Sind die Kredite in den Bilanzen richtig bewertet? Und schließlich der Stresstest: Wie würden die Banken eine neue schwere Wirtschaftskrise überstehen? In dieser letzten Stufe wurden in Zusammenarbeit mit der europäischen Aufsichtsbehörde EBA auch Banken aus Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien oder Dänemark mitgeprüft.
Was soll der Test bringen?

Der Test soll vor allem Vertrauen schaffen, das bisher fehlt. Seit der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 herrscht immer noch Misstrauen in der europäischen Bankenbranche. Zwar haben viele Institute ihr Eigenkapital seitdem gestärkt und sind damit krisenfester geworden. Doch noch immer gibt es Zweifel, ob einige Institute wirklich so gesund sind, wie sie nach außen glauben machen wollen.

Die umfassende Prüfung soll nun Transparenz bringen. Anhand der Ergebnisse, so die Hoffnung, können Investoren und Gläubiger sehen, wie es einzelnen Banken wirklich geht. Diejenigen Geldhäuser, bei denen Probleme auftreten, werden zum Nachbessern gezwungen.

Was genau wurde getestet?

Im Stresstest mussten sich die Banken zwei Szenarien stellen. Im ersten wurde ein eher positiver Wirtschaftsverlauf in den Jahren 2014 bis 2016 angenommen. Die Wirtschaft in Europa wächst, die Arbeitslosigkeit geht leicht zurück, die Preise steigen moderat.

Im zweiten, dem sogenannten adversen Szenario, wurde ein wirtschaftlicher Schock simuliert, der auch die Finanzmärkte erfasst: Die Wirtschaftsleistung geht um gut zwei Prozent zurück, Aktien- und Immobilienmärkte brechen ein, die Zinsen steigen und Banken kommen schwieriger an frisches Geld.

Um den Stresstest zu bestehen, müssen die Teilnehmer bestimmte Eigenkapitalquoten erfüllen. Dabei geht es um jenes Kapital, das der Bank in Form von Aktienkapital oder einbehaltenen Gewinnen zur Verfügung steht. Dieses Polster wird ins Verhältnis gesetzt zu den Risiken in der Bankbilanz, also vor allem Kredite und Wertpapiere. Im ersten Szenario darf die Eigenkapitalquote der Institute nicht unter acht Prozent fallen, im Stressszenario liegt die Grenze bei 5,5 Prozent.

Was passiert mit den Banken, die durchfallen?

Wer schon das Normalszenario im Stresstest nicht übersteht, dürfte arge Probleme bekommen. Wenn er sich seit dem Prüfungsstichtag 31.12.2013 nicht schon frisches Eigenkapital besorgt hat, muss er dies nun tun. Zwei Wochen haben die betroffenen Banken Zeit, den Aufsehern entsprechende Pläne vorzulegen. Werden diese genehmigt, müssen die Institute ihre Kapitallücken innerhalb von sechs Monaten füllen.

Institute, die nur im harten Stressszenario durchfallen, haben es etwas leichter. Falls sie sich das fehlende Kapital nicht schon seit Jahresbeginn besorgt haben, bekommen sie nun neun Monate dafür Zeit.

Banken, die es nicht schaffen, die Anforderungen in der vorgegeben Zeit zu erfüllen, müssen damit rechnen, abgewickelt zu werden. Die Kosten tragen die jeweiligen Nationalstaaten.


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