Strom- und Gaspreise Breite Front gegen Energieanbieter

Die Bundesnetzagentur greift durch - zumindest soweit sie kann. Im Kampf um niedrigere Energiepreise hat sie heute erneut die Netznutzungsgebühren, die Strom- und Gasunternehmen von Konkurrenten verlangen, gekappt. Ob die Kunden davon profitieren, ist höchst umstritten.


Hamburg - Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, will Hoffnung machen: Die Entgelte, die Anbieter von Konkurrenten für die Nutzung ihrer Netze verlangen dürfen, hätten "signifikante" Auswirkungen auf die Strom und Gaspreise. Bei Strom machten sie fast ein Drittel, bei Gas immerhin 20 Prozent des Preises aus, erklärte der Behördenchef. Da hatte die Agentur gerade die vom Energieversorger E.on beantragten Tarife um rund 16 Prozent gekürzt. Bei allen großen deutschen Stomnetzbetreibern - neben E.on noch RWE, Vattenfall und EnBW - wurden damit die beantragten Gebühren gekappt.

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DPA

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Vattenfall muss die Entgelte, die der Konzern von Konkurrenten bei der Nutzung des eigenen Netzes verlangt, um 18 Prozent senken, RWE um neun und EnBW um acht Prozent. Bescheide für weitere 20 größere Stromnetzbetreiber stehen vor dem Abschluss. Auch im Gasmarkt griff die Behörde durch: Bei der E.on Thüringer Energie AG wurden 9,5 Prozent der beantragten Netzkosten nicht anerkannt. Bei der E.on Mitte AG, die Verbraucher in Hessen, Niedersachsen und Thüringen beliefert, wurden elf Prozent der geltend gemachten Netzkosten nicht akzeptiert.

Damit hat die Bundesnetzagentur aber auch schon fast alles in ihrer Macht stehende getan, um die stetig steigenden Preise für Energie zu bremsen. Ob das reicht, um das rasante Anwachsen der Energiekosten zu stoppen, ist umstritten. "Die Senkung wird sich kaum in den Verbraucherpreisen niederschlagen", erklärt etwa der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters. Der Strompreis werde allenfalls in einer Größenordnung von 0,1 bis 0,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh) sinken, sagte er im ZDF-"Mittagsmagazin". Auch Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) warnte vor übertriebener Euphorie, die frühere nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) rechnet gar überhaupt nicht mit sinkenden Preisen. "Es ist abzusehen, dass sich die Unternehmen das Geld an andere Stelle wieder hereinholen."

Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) ist dagegen eine spürbare Entlastung möglich. "Beim Strom macht das knapp ein Cent pro Kilowattstunde aus", sagte VZBV-Energieexperte Holger Krawinkel der Nachrichtenagentur dpa. Für einen Haushalt mit drei bis vier Personen ergebe sich so eine Einsparung von etwa 35 Euro pro Jahr. Als erstes Bundesland stellte Hamburg seinen Bürgern heute ausdrücklich fallende Strompreise in Aussicht. "Für die Hamburger Stromkunden erwarte ich bereits in den nächsten Tagen Strompreiskürzungen um circa 2,5 Prozentpunkte", erklärte Wirtschaftssenator Gunnar Uldall. Allerdings haben viele Stromversorger bei den zuständigen Länderregierungen schon Preiserhöhungen zum 1. Januar 2007 beantragt. Die Länder hatten aber angekündigt, die Anträge sehr genau zu überprüfen und eventuell die Genehmigungen zu verweigern.

Verband warnt vor Investitionsstopp

Die Energieanbieter schimpfen unterdessen kräftig über die Bundesnetzagentur und drohen Verbrauchern und Behörde teilweise unverhohlen. Umsatzrückgänge im zweistelligen Millionenbereich seien zu erwarten, hieß es beim Verteilnetzbetreiber RWE Westfalen-Weser-Ems. Und die Kunden würden von dem Vorgehen nicht profitieren: Die Tarife für 2006 seien bereits gesenkt worden. Im Tarifpreisantrag zum Januar 2007 seien die gesenkten Netzgebühren ebenfalls in vollem Umfang berücksichtigt.

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) forderte mehr Zeit für die Unternehmen, die verfügten Kostensenkungen umzusetzen. "Kurzfristig können nur Einsparungen bei Personal und Investitionen erzielt werden, aber auch hier bestehen vertragliche Verpflichtungen", sagte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller.

Nach Darstellung des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) gleicht die Mehrwertsteuererhöhung im Januar die Kürzungen der Gebühren nahezu aus. Bundesnetzagentur und Politiker hätten den Verbrauchern zu viel versprochen, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Michael Schöneich.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erklärte, bei der Regulierung des Marktes bestehe weiterer Handlungsbedarf. "Die Strom- und Gasnetzentgelte sind zwar ein wichtiger Mosaikstein für die Bildung der Strom- und Gaspreise in unserem Land. Es sind aber dringend weitere Anstrengungen notwendig." Im Strombereich müssten neue Anbieter und auch neue Erzeuger eine Chance haben. Besonders unbefriedigend sei die Wettbewerbssituation im Gasbereich.

ase/AP/dpa/ddp



insgesamt 1570 Beiträge
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Rainer Helmbrecht 15.11.2005
1.
Ein Scheich hustet und der Ölpreis steigt, ein Wirbelsturm droht, der Ölpreis steigt, der Wirbelsturm kommt nicht, nun steigt der Preis, weil der Sturm nicht kommt. Das gleiche Phänomen kann man auch bei sonstigen Kursen an der Börse bemerken. Wir (Normalen) wissen nämlich garnicht was der Sinn der Börse ist. Wir Dummchen glauben immer, da werden Tatsachen bewertet, das stimmt aber nicht, das Ziel der Börse ist Geldverdienen. Geldverdienen ist aber so eine Art Spiel, dieses Spiel hat, wie alle Spiele, nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Wem es gelingt, einen Haufen Mist für viel Geld zu verkaufen, siegt. An der Börse bedeutet das nutzloses Papier bunt zu bedrucken und teuer zu verkaufen. Dann hat man das Ganze modernisiert und das bedruckte Papier auch noch weggelassen. Nun sind wir soweit, das der Kurs einer Aktie schon durch einen Stromausfall beeinflußt werden kann. Irgendwie wie der Hase und der Igel, nur das der Igel hier Geier heißt.
Gnom, 15.11.2005
2.
---Zitat von sysop--- Öl, Gas, Strom, alles wird immer schneller immer teurer. Die Energiekonzerne brauchen sich um ihr Image beim Kunden nicht zu sorgen: Schlechter kann es nicht mehr werden. Sind die Energielieferanten wirklich die bösen Abzocker? Oder müssen sie auch nur der immer größeren Nachfrage und den gestiegenen Rohstoffpreisen Tribut zollen? Sollten die Konsumenten statt zu stöhnen einfach mehr Energie sparen? ---Zitatende--- Es muss sich was ändern und es wird sich etwas ändern auf dem Energiesektor! Das Einsparen von Energie wird dabei eine Rolle spielen. Außerdem ist der Gesetzgeber gefordert, aber hoffentlich nicht überfordert.
hubert neues, 15.11.2005
3. Änderung des Energiemarktes
Nun es wird sich was ändern auf dem Markt, aber solange die weltweit bestimmende Industrie die Automobilhersteller sind ist das kaum vorstellbar. Ich kann mich nur schwach daran erinnern, aber es gab zahlreiche Studie zu Beginn der Rot/Grünen Regierung wieviel Potential im Umweltschutz und in der alternativen Energiegewinnung liegt. Das haben wir alles vergessen,bzw. es wurde vergessen gemacht. Denn wenn Opel oder VW keine guten Zahlen vorlegen ist das Geschrei und die Angst in der Politik groß. 3 Liter Auto?! Die ersten vernünftigen kammen erst dieses Jahr auf dem Markt, wurden uns aber schon lange versprochen. Und was ist mit der Chance auf den wachsenden chinesischen (Energie-)Markt Einfluß zu nehmen, um dort den vernünftigen Umgang mit Resourcen zu vermitteln. Hätte man damals in die alternative Energiegewinnung/-technologie in deutschland investiert, könnte man heute sicher mehr als nur Know-How dorthin verkaufen. Die Chancen sind vertan. Jetzt sollten wir vielleicht nur unseren Markt retten und vielleicht auch unsere Umwelt!
Urquhart, 15.11.2005
4. Wer sind die Abzocker?
Nicht die Scheichs sind Abzocker. Abzocker sind: Der Bundesfinanzminister (Mineralölsteuer und Ökosteuer, Umsatzsteuer auf bereits gezahlte Steuer) Die Landesfinanzminister (Wasserpfennig, Umsatzsteuer) Die Stadt- und Gemeindekämmerer per se(Schmutzwasserabgabe, Niederschlagsabgabe usw.) Die Stadt- und Gemeindekämmerer als Vertreter der Städte und Gemeinde als Anteilseigner an Energieversorgern und Wasserwerken (Kapitalverzinsung) Das Kartell zwischen Energieversorgung, Mineralölunternehmen und Regierungen muss unbedingt durchbrochen werden. Es wundert mich eigentlich, dass diese Machenschaften verfassungskonform sein sollen.
sitiwati 16.11.2005
5. mir
---Zitat von Rainer Helmbrecht--- Ein Scheich hustet und der Ölpreis steigt, ein Wirbelsturm droht, der Ölpreis steigt, der Wirbelsturm kommt nicht, nun steigt der Preis, weil der Sturm nicht kommt. Das gleiche Phänomen kann man auch bei sonstigen Kursen an der Börse bemerken. Wir.... ---Zitatende--- aus der Seele gesprochen!
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