Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Strukturreform: IWF will 400 Tonnen Gold verkaufen - elf Milliarden Dollar Erlös erwartet

Der IWF plant einen gigantischen Gold-Coup: Um eine grundlegende Reform des Internationalen Währungsfonds zu finanzieren, sollen mehr als 400 Tonnen Gold mit einem Marktwert von rund elf Milliarden Dollar verkauft werden.

Washington - 403,3 Tonnen Gold will der IWF auf den Markt bringen. Der Verkauf des riesigen Wertmetallbestandes solle rund elf Milliarden Dollar (umgerechnet sieben Milliarden Euro) einbringen, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn am Montag in Washington.

Auf seiner Website begründete der IWF den Schritt und stellte ihn in eine Reihe mit weiteren internen Veränderungen, die die finanzielle Ausstattung der Organisation in Zukunft sicherstellen sollen. Der Verkauf ist im Zuge der Reformen des IWF geplant, mit dem Erlös soll eine Stiftung gegründet werden, die das Finanzpolster des Währungsfonds aufwertet.

Der IWF will der Erklärung zufolge darauf achten, dass der Goldverkauf transparent erfolgt und den internationalen Handel nicht beeinträchtigt. Gleichwohl dürfte die Veräußerung einer derart großen Menge des Edelmetalls den Markt beeinflussen.

Strauss-Kahn, der seit fünf Monaten an der Spitze der Organisation sitzt, lobte die Entscheidung des IWF-Verwaltungsrates als "Meilenstein" auf dem Weg zu einem "soliden wirtschaftlichen Fundament" und der Modernisierung der Strukturen der Finanzinstitution, der 185 Länder angehören. Am Wochenende findet die gemeinsame Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington statt.

IWF plant Personalabbau

Die Goldmenge, die der IWF veräußern will, entspricht etwa zwölf Prozent seiner gesamten Reserven des Edelmetalls. Der Vollzug ist jedoch anhängig von einer Satzungsänderung, der 85 Prozent der Mitgliedsländer zustimmen müssen. Das Votum im Verwaltungsrat fiel erst nach monatelangen Debatten. In der Erklärung sprach Strauss-Kahn von "schwierigen, aber notwendigen" Schritten zur Konsolidierung der IWF-Finanzen. Am Ende werde der Fonds jedoch effizienter und könne "den Bedürfnissen unserer Mitglieder wirtschaftlicher dienen".

Der IWF mit Sitz in Washington finanziert seine laufenden Kosten vor allem aus Zinszahlungen für Kredite an Mitgliedsländer. Der Bedarf an solchen Darlehen ging aber in den vergangenen Jahren deutlich zurück - damit schrumpften auch die Einnahmen des IWF.

Ende vergangenen Jahres hatte Strauss-Kahn gewarnt, wenn die Kreditvergabe nicht ansteige, sehe sich der IWF bis 2010 einem Fehlbetrag von 400 Millionen Dollar gegenüber. Die IWF-Reformen sehen auch einen Personalabbau vor - zuletzt war von rund 400 Stellen die Rede.

Der vor 63 Jahren gegründete IWF ist eine der mächtigsten Finanzinstitutionen der Welt. Er vergibt unter bestimmten Auflagen Kredite an Staaten, die unter wirtschaftlichen Problemen leiden. Außerdem gewährt er Entwicklungsländern Kredite und erarbeitet Wirtschaftskonzepte für sie. Im Gegenzug verlangt er für die Kreditvergabe oft strenge wirtschaftliche Reformmaßnahmen der Nehmerländer.

ler/AFP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: