Studie 50.000 Deutsche leiden unter Lehman-Pleite

Plötzlich waren die Ersparnisse futsch: Vor allem ältere Anleger sind einer Studie zufolge durch die Pleite von Lehman Brothers um ihr Geld gebracht worden. Ihnen hatten Banken Zertifikate verkauft, die inzwischen praktisch wertlos sind. Mehr als jeder zehnte Geschädigte hat über 70.000 Euro verloren.


Düsseldorf - Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers hat in Deutschland einer Studie zufolge vor allem ältere Privatanleger getroffen. Das Durchschnittsalter der Geschädigten liege bei 60 Jahren, teilte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag in Düsseldorf mit. Auch Anleger im Alter von mehr als 75 Jahren hätten massive Verluste erlitten, nachdem die US-Bank im September 2008 zusammengebrochen war. Viele ältere Menschen hatten in den vergangenen Jahren in Zertifikate von Lehman Brothers für ihre Altersvorsorge investiert, weil diese von Banken als ertragsstark und sicher beworben wurden.

Lehman-Geschädigter: Laut einer Studie haben 50.000 Deutsche Geld verloren
DDP

Lehman-Geschädigter: Laut einer Studie haben 50.000 Deutsche Geld verloren

Eine weitere betroffene Gruppe sind nach Angaben der Anlegerschützer Familien, die für ihre Kinder Zertifikate gekauft hatten - etwa um deren Ausbildung zu finanzieren. Teilweise seien diese Kinder im Kindergarten- oder Schulalter gewesen. Wie viele Anleger Erspartes verloren und wie hoch deren Einbußen insgesamt sind, lässt sich auch fast ein Jahr nach der Lehman-Pleite nicht genau angeben. Die DSW schätzt jedoch, dass in Deutschland rund 50.000 Anleger auf einen Schlag ihren kompletten Einsatz verloren haben.

In zahlreichen Fällen haben die Anleger der Studie zufolge immense Verluste erlitten. Gut 14 Prozent der Geschädigten hätten bis zu 74.000 Euro investiert. Etwas mehr als ein Viertel der Betroffenen habe bis zu 49.000 Euro angelegt. Der überwiegende Teil der Anleger habe zwischen 10.000 und 24.000 Euro in die Lehman-Papiere investiert, nur ein knappes Zehntel hatte weniger als 10.000 Euro für Lehman-Zertifikate ausgegeben.

Ein schlechtes Zeugnis stellen die Anlegerschützer Banken und deren Kundenberatern aus. In vielen Fällen ließen sich Parallelen feststellen. So habe es in früheren Beratungsgesprächen laut DSW oft geheißen, die Zertifikate seien zu 100 Prozent sicher, schlimmstenfalls würde keine Zinszahlung, sondern nur die Rückzahlung des eingesetzten Betrages erfolgen.

Gute Chancen auf Schadenersatz

Druck sollen Bankberater in gezielten Anrufe außerdem über die Aussage gemacht haben, dass nur noch eine geringe Menge des Produkts verfügbar wäre oder das Zertifikat nur noch wenige Tage zu haben sei. Die größte Gruppe der geschädigten Anleger waren nach Angeben der Schutzvereinigung Kunden der Citibank, 46 Prozent hatten dort die Lehman-Papiere gekauft. Danach folgen unter anderem die Dresdner Bank/Commerzbank und die Sparkassen.

Die DSW sieht für Anleger gute Chancen, einen Schadenersatz wegen Beratungsfehlern zu erstreiten. In 40 Prozent der geprüften Fälle lohne es sich auf jeden Fall, seine Ansprüche geltend zu machen. Nur in 20 Prozent davon lasse sich klar sagen, dass wohl keine Ansprüche bestehen, hieß es.

Derzeit laufen an mehreren deutschen Gerichten Verfahren von Anlegern gegen Banken und Sparkassen, weil diese sich von den Instituten unter anderem nicht ausreichend über die Risiken der Lehman-Zertifikate informiert fühlten. Manche Institute, etwa die Hamburger Sparkasse, haben einen Teil der betroffenen Anleger bereits freiwillig entschädigt.

tko/AP/AFP



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