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Studie: Deutsche Banken haben noch Milliardenrisiken in Büchern

Die Krise ist längst nicht ausgestanden: Einer Studie zufolge haben deutsche Banken noch zahlreiche faule Kredite in ihren Büchern versteckt - im Gesamtumfang von 200 Milliarden Euro. Auch die BaFin rechnet weltweit mit weiteren Milliardenlöchern.

Frankfurt am Main - Keine Entwarnung an den Märkten: Die Hiobsbotschaften der Deutschen Bank und der UBS über Milliardenabschreibungen zeigen, dass die Finanzkrise noch lange nicht vorbei ist. Dies bestätigt nun auch eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young: Sie rechnet damit, dass sich weitere Milliardenlöcher auftun werden. So sollen sich in den Büchern der Banken faule Kredite von rund 200 Milliarden Euro verstecken. Dabei gehe es allerdings um sämtliche Ausfallrisiken - und nicht nur um Engagements im angeschlagenen US-Hypothekenmarkt.

Immobilien zum Verkauf: Banken haben durch hohe Risiken Vertrauen verspielt
REUTERS

Immobilien zum Verkauf: Banken haben durch hohe Risiken Vertrauen verspielt

Im Jahr 2007 habe der seit 2003 anhaltende Boom beim Handel mit notleidenden Krediten in Deutschland dramatisch an Fahrt verloren: Nach einem Rekord im Jahr 2006 - mindestens 21 Transaktionen mit einem Gesamtwert von 14,4 Milliarden Euro - verkauften deutsche Banken der Studie zufolge im Jahr darauf Kredite im Wert von nur noch 6,5 Milliarden Euro. Dennoch ist mit weiteren Milliardenbelastungen zur rechnen.

Davon geht auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin aus: Berichten zufolge rechnet sie im Geschäft mit zweitrangigen US-Hypotheken (subprime) weltweit mit Verlusten in der Kreditwirtschaft von bis zu 600 Milliarden Dollar.

Den Höhepunkt der Finanzkrise sieht Bundesbankpräsident Axel Weber ebenfalls noch nicht erreicht. Es sei "zu früh, Entwarnung zu geben", sagte Notenbankchef Weber der "Bild"-Zeitung. Die Vertrauenskrise sei noch nicht überstanden. "Solange der Preisverfall am US-Immobilienmarkt anhält, muss mit weiteren Turbulenzen gerechnet werden." Weber forderte die Vorstände der großen Banken auf, das verlorengegangene Vertrauen der Märkte zurückzuerlangen. "Das wirksamste Rezept ist Offenlegung der Risiken und Transparenz an den Finanzmärkten."

Warnung vor staatlichen Eingriffen

National wie international sind nach Ansicht des Bundesbankchefs zuallererst die Banken selbst gefordert. "Banken, die hohe Risiken eingegangen sind, müssen ihre Verluste offenlegen. Die Eigentümer dieser Banken, egal ob staatlich oder privat, müssen diese Verluste tragen, sonst werden keine Lehren aus der Krise gezogen." Zugleich warnte er vor einem übereilten Eingreifen des Staates: "Allgemein ist der Staat nur dann gefordert, wenn es darum geht, eine Krise des Gesamtsystems abzuwenden. Unser deutsches Finanzsystem ist im Kern jedoch robust."

Auch EU-Finanzkommissar Joaquín Almunia bewertet die derzeitige Lage an den Märkten äußerst kritisch: "Wir haben noch immer keinen Überblick über das gesamte Ausmaß der Verluste", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Der EU- Kommissar wies Klagen über den starken Euro zurück. Er helfe, die gestiegenen Preise von Importgütern wie zum Beispiel Öl zu dämpfen. Einzelne exportorientierte Unternehmen hätten durch den hohen Kurs der Gemeinschaftswährung große Probleme - jedoch nicht die Mehrheit.

sil/dpa

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