Studie Deutschland ist einer der größten Globalisierungsprofiteure

Die Globalisierung vertieft die Kluft zwischen Arm und Reich: Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge sind zwar die Einkommen in allen untersuchten Ländern gewachsen. Große Gewinner des wachsenden Welthandels sind aber die Industriestaaten und vor allem die Exportnation Deutschland.

Containerfrachter in Hamburg: Deutschland profitiert besonders vom Welthandel
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Containerfrachter in Hamburg: Deutschland profitiert besonders vom Welthandel


Gütersloh - Deutschland gehört einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge zu den größten Gewinnern der Globalisierung. Nach Finnland, Dänemark und Japan habe die Bundesrepublik am stärksten von der weltweiten Verflechtung profitiert, heißt es in der am Montag veröffentlichten Untersuchung zu den Effekten der Globalisierung in 42 Staaten. Die Globalisierung sei demnach für etwa 20 Prozent des Wachstums der deutschen Volkswirtschaft verantwortlich.

Die Studie, erstellt von der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, berechne erstmals, in welchem Umfang Globalisierung nationale Volkswirtschaften wachsen lässt. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass grundsätzlich alle untersuchten Länder profitieren - die Industrieländer aber viel stärker als die großen Schwellenländer Südafrika, Brasilien, Russland, Mexiko, China und Indien. Hier war der Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens durch die Globalisierung am geringsten, wie es in der Studie heißt.

"Wir müssen erkennen, dass die Globalisierung die Schere zwischen Arm und Reich eher noch weiter öffnet", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, Aart de Geus. Erst über einen längeren Zeitraum werde sie dazu beitragen, dass Schwellen -und Entwicklungsländer die Wohlstandslücken zu den Industrienationen verkleinern können.

Damit die Schwellenländer wirtschaftlich aufschließen, empfehlen die Forscher, die Integration der Schwellenländer in die Weltwirtschaft stärker zu fördern. Die Industrieländer sollten ihre Märkte für Produkte aus weniger entwickelten Ländern öffnen, ihre Subventionen für Agrarprodukte reduzieren, Bildungsmaßnahmen, den Ausbau der Infrastruktur und der Produktionsanlagen finanzieren.

nck/AFP/dpa

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insgesamt 42 Beiträge
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LudBri 24.03.2014
1. Deutschland mag Gewinner sein..
deshalb sind andere Länder noch lange keine Verlierer, sie profitieren nur weniger stark. Das ist jedoch nicht verwunderlich, solange Deutschland einen Vorsprung in Technik und Wissen hat.
pace335 24.03.2014
2. Da gibts einen kleinen aber feinen Unterschied zu Japa, Finnland & Co.
In Japan, Finnland und Dänemark haben nicht nur die großen Unternehmer profitiert sonder auch die Bevölkerung. In Japan ist die Bevölkerung seeeehr reich in vergleich zu Deutschland. Auch die Vermögensverteilung sehr viel besser als in DE. In Deutschland hat durch die Globalisierung kaum ein Normalsterblicher profitiert. Deutschland muß sein Profit zum größten Teil an die EU weitergeben, oder eben an Griechenland & Co. Der restliche Erfolg geht in die Taschen einer weniger.
willgence 24.03.2014
3.
"Deutschland" hat unzählige Jobs an Billiglohnländer verloren. "Deutsche" Firmen sind in den seltensten Fällen tatsächlich in "deutschen" Händen und zahlen selbst dann nicht immer in Deutschland Steuern. Wenn man die Globalisierung desillusioniert und von frei liberalen Wohlstandsversprechen betrachtet, sieht das in etwas so aus: In den Billiglohnländern arbeitet die überwiegende Zahl der Menschen, die vorher ein landesübliches Einkommen hatten, nun als Billiglohnsklaven unter gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen und -zeiten und vernichten, aufgrund der laschen Umweltstandards ihr Lebensumfeld. In den ehemaligen Hochlohnländern sollen die vielen Menschen, die ihre Arbeit bereits verloren haben und zukünftig auch noch verlieren werden, die billigst hergestellten Waren nun möglichst hochpreisig kaufen . . . von welchen Geld eigentlich? Zu Ende gedacht bedeutet Globalisierung, dass irgendwann alle Waren in Asien hergestellt und in Europa und den USA gekauft werden sollen . . . das kann ökonomisch nicht funktionieren - oder? Wo sitzen also die Gewinner der Globalisierung? In international agierenden Großkonzernen, die für ein paar Cent mehr Gewinn auch ihre Großmütter nach Asien in die Sklavenarbeit schicken würden . . . damit die Finanzinvestoren noch zufriedener sind.
Oberfranzl 24.03.2014
4. Und dafür braucht es eine Studie?
Hausverstand statt Studie hätte genügt. Der ganze Studienquatsch erinnernt mich an einen Teil eines Kabarettprogramms von Volker Pispers, in dem er von einer groß angelegten Studie zum Thema "Woran liegt es dass Discounter wie Aldi, Lidl, etc. so erfolgreich sind", erzählt. Die knallharte Erkenntnis der aufwändigen Studie, es liegt am Preis!
Benjowi 24.03.2014
5. Sehr einseitige Ertragsverteilung.
Das Problem ist nur, dass speziell in Deutschland die Arbeitnehmer nur sehr unzureichend an den Erträgen aus diesem Wachstum beteiligt wurden. Während die Löhne real stagnierten, explodierten die Einkommen und Gewinne aus Kapitalerträgen und selbstständiger Tätigkeit. Gleichzeitig stiegen die Steuern und Abgaben der Arbeitnehmer real stark an, was ein weiters Absinken der Nettolöhne bewirkte. Die dadurch erzielten höheren Staatseinnahmen werden bekanntlich teilweise geradezu verprasst-die Mehreinnahmen der Industrie in hirnrissigen Auslandsfehlinvestitionen versenkt. Erfolgreiches Wirtschaften sieht anders aus und das bringt die ganze möglicherweise sinnvolle Richtung der Globalisierung in Mißkredit!
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