Superbörse New York und Euronext auf der Zielgeraden

Die größte Börse der Welt wird noch größer: Mit dem Ablauf des Fusionsangebots der New York Börse für den europäischen Fünf-Länder-Finanzplatz Euronext entsteht am Mittwoch die erste transatlantische Börsengesellschaft. Den Kürzeren im Werben um Euronext hatte die Deutsche Börse gezogen.


Paris - Drei große Anläufe für eine Fusion hat die Deutsche Börse Chart zeigenin den vergangenen Jahren genommen: 2000 und 2004 mit London, 2006 dann mit Euronext Chart zeigen - immer endete es für die Frankfurter in einem Fiasko. Besonders hartnäckig zeigte sich Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni im letzten Fall.

Noch ohne großen Partner: Frankfurter Börsen-Chef Francioni
DPA

Noch ohne großen Partner: Frankfurter Börsen-Chef Francioni

Noch Monate, nachdem sich der New York Stock Exchange Chart zeigen (NYSE) und Euronext längst auf ihre rund 22 Milliarden Euro schwere Fusion verständigt hatten, hielt er bis zur Selbstverleugnung am Zusammenschluss mit der Mehrländer-Börse fest, zu der die Handelsplätze Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon sowie der Londoner Terminmarkt Liffe gehören. Im November kam dann Francionis Einsicht: "Es gehört zu den Aufgaben eines Managements, zu erkennen, wann etwas keinen Sinn mehr macht", gab der Schweizer sein Projekt auf.

Damit starb auch endgültig der Traum von einer europäischen
Superbörse. Europas Handelsplätze scheinen dazu verdammt, als Brückenköpfe für die großen Konkurrenten aus den USA zu dienen. So haben bei der neuen NYSE Euronext eindeutig die Amerikaner das Sagen. Sie stellen nicht nur Konzernsitz und Chef, sondern auch elf von 20 Mitgliedern im Verwaltungsrat. Die Nasdaq kaufte sich derweil fast 29 Prozent an der Londoner Börse zusammen. Noch kämpfen die wackeren Briten um ihre Eigenständigkeit. Im Februar ließen sie die Amerikaner mit einem Übernahmeangebot abblitzen und verkündeten trotzig eine Allianz mit der Börse in Tokio.

Die Deutsche Börse konnte seit der Euronext-Niederlage nur kleinere Erfolge beim internationalen Wachstum vermelden. Im Dezember vereinbarte Francioni eine stärkere Zusammenarbeit mit der elektronischen Börse Micex in Moskau, im Februar kündigten die Deutschen dann an, fünf Prozent an der indischen Börse in Bombay zu übernehmen. Große Projekte scheint Francioni nicht in der Hinterhand zu haben: Die Börsenkonsolidierung sei "kein Selbstzweck", sagte er bei der Bilanzpressekonferenz Ende Februar und verwies auf neue Rekorde bei Umsatz und Ergebnis im vergangenen
Jahr.

Die New Yorker jedenfalls sind schon vor Abschluss der Fusion mit Euronext auf der Suche nach neuen Zielen in Europa.
NYSE-Finanzvorstand Nelson Chai zeigte sich vergangenen Monat offen an Gesprächen mit London und Frankfurt interessiert. Damit könnte sich für die Deutsche Börse dann doch noch der Traum von der Fusion mit der Euronext verwirklichen - wenn auch wahrscheinlich mit dem Kürzel "NYSE" vor dem Namen.

Martin Trauth, AFP



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