Superflieger A380 USA und Europa streiten über Sicherheitsvorschriften

Der A380 droht einen transatlantischen Streit über Sicherheitsstandards auszulösen. Einem Pressebericht zufolge beständen Zweifel, inwiefern die von dem Superflieger ausgelösten Windwirbel an den Triebwerken für andere Flieger gefährlich werden könnten.


London - Der A380 verursache größere Wirbel aufgrund seiner ausladenden Tragflächen und seiner vier riesigen Motoren, berichtet das "Wall Street Journal Europe". Zwischen Europäischen und US-amerikanischen Sicherheitsbeamten sei deshalb ein Disput entstanden über die Frage, welchen Abstand nachfolgende Flugzeuge bei den Starts und Landungen einhalten sollen.

A380: "Nicht anders als andere Flugzeuge"
DPA

A380: "Nicht anders als andere Flugzeuge"

Einige US-Beamte forderten Lücken die um 40 bis 50 Prozent über dem Maximal-Abstand von fünf nautischen Meilen liegen, die für die Boeing 747 verlangt werden. Europäische Beamte, deren Berechnungen auf einem anderen Computer-Modell beruhten, forderten weit geringere Abstände. "Wir müssen beweisen, dass der A380 nicht anders ist als andere Flugzeuge", sagte Robert Lafontan, der Chefingenieur des Superjumbos der Zeitung.

Ein größerer Abstand, der nur eine Verzögerung von einer oder zwei Minuten bedeute, könne schon zu Beeinträchtigungen des Flugverkehrs an den Flughäfen vor allem während der Spitzenzeiten führen. Dadurch könnte das gesamte A380-Modell weniger wirtschaftlich werden.

Der Disput zwischen den Behörden könnte die Beziehungen zwischen Europa und den USA weiter belasten. Im Bezug auf die beiden Erzrivalen Boeing und Airbus sind die Nerven dies- und jenseits des Atlantiks ohnehin schon gespannt: Eine Auseinandersetzung über angebliche Staatszuschüsse an die Unternehmen wird derzeit vor einem WTO-Gericht verhandelt.

Der Disput dürfte Airbus besonders bitter aufstoßen, nachdem erst kürzlich Sicherheitsbedenken im Bezug auf das Kabinendrucksystem des A380 laut geworden waren und der Konzern mit der Lieferung der ersten Maschinen schon sechs Monate hinter dem eigentlichen Zeitplan zurückliegt.

Die ersten Modelle des A380 will die EADS-Tochter nun Ende 2006 ausliefern. Noch im November sollen die mit großer Spannung erwarteten Evakuierungstests durchgeführt werden. 873 Passagiere, Flugbegleiter und Piloten müssen bei zwei Tests innerhalb von 90 Sekunden bei völliger Dunkelheit das Flugzeug über Notrutschen verlassen. Dabei steht nur die Hälfte der Ausgänge zur Verfügung.





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