Systematische Überwachung Ex-Sicherheitschef der Telekom gibt Spitzelaktionen in Ära Sommer zu

Der Fall Telekom erschüttert die Republik - jetzt spricht Hans-Jürgen Knoke, Ex-Sicherheitschef des Konzerns, mit SPIEGEL TV erstmals über den Fall. "Wir haben observiert", gibt er zu, äußert sich zu Spähaktionen unter Ron Sommer und beschuldigt andere Dax-Firmen, ebenfalls solche Methoden anzuwenden.


Hamburg - Knoke war von 1998 bis 2004 Sicherheitschef der Telekom - im SPIEGEL TV Magazin berichtet er, wie die Spitzelaktionen noch in der Ära von Vorstandschef Ron Sommer begannen. "Der Vorstand hat Unzufriedenheit bekundet, dass permanent Interna in die Presse gelangen. Das ging klatsch, klatsch, klatsch, jeden Tag 'ne neue Meldung." Deshalb habe man geschaut, wer Zugang zu Unterlagen und Kontakte zu Journalisten hatte. "Dann haben wir Maßnahmen ergriffen."

Ex-Telekom-Chef Sommer: Spitzelaktionen in seiner Amtszeit
DDP

Ex-Telekom-Chef Sommer: Spitzelaktionen in seiner Amtszeit

Auf die Frage, welche Maßnahmen das waren, sagte Knoke: "Wir haben observiert. Man steht an der Ecke und schaut." In Bezug auf den bespitzelten Journalisten der "Financial Times Deutschland", Tasso Enzweiler, berichtete Knoke: "Na, wir haben bei Enzweiler mal vor der Haustür gestanden. Dann haben wir abgebrochen."

Enzweiler wurde noch in der Amtszeit von Vorstandschef Ron Sommer ausgespäht. Die anderen Spitzelaktionen mit systematischer Untersuchung von Telefondaten und Bewegungsprofilen, die im Zentrum der Affäre stehen, fanden in der Ära seines Nachfolgers Kai-Uwe Ricke statt. Rickes Aufsichtsratschef war Klaus Zumwinkel. Alle drei streiten ab, von den illegalen Machenschaften gewusst zu haben. Auch der heutige Konzernchef René Obermann dementiert die Mitwisserschaft und verweist darauf, er habe die Fälle aus der Amtszeit seiner Vorgänger an die Staatsanwaltschaft gebracht. An diesem Freitag bestellte er den früheren Bundesrichter Gerhard Schäfer zum Skandalaufklärer im Konzern.

"Das ist gang und gäbe"

Ex-Telekom-Sicherheitschef Knoke sieht die Telekom-Affäre nur als Spitze des Eisbergs. Der Konzern sei mit seinen Überwachungsmaßnahmen kein Einzelfall. Auch bei anderen großen deutschen Konzernen würden Journalisten ausspioniert. "Schauen Sie mal in andere Dax-Unternehmen. Das ist gang und gäbe. Da waren wir nicht die einzigen." Namen von Unternehmen wollte er aber nicht nennen.

Ziel der Telekom-Überwachungsaktionen war es, undichte Stellen im Konzern aufzuspüren, über die interne Informationen an die Presse weitergegeben wurden. Im Zentrum der Affäre steht auch das Sicherheitsunternehmen Control Risk. "Ich kann nicht leugnen, dass ich Control Risk beauftragt habe", sagte Knoke SPIEGEL TV Magazin.

In seiner Zeit seien aber keine Abhörmaßnahmen und keine Bewegungsprotokolle erstellt worden. So richtig wurde man wohl nicht fündig: Zwar hatte Knoke einen Verdacht, den will er aber heute nicht mehr äußern.

"Ich habe dem Vorstand gesagt, wir wissen nicht, wer der Maulwurf ist." Dann fügt er im ironischen Tonfall hinzu: "Der Ron Sommer hat sich gefreut."

Knoke war nach eigenen Angaben seit 1965 in der Sicherheitsbranche tätig. Unter anderem bei Henkel.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.