Renditetipps fürs Tagesgeld: So tricksen die Zinsdrücker-Banken

Von Christian Kirchner

Höchstsummen, Koppelgeschäfte, Lockangebote - die Kniffe der Banken im Tagesgeldmarkt werden immer undurchschaubarer. Vier kleine Tricks und große Sauereien der Banken sollte jeder Kunde durchschauen lernen, der mehr als ein Prozent Zinsen herausholen will.

Bankfiliale: Die Zahlen im Schaufenster gelten meist nur für Neukunden Zur Großansicht
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Bankfiliale: Die Zahlen im Schaufenster gelten meist nur für Neukunden

Was für ein merkwürdiges Phänomen: Viele Unternehmen hofieren Neukunden mit Kampfkonditionen, während sich Bestandskunden als treudoofe Trottel fühlen dürfen. Egal, ob es um Internetprovider, Stromversorger, Autohersteller, Handy-Netzbetreiber, Zeitschriftenverlage geht - oft ist finanziell nur der König, der munter kündigt (und dann Halteangebote erhält) oder von Anbieter zu Anbieter wechselt (und Neukundenrabatte abgreift).

Im Markt für Zinsanlagen ist das nicht anders. Knapp zwei Billionen Euro haben deutsche Privathaushalte in Bar-, Sicht- und Spareinlagen auf der hohen Kante, und pro Tag kommt im Schnitt eine Viertelmilliarde dazu. Grob unterteilt sich der Markt nun in "Zins-Hopper", die von Anbieter zu Anbieter springen, um Neukundenkonditionen und Boni zu nutzen. Und in jene Sparer, die das Gefühl beschleicht, mit Niedrigzinsen abgespeist zu werden. Blinken da in der Werbung nicht ständig zwei Prozent und mehr? Was tun?

Cool bleiben. Zwar liegt die Teuerung von zuletzt 1,4 Prozent über den durchschnittlichen Sparzinsen auf Einlagen von einem halben Prozent. Aber das ist keineswegs so revolutionär, wie viele tun. 2007 war bei Spareinlagen die Realverzinsung, also der Zins nach Abzug der Inflationsrate, sogar niedriger als heute.

Mit Tagesgeldangeboten sollte auch heute ein Prozent Zins drin sein. Darunter müssen sich Sparer nicht abspeisen lassen. Wer unbedingt mehr will, sollte die kleinen Tricks und großen Sauereien kennen, die sich bei den meisten Instituten ähneln.

Trick 1: Nur für Neukunden

Um in den einschlägigen Online-Vergleichsrechnern für Tagesgeld gut abzuschneiden, benötigen Banken hohe Lockvogelzinsen. Wie schon erwähnt, gelten die häufig nur für Neukunden. Bei den großen Direktbanken ING-Diba, DAB Bank oder Cortal Consors etwa liegen die Tagesgeldzinsen für Neukunden mit 1,5 Prozent je einen halben Prozentpunkt über den Zinsen für Bestandskunden. In der Werbung getrommelt wird natürlich mit dem Neukundenzins.

Trick 2: Befristungen

Hohe Zinsen gelten oft nur zeitlich und in der Höhe befristet. Das Kalkül dahinter: Ist der Kunde erst einmal da, kann man die Zinsen später senken oder die Einlagen in für die Bank rentablere Anlageformen überführen. Wichtig ist daher ein attraktiver, unkonditionierter Basiszins. So thronte etwa die Wüstenrot Bank AG mit einem befristeten Tagesgeldangebot von bis zu zwei Prozent Zinsen bis Mitte April lange an der Spitze der Vergleiche. Nach Ablauf der Frist rauscht die Verzinsung auf aktuell 0,5 Prozent - weit weniger als der Marktdurchschnitt für Tagesgeldkonten, den die FMH Finanzberatung mit rund 0,9 Prozent angibt.

Trick 3: Koppelgeschäfte

Oft dienen Zinsen als verkappte Marketingprämie. Die Postbank etwa wirbt mit 2,5 Prozent fürs Tagesgeldkonto, der Onlinebroker Cortal Consors mit 3,5 Prozent, Sparda-Banken offerieren gar drei oder vier Prozent für Festgeld.

Bei Cortal Consors muss der Anleger allerdings mit einem Depot dorthin wechseln, um in den Genuss der hohen Zinsen zu kommen, bei der Postbank ein Girokonto eröffnen. Und bei den Sparda-Banken mit den Produkten "Fest&Invest" oder "Easyinvest" mindestens die gleiche Summe in Fonds einzahlen wie auf das Festgeldkonto. Was der Kunde dabei an Zinsen erhält, geht für den Ausgabeaufschlag der Fonds drauf - ein klassisches Linke-Tasche-rechte-Tasche-Spielchen.

Trick 4: Höchstsummen

Selbst für den Depotwechsel zu Cortal Consors oder für die Kontoeröffnung bei der Postbank erhalten Sparer bestenfalls 50 Euro mehr Zinsen als im Marktdurchschnitt - denn die Zinsen gelten auch hier nur befristet und für Höchstsummen.

Das Postbank-Angebot enthält noch einen weiteren Kniff: Zahlt ein Kunde im Zuge der Werbeaktion mehr als 10.000 Euro auf das Tagesgeldkonto ein, wird nicht etwa der nur über 10.000 Euro hinausgehende Betrag mit einem niedrigeren Satz verzinst, sondern gleich das gesamte Guthaben - und zwar derzeit nur mit 0,35 Prozent.

Wie man es auch dreht und wendet: An Geld mangelt es deutschen Banken derzeit nicht. Kunden schwimmen darin, die Notenbanken verleihen es zu Kampfzinsen. Banken können aber wenig damit anfangen: Die Kreditnachfrage ist mau, und das alte Spiel - einen Teil der Einlagen und Notenbankgelder einfach in Staatsanleihen zu stecken - bringt entweder kaum Zinsen oder bedeutet erhöhte Ausfallrisiken.

Wer mit seinen täglich verfügbaren Spareinlagen auf ein Prozent Zinsen kommt, kann daher zufrieden sein und sollte nicht versuchen, als Zins-Hopper noch ein halbes Prozent extra herauszuholen.

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1. Der Dumme ...
white_knight 28.04.2013
... Ist nämlich immer noch derjenige welcher derer zu viel Fernsehen guckt und die Werbung zu ernst nimmt. Aber egal ob hier oder bei Steuersparmodellen: Gier frisst Hirn!
2. Zins-Hopper?
silberrücken99 28.04.2013
Nimmt man z.B. die Bank of Scotland. Aktuell 1,4 % auf Tagesgeld ohne irgendwelche Sondervereinbarungen. Sie ist dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken angeschlossen. Also warum mit 1 % zufrieden geben?
3.
marthaimschnee 28.04.2013
Zitat von sysopAn Geld mangelt es deutschen Banken derzeit nicht. Banken können aber wenig damit anfangen: Die Kreditnachfrage ist mau und das alte Spiel - einen Teil der Einlagen und Notenbankgelder einfach in Staatsanleihen zu stecken - bringt entweder kaum Zinsen oder bedeutet erhöhte Ausfallrisiken
Trick 5: Die Zinsen können beliebig verändert werden, ohne daß der Inhaber eines Tagesgeldkontos in irgendeiner Weise darüber informiert wird. Im Übrigen, was heißt da eigentlich "Tricks", das ist das übliche Geschäftsgebahren und wehren kann man sich nur auf eine Weise: Wechsel! Nur leider ist das bei Konten nicht ganz so aufwandslos, wie zB beim Strom, denn auch die deutsche Post (für PostIdent) ist längst nicht mehr bei jedem gleich um die Ecke! Und noch was: Tja, sieht so aus, als wäre Frau Merkels Sparpolitik auch nur ein linke-Tasche-rechte-Tasche Spiel und das schönste Beispiel dafür, daß es eben nicht ausreicht, nur die Angebotsseite permanent zu stärken, während man die Nachfrage ignoriert.
4. Spiegeltrick
frank@franmedia.de 28.04.2013
Zitat von sysopTrick 1: Nur für Neukunden Tagesgeld: Die Tricks der Banken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/tagesgeld-die-tricks-der-banken-a-896202.html)
Jaja, lieber Spiegel. Das ist euch ja völlig fremd. Eure Abonnentenprämie bekommt ja auch jeder langjährige Abonnent alle zwei Jahre automatisch zugesandt und nicht nur die, die das Abo alle zwei Jahre kündigen und neu abschliessen. Ne, sowas wie die bösen Banken würdet ihr natürlich nicht machen. Verstehe.
5. Sparkasse
dave_one 28.04.2013
wer heute nich fair beraten werden will, geht am besten zu seiner örtlichen Sparkasse. Da gibt's viele Großbankprobleme gar nicht. Und der Jahresgewinn wird nicht an Aktionäre sondern durch z.B. Sport- und Kulturförderung an alle ausgezahlt.
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Zum Autor
  • Maxim Sergienko
    Christian Kirchner, Jahrgang 1975; Studium der Politologie und Germanistik an der Uni Mannheim, anschließend Volontariat an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Von 2003 bis 2008 Finanzredakteur beim "Handelsblatt" und Geschäftsführender Redakteur von "New Investor" in Düsseldorf, von 2008 bis 2010 leitender Redakteur und von 2011 bis 2013 stellvertretender Ressortleiter Finanzen der Gruner+Jahr-Wirtschaftsmedien in Frankfurt am Main.

    In seiner Kolumne "Anlegemanöver" hinterfragt Kirchner für SPIEGEL ONLINE die typischen Anlagefloskeln und nimmt neue Produkte und Kampagnen der Finanzdienstleister unter die Lupe.