Tankflugzeuge EADS will um US-Milliardenauftrag kämpfen

Alles auf Anfang: Die Flugzeughersteller EADS und Boeing rüsten sich erneut für den Wettkampf um einen 35-Milliarden-Auftrag der US-Luftwaffe. EADS-Chef Louis Gallois demonstriert zwar Gelassenheit - doch mit der Neuausschreibung sind die Aussichten nicht günstiger geworden.


Washington - Es geht um 35 Milliarden Dollar und um den geschäftlichen Wettstreit zwischen den Erzrivalen EADS und Boeing: Der Auftrag der US-Luftwaffe für insgesamt 179 Tankflugzeuge soll neu ausgeschrieben werden. Pikant dabei: In der Mängelliste des US-Rechnungshofs GAO finden sich einige Punkte, aufgrund derer man sich kaum vorstellen kann, dass die nächste US-Regierung unter Barack Obama oder John McCain das Unternehmen EADS/Northrop Grumman erneut als alleinigen Auftragnehmer auswählen wird. So hätte beispielsweise der maximal mögliche Ausstoß der Betankungsrüssel keinen Einfluss auf die erste Auftragsvergabe haben dürfen. Doch ausgerechnet dieses Kriterium gab mit den Ausschlag für die Auswahl der EADS-Offerte.

Airbus-Tankflugzeug (Computersimulation): Pentagon hat Entscheidung an sich gezogen
EADS / FSTA

Airbus-Tankflugzeug (Computersimulation): Pentagon hat Entscheidung an sich gezogen

Trotzdem gibt sich EADS-Chef Louis Gallois zuversichtlich: "Wir begrüßen die Ankündigung des Verteidigungsministers und sind bereit, unseren Partner Northrop Grumman voll zu unterstützen, indem wir schnell die Forderungen unseres Kunden erfüllen", sagte Gallois am Mittwochabend. EADS Chart zeigen sei jedoch überzeugt, dass ihr Tankflugzeug das bessere sei. Die Entscheidung des Ministeriums werde nun geprüft.

Ein Sprecher von Northrop Grumman Chart zeigenkündigte derweil an, dass das Unternehmen die Entscheidung des Pentagon überprüfen werde. Er äußerte die Hoffnung, dass die neue Ausschreibung "beiden Konzernen eine faire Möglichkeit bietet, die Stärken ihrer Angebote zu präsentieren". Man sei zuversichtlich, dass die Air Force erneut das "richtige" Modell auswähle.

Gates stoppt Vergabeverfahren

EADS-Konkurrent Boeing Chart zeigen begrüßte die Entscheidung des Pentagon. "Es ist ermutigend, dass das Verteidigungsministerium Maßnahmen ergreift, einen fairen und offenen Wettbewerb sicherzustellen." Boeing zeigte sich mit Blick auf das neuerliche Ausschreibungsverfahren zuversichtlich. Allerdings werde das Unternehmen nichts überstürzen und sich Zeit nehmen, die neuen Ausschreibungsvoraussetzungen zu analysieren.

US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte am Mittwoch bekanntgegeben, den ursprünglich an den Airbus-Mutterkonzern EADS vergebenen Auftrag zur Lieferung von 179 Tankflugzeugen an die US-Luftwaffe neu ausschreiben zu lassen. Das ursprüngliche Vergabeverfahren - bei dem Boeing im März überraschend das Nachsehen gehabt hatte - habe Mängel gezeigt und könne daher nicht aufrechterhalten werden. Unter diesen Umständen könne der Auftrag zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vergeben werden.

Gates sicherte aber zu, bis zum Jahresende eine Entscheidung herbeiführen zu wollen. "Wir werden zu einem Vertrag kommen und loslegen", sagte Gates vor Journalisten. Die Verjüngung der veralteten US-Tankerflotte sei dringend notwendig.

Das Pentagon hatte den Auftrag - dessen Gesamtwert auf hundert Milliarden Dollar geschätzt wird - im März nicht wie erwartet an den US-Hersteller Boeing vergeben, sondern an EADS und Northrop Grumman. Darauf hatte Boeing Beschwerde eingelegt.

Ausschreibungsbedingungen missachtet

Später empfahl GAO eine Neuausschreibung mit der Begründung, bei der Auftragsvergabe an EADS und Northrop Grumman seien schwerwiegende Fehler unterlaufen. Die Air Force habe eigene Ausschreibungsbedingungen missachtet und eine Reihe von Fehlern gemacht. Boeing hätte sonst "eine substantielle Chance gehabt, den Zuschlag zu bekommen." So sei das von EADS und Northrop Grumman angebotene Flugzeug im Unterhalt nicht - wie von der Air Force behauptet - günstiger als der Boeing-Tanker.

In einer rechtlich nicht verbindlichen Empfehlung schlug der GAO ein neues Vergabeverfahren vor und forderte die Air Force auf, neue Gebote einzuholen. Auch im US-Kongress gab es Befürworter einer Neuausschreibung - dem wurde nun in sieben Bereichen auch Folge geleistet. Senator Richard Shelby aus dem US-Staat Alabama, wo EADS und Northrop ihre Produktionsstätte errichten wollten, sagte, diese Entscheidung sei noch "die beste aller Möglichkeiten".

Der Streit der beiden Wettbewerber EADS und Boeing wird traditionell zum großen Teil auf politischer Ebene geführt. Mitten im Vorwahlkampf und angesichts der Krise der US-Konjunktur hatte die Auftragsvergabe an Airbus in den USA deshalb teils heftige Reaktionen ausgelöst. Die Tankflugzeuge sind für die Luftwaffe wichtig, da sie ein Auftanken von Kampfjets in der Luft ermöglichen und damit sowohl Langstreckenflüge als auch lang andauernde Einsätze über Gebieten des Irak oder Afghanistans ermöglichen.

Schwerer Rückschlag für EADS

Für EADS ist die Neuausschreibung ein schwerer Rückschlag, der das Unternehmen tiefer erschüttern könnte als die Verkabelungsprobleme beim Großraumjet A380. Denn mit dem Tankerauftrag wollten die EADS- und Airbus-Manager nicht nur den Durchbruch auf dem US-Verteidigungsmarkt schaffen. Mit Hilfe eines eigens errichteten Werks in Mobile im US-Bundesstaat Alabama hoffte der Konzern auch eines seiner dringendsten Probleme zu lösen: die Abhängigkeit vom Dollarkurs. Der gilt weltweit als Leitwährung beim Verkauf von Flugzeugen.

EADS-Chef Louis Gallois hatte bereits nach dem Einspruch des Rechnungshofes erklärt, dass EADS sich auch an einer neuen Ausschreibung beteiligen wolle. EADS werde mit aller Macht um den Auftrag kämpfen, der ein spektakulärer Durchbruch auf dem bisher streng abgeschirmten größten Rüstungsmarkt der Welt wäre.

Die US-Militärs hatten sich für den Airbus-Tanker vor allem wegen technischer Vorteile entschieden, verlautete nach der ursprünglichen Vergabe im März. Der Tanker KC-45 auf Basis des Airbus A330 biete einen größeren Frachtraum als die Boeing-Konkurrenz und sei als Lazarettflugzeug und für Transporte geeignet.

mik/dpa-AFX/AP/AFP/Reuters



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