Tarif-Auseinandersetzung IG-Metall-Chef korrigiert Forderung – sieht aber für die Branche keine Krise

Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber ist bereit, den Arbeitgebern in einem entscheidenden Schritt entgegenzukommen: Bei der Laufzeit des Tarifvertrages. Das sagte Huber dem SPIEGEL.


Der Vorsitzende der IG Metall will nicht länger auf einer einjährigen Laufzeit beharren. "Ich bin durchaus bereit, auf die wirtschaftlichen Unsicherheiten zu reagieren", sagte er in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. "Denkbar ist ein Tarifvertrag, der 20 Monate oder länger läuft, statt der gewünschten 12 Monate", so Huber. Damit geht der Gewerkschaftschef erstmals seit der am 23. September beschlossenen Tarifforderung von acht Prozent auf die Arbeitgeber zu.

Gleichwohl sieht er die Metall- und Elektroindustrie aber in guter Verfassung. "Ich sehe in unserer Branche derzeit keine Krise." Zugleich übte er scharfe Kritik an Ökonomen ("Diese Zunft ist versaut ohne Ende. Sie hat keine kritische Substanz. Das sind die Schlechtredner der Nation, die sich immer auf der sicheren Seite fühlen") wie an jenen Bankern, die nun von den Rettungsmaßnahmen profitieren: "Dass die Steuergelder unserer Leute jetzt als Sicherheit für die Spekulationen größenwahnsinniger Banker herhalten sollen, finde ich – klar gesagt – zum Kotzen."

Diese "Feuerwehreinsätze" seien derzeit zwar wohl "unvermeidlich, aber sie sind keine strukturelle Antwort auf die Bankenkrise". Zu der von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) diskutierten Entlastung der mittleren Einkommensbezieher äußerte sich Huber positiv: "Das ist völlig richtig. Es kann nicht sein, dass Facharbeiter den Spitzensteuersatz von 42 Prozent zahlen und Durchschnittsverdiener in den nächsten Jahren besonders stark steigende Steuerlasten schultern sollen. Wir müssen bei hohen Einkommen und Vermögen einen größeren Beitrag zum Gemeinwesen abfordern."

Allerdings lehnte Huber die Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab. "Das ist nur die zweitbeste Lösung, denn sie benachteiligt die Geringverdiener. Die zahlen oft so wenig Steuern, dass ihnen die alte Pendlerpauschale nichts brachte. Ich plädiere deshalb für einen Fahrtkostenzuschuss, der jedem Berufspendler denselben Betrag pro gefahrenen Kilometer einträgt."



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