Tariflöhne Deutsche Kaufkraft auf Schrumpfkurs

Die tariflichen Einkommen in Deutschland liegen nur um schlappe 1,0 Prozent über dem Vorjahr - der langsamste Anstieg in einem Jahrzehnt. Besonders ärgerlich: Der Minianstieg wird von der Inflation voll und ganz aufgefressen.


Wiesbaden - Die Daten wurden am Morgen vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden veröffentlicht. Berechnungsgrundlage sind die Gehälter im Juli 2005, die mit dem Vorjahresmonat verglichen wurden. Die Verbraucherpreise stiegen binnen Jahresfrist um zwei Prozent - die private Kaufkraft ging also im Schnitt zurück.

Geldbörse: Wo sparen?
DPA

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Am besten kamen noch die Beschäftigten im Maschinenbau weg, die rund zwei Prozent mehr verdienten. Auch in der Autoindustrie sowie bei Banken und Versicherungen fiel der Anstieg mit rund anderthalb Prozent noch vergleichsweise hoch aus: Beschäftigte in Handel und Einzelhandel mussten sich mit einem Anstieg von nur einem halben Prozent zufrieden geben.

Seit dem Jahr 2000 legten die Angestelltengehälter um 11,3 Prozent zu, die der Arbeiter um 10,4 Prozent.

Die Aussichten für ein deutliches Ansteigen der Reallöhne sind derzeit schlecht. Die hohen Ölpreise haben die Inflation in der Euro-Zone zuletzt auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren getrieben. Im September kletterte die Inflationsrate in den zwölf Ländern im Jahresvergleich auf 2,6 Prozent - nach 2,2 Prozent im August, wie das Europäische Statistikamt Eurostat vergangene Woche mitteilte.

Top-Institute fordern Schrumpflöhne

In der vergangenen Woche hatten die sechs führenden Wirtschaftsinstitute sich dafür ausgesprochen, die Tariflöhne auch im kommenden Jahr nur um ein Prozent zu erhöhen. Dies gelte selbst dann, "wenn die Konjunktur weiter anziehen und sich die Arbeitsmarktlage etwas entspannen sollte", heißt es im Gutachten. Gleichzeitig prognostizieren die Volkswirte, dass die Verbraucherpreise 2006 im Jahresschnitt um 2,0 Prozent steigen werden.

Nur durch eine "moderate Lohnpolitik" sei es möglich, die Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen und mehr Arbeitsplätze zu schaffen, schrieben die Volkswirte weiter.



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bcpmoon, 12.04.2005
1. Wieviele Arbeitsplätze bringt das denn?
Wenn von Mindestlöhnen gesprochen wird, was bringt das denn, ausser, das ich mein Geld einem teureren Anbieter geben muss, der so Monopolrenten einstreicht? Das ist unsozial und ungerecht! Ausserdem finde ich es witzig, dass im Moment in der Schweiz die gleiche Diskussion geführt wird. Nur sollen dort die Billig-Deutschen draussen gehalten werden...
SirRobin 12.04.2005
2. Rüben statt Rubel
Warum kehren wir nicht wieder zurück zur Entlohnung durch Naturalien (Muschelgeld mal ausgenommen). Je nach sozialer Kaste gibts es Kartoffeln, Haferflocken, Orangen, Playstations, Mercedes oder Lear Jets. Das alles wird natürlich im Ausland produziert um so die Produktionskosten zu senken. Damit hätte wir auch endlich das leidige Thema vom Tisch, dass der Handel und die Industrie jammern, keiner konsumiere mehr was (essen und fliegen muss schließlich jeder...). Gewerkschaftlich könnte man dies sicher über Tomaten-Flächen-Verträge organisieren, sogar die Farbe würde hier stimmen. Ist das nicht durchzusetzen sollte man möglichst schnell einen Mindestlohn auf Hartz 5 Niveau festsetzen und die 60 Stundenwoche einführen (die Biergärten in München sind an lauen Sommerabenden einfach zu voll - womit schon wieder ein Problem gelöst wäre). Bei 60 Stunden und einer Ernährung rein von 30 Cent-Blumenkohl sinkt die Lebenserwartung dann auf 40 Jahre, was wiederum die Rentenkasse deutlich entlasten und das Flugbenzin sicher verbilligen würde. Achja, und dann sollten wir noch drüber reden welche Opfer gebracht werden müssen, damit es in Deutschland wieder bergauf geht...
DAW, 12.04.2005
3.
@bcpmoon: Vielleicht ein Beleg dafür, dass *ein* Europa mit so vielen unterschiedlichen Steuersätzen, Sozialsystemen und Lohnhöhen nicht zu machen ist? Wenn schon mit deutschen Beiträgen ganz Europa subventioniert wird, dann sollten die empfängerländer diese auch dazu verwenden, Lohnniveau und Absicherung der Massen zu erhöhen und einem guten Standard anzupassen anstatt es per Subvention oder Steuergeschenken nahezu ungefiltert den Konzernen in die Taschen zu lenken. MfG Daniel
ingo w, 12.04.2005
4.
Es bringt vielleicht direkt keine neuen Arbeitsplätze, aber, wie man ja in der Fleischindustrie eindrücklich bewundern darf, wenn es wie bisher weitregeht haben wir womöglich mehr Arbeitsplätze, aber nur noch Tschechen,Letten etc. die diese besetzen, zu 1,5 Euro die Stunde. Anerkanntermassen krankt bei uns die Binnenkonjunktur, und ein brauchbares Mindesteinkommen mag ein Weg sein diese wieder in Fahrt zu bringen. Alleinseligmachend ist das nicht, da kann ich nur zustimmen. Es muß weitergehen, Arbeit muß in Deutschland wieder billiger werden. Wohlgemerkt, die Arbeit, nicht der Arbeiter wie im Augenblick! Runter mit den Nebenkosten, dieser Strafabgabe auf Arbeit. In vielen Foren hier wurde bereits darüber diskutiert, auch hier zeigt es sich. Warum denn wird ein Vertragsarbeiter eingestellt? Weil auf dessen (auch noch niedrigeren) Lohn keine weiteren Abgaben fällig sind. Da wir hier in Deutschland aber doch noch einen Konsens haben, dass soziale Sicherheit gegeben sein muß, sollten sich auch ALLE daran beteiligen, nicht nur die schrumpfende Zahl der "klassischen" Arbeiter und Angestellten. Gleichzeitig sinken die Kostenvorteile importierter Waren, auch Chinesische Produkte würden zB. über eine höhere Mehrwertsteuer zu unserem Sozialsystem beitragen. Insgesammt erstaunt es mich aber immer wieder das es in der Politik scheinbar niemanden gibt der auch nur in diese Richtung denkt. Wieso eigentlich nicht?
bcpmoon, 12.04.2005
5. Vielleicht mehr Freiheit?
---Zitat von DAW--- @bcpmoon: Vielleicht ein Beleg dafür, dass *ein* Europa mit so vielen unterschiedlichen Steuersätzen, Sozialsystemen und Lohnhöhen nicht zu machen ist? Wenn schon mit deutschen Beiträgen ganz Europa subventioniert wird, dann sollten die empfängerländer diese auch dazu verwenden, Lohnniveau und Absicherung der Massen zu erhöhen und einem guten Standard anzupassen anstatt es per Subvention oder Steuergeschenken nahezu ungefiltert den Konzernen in die Taschen zu lenken. ---Zitatende--- Ich gebe Dir recht, dass es hier Systemmängel gibt und es keinen Sinn macht, mit der einen Hand zu nehmen und mit der anderen zu geben. Aber wieso soll nicht jedes Land selbst entscheiden, welches Sozialniveau es bieten möchte? Wieso müssen sich denn alle andere an uns anpassen? Und wäre es nicht sinnvoller, anstelle eines Mindestlohnes (der eh nur zu Schwarzarbeit führt) die Steuern zu senken und so ineffektive Verteilmechanismen zu vermeiden? Ich weiss immer noch am besten, was ich mit meinem Geld anfangen möchte und brauche dazu keine Bürokraten/Funktionäre/Politiker.
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