Tarifpoker Lokführer sagen Streik ab

Reisende können aufatmen: Der für Montag angekündigte Streik der Lokführer findet nicht statt. Denn die Bahn einigte sich heute mit der Lokführergewerkschaft GDL. Durch den bereits in Kraft gesetzten Notfahrplan soll es nur noch zu geringen Engpässen kommen.


Berlin - Gerade noch rechtzeitig hat sich die Bahn mit den Lokführern geeinigt. Der Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL sei beigelegt worden, teilte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mit. Die Bahn habe sich mit allen drei Gewerkschaften verständigt. Die GDL bekomme einen eigenständigen Tarifvertrag. Am wichtigsten: Der für morgen geplante Streik finde nicht statt.

Streik abgeblasen: Zugreisende dürfen am Montag auf weniger Stress hoffen
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Streik abgeblasen: Zugreisende dürfen am Montag auf weniger Stress hoffen

Die Absage des Streiks sei "eine gute Nachricht für Millionen Bahn-Kunden", sagte Manfred Schell, Chef der Lokführergewerkschaft GDL. Damit sei "der schwierigste Tarifkonflikt in der Geschichte der Bahn zu einem guten Ende geführt worden". Mehdorn sagte, der Konzern habe sich sowohl mit der GDL als auch mit den anderen beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA geeinigt.

Für die Bahn-Kunden bedeutet das aber noch keine volle Entwarnung. Pendler und Fernreisende müssen am Montag trotz der Streik-Absage mit Einschränkungen rechnen, da die Bahn bereits einen stark reduzierten Notfahrplan in Kraft gesetzt hat. Deshalb werden nach Angaben der Bahn zumindest im Fern- und Regionalverkehr Notfahrpläne gelten. Wie ein Bahn-Sprecher am Sonntag erklärte, lassen sich möglicherweise die Ersatzfahrpläne der S-Bahnen noch umstellen. Mehdorn äußerte sich dagegen optimistischer: "Wir wollen möglichst nach normalem Fahrplan fahren", sagte der Bahn-Chef.

Mit dem Streik, der um Mitternacht beginnen sollte, wollte die GDL die Bahn dazu bringen, den bereits ausgehandelten Lokführer-Tarifvertrag zu unterzeichnen, den beide Seiten Ende Januar ausgehandelt hatten. Er sieht unter anderem eine Einkommenserhöhung von durchschnittlich elf Prozent vor. Die Bahn hatte ihre Unterschrift von einem zusätzlichen Grundlagenvertrag abhängig gemacht, in dem die drei Bahn-Gewerkschaften sich zu einem gemeinsamen Vorgehen bereit erklären.

Die GDL hatte diesen Vertrag bei der Aushandlung des Basistarifvertrags abgelehnt, da sie dadurch ihre Eigenständigkeit gefährdet sah. Bahn-Vorstand Margret Suckale hatte dazu einen neuen Vorschlag gemacht, über den am Samstag und Sonntag beraten wurde.

Bereits Ende Januar hatten sich Bahn und GDL auf eine Einmalzahlung von 800 Euro geeinigt. Ab dem 1. März 2008 soll es für die Lokführer acht Prozent mehr Lohn geben. Weitere drei Prozent Aufschlag sind ab dem 1. September vorgesehen. Am 1. Februar 2009 soll die wöchentliche Arbeitszeit für das Fahrpersonal schließlich auf 40 Stunden gekürzt werden. Die Laufzeit des Tarifvertrages beginnt rückwirkend zum 1. Juli 2007 und soll am 31. Januar 2009 enden.

als/mbe/dpa/AP/AFP/Reuters



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