Tarifstreit der Lokführer Bahn und GDL verhandeln wieder - Einigung unwahrscheinlich

Es ist ein Rettungsversuch in letzter Minute - viel Erfolg dürfte er nicht haben: Bahn und Lokführer verhandeln wieder, um den für morgen angekündigten Streik abzuwenden. Eine Einigung ist unwahrscheinlich, zu verhärtet sind die Fronten. Die GDL droht, länger zu streiken "als es Deutschland gut tut".


Frankfurt am Main - Es sind hektische Verhandlungen, die die Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nun doch noch führen: An einem geheimen Ort treffen sich beide Seiten heute, um ihre Verhandlungen über den Tarifvertrag in letzter Minute fortzusetzen - um damit den ab morgen startenden unbefristeten Streik der Lokführer noch abzuwenden.

Anzeigentafel am Hamburger Hauptbahnhof: Chancen auf Einigung "nahe null"
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Anzeigentafel am Hamburger Hauptbahnhof: Chancen auf Einigung "nahe null"

Bereits gestern hatten Bahn und GDL vier Stunden lang miteinander geredet, über die Inhalte aber Stillschweigen vereinbart. Wie es aus Verhandlungskreisen hieß, gestalteten sich die Gespräche schwierig. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hält eine Einigung deshalb auch kaum noch für möglich. Die Chancen dafür seien "nahe null", sagte er gestern. GDL-Vizechef Claus Weselsky drohte in der "Bild am Sonntag" mit einem langen Arbeitskampf: "Wir können länger streiken, als es Deutschland gut tut."

Ende Januar hatten sich GDL und Bahn nach einem monatelangen Tarifkonflikt im Grundsatz geeinigt. Der formale Abschluss scheiterte vor einigen Tagen jedoch daran, dass sich beide Seiten nicht über den von der Bahn geforderten Grundlagentarifvertrag einigen konnten. Die GDL wirft dem Konzern vor, damit den eigenständigen Tarifvertrag ad absurdum zu führen. Die GDL-Konkurrenten Transnet und GDBA beanspruchen inzwischen, selbst über einen Lokführertarifvertrag zu verhandeln.

Zeitgleich versucht die Bahn weiterhin, die Streiks der GDL juristisch zu verhindern. Gemeinsam mit ihren Tochterunternehmen reichte sie am Freitag einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung ein - das Gericht verhandelt den Antrag der Bahn jedoch erst am Montag ab 10 Uhr.

Unterdessen warnte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt vor den Folgen eines Arbeitskampfes. "Bei einem neuen, unbefristeten Lokführerstreik wäre der Schaden enorm - sowohl für die Gesellschaft als auch für die Wirtschaft", sagte er der "Bild am Sonntag". Die Versorgung von Unternehmen mit Rohstoffen leide schon nach ein oder zwei Tagen Streik gewaltig, sagte Hundt. "Da kann es schnell zu Ausfällen in der Produktion kommen."

Nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) würde ein Streik der Lokführer Arbeitsplätze gefährden. "Wer einen sicheren Arbeitsplatz hat, der kann leicht streiken. Die Streikenden sollten gerade deshalb an all jene denken, deren Arbeitsplätze durch den Streik gefährdet werden", sagte er der "Bild am Sonntag". Auch Bahn-Transportvorstand Norbert Bensel warnte vor einem Arbeitsplatzverlust infolge des Streiks. "Die Mitarbeiter sollten sich überlegen, ob sie dafür den Kopf hinhalten wollen", sagte er der in Dresden erscheinenden "Sächsischen Zeitung".

Die Bahn hat zwar einen Notfahrplan erstellt, Fernreisende und Pendler müssen sich aber auf Zugausfälle und einen ausgedünnten Zugverkehr einstellen. Im Fernverkehr soll jeder zweite Zug fahren, vor allem ICE. Bei der Informations-Telefonnummer 08000 99 66 33 sollen zur Beantwortung von Fragen bis zu 1700 Mitarbeiter tätig sein. Die Ersatzfahrpläne sind unter www.bahn.de/aktuell einzusehen.

sam/dpa

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