Tarifstreit GDL ruft Mega-Streik im Güter- und Personenverkehr aus

Deutschlands Bahn-Fahrgästen droht der Total-Stillstand. Ab morgen 12 Uhr bestreikt die Lokführergewerkschaft GDL erneut den Gütertransport - und ab Donnerstagmorgen 2 Uhr erstmals auch den gesamten Personenverkehr: Nah- und Fernzüge werden gestoppt.


Frankfurt am Main - Die Drohung klingt ernster denn je: Sollte sich der Bahn-Vorstand nicht auf die Gewerkschaft zubewegen, bleibe der GDL nichts anderes übrig, als dem Drängen ihrer Mitglieder nachzugeben und zu unbefristeten Streiks aufzurufen, sagte der GDL-Chef Manfred Schell.

Reisender in Magdeburg: GDL läutet die nächste Streikrunde ein
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Reisender in Magdeburg: GDL läutet die nächste Streikrunde ein

Der jetzt beschlossene Ausstand soll jedoch zunächst für alle drei Transportbereiche bis Samstagmorgen, 2 Uhr, dauern. "Es reicht nicht, uns abgesehen von dem Tarifabschluss der Transnet/GDBA mit rund 100 bezahlten Überstunden in 2007 und zwei Stunden bezahlter Arbeitszeiterhöhung ab 2008 abzuspeisen", sagte GDL-Chef Manfred Schell.

Damit dürften auch wieder die Berufspendler in Berlin und Hamburg betroffen sein, die zumindest der Vorsitzende der Berliner GDL, Hans-Joachim Kernchen heraushalten wollte. "Meine persönliche Meinung ist, dass wir die S-Bahnen in Berlin oder Hamburg aus dem nächsten Streik herauslassen sollten", hatte dieser der "Berliner Zeitung" gesagt. "Dies wäre ein Zeichen an die Berufspendler, sie sollen nicht die am meisten Gekniffenen sein."

Gestern hatte ein zunächst geheimgehaltenes Spitzentreffen zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und Schell keine Bewegung in den festgefahrenen Streit gebracht. Die beiden Kontrahenten hatten sich einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge getroffen, um mögliche Kompromisslinien auszuloten.

Damit dürfte der Druck auf Mehdorn noch weiter wachsen. Vor allem von Seiten der Politik wächst die Kritik an seiner unnachgiebigen Verhandlungsführung. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Dirk Fischer, hatte Mehdorn aufgefordert, die Verhandlungen mit den Lokführern zur Chefsache zu machen. Für die Zuspitzung sei der Bahnchef selbst verantwortlich. "Herr Mehdorn muss die Konfrontation der letzten Jahre aufarbeiten, für die er ganz unmittelbar auch persönlich verantwortlich ist", sagte Fischer dem RBB. Mehdorn habe die Dinge unnötigerweise zugespitzt, weil er immer nur mit den größeren Gewerkschaften gesprochen habe.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion, Rainer Brüderle, sagte dem Hessischen Rundfunk, Mehdorns Politik im Tarifstreit mit den Lokführern und in der Privatisierungsdebatte sei für ihn "kaum noch nachvollziehbar". Mit den Lokführern habe man offensichtlich eine Gruppe über viele Jahre schlechter behandelt, was jetzt eskaliert sei.

Auch von Regierungsseite kamen eindeutige Signale: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte am Sonntagabend beide Streitparteien zum Einlenken auf. Alle Beteiligten müssten ihrer Verantwortung gerecht werden, sagte Merkel. Dies erfordere, dass sie aufeinander zugingen. "Mit dem Kopf durch die Wand wird es nicht gehen, da siegt zum Schluss immer die Wand", fügte sie hinzu.

Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) appellierten an die Bahn und die GDL, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zugleich warnten sie vor schweren volkswirtschaftlichen Folgen durch weitere Ausstände. Die GDL bereitet sich unterdessen auf einen massiven Streik ab Mittwoch vor.

Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und bis zu 31 Prozent mehr Gehalt. Das jüngste Angebot der Bahn von Mitte Oktober enthält außer einer Einkommenserhöhung von 4,5 Prozent und einer Einmalzahlung von 600 Euro zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit und günstigere Dienstpläne.

mik/AP/AFP/dpa



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