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30. April 2008, 15:47 Uhr

Tarifstreit

Post und Ver.di einigen sich - Streik abgewendet

Der große Streik bei der Post fällt aus: Die Unterhändler von Deutscher Post und Ver.di haben im letzten Moment einen Kompromiss für die 130.000 Mitarbeiter gefunden. Der Kündigungsschutz wird verlängert, die Löhne steigen in zwei Stufen um insgesamt sieben Prozent.

Bonn - Post-Personalvorstand Walter Scheurle sprach von einem "tragfähigen Kompromiss" für beide Seiten: Am Nachmittag, quasi in letzter Minute, hatten die Verhandlungsführer von Post und Ver.di den Durchbruch erzielt.

Post-Fahrräder: Streik in letzter Minute abgewendet
DDP

Post-Fahrräder: Streik in letzter Minute abgewendet

Den Angaben zufolge einigten sich beide Parteien auf eine Verlängerung des Kündigungsschutzes um 39 Monate bis zum 30. Juni 2011, eine Erhöhung der Löhne der tariflichen Mitarbeiter um vier Prozent zum 1. November und eine weitere Lohnerhöhung um drei Prozent für Dezember. Außerdem sei eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro vereinbart worden. Im Gegenzug akzeptierten die Arbeitnehmer eine wöchentliche Mehrarbeit von 50 Minuten.

Am Mittag noch hatten die Zeichen auf Streik gestanden. Bei der Urabstimmung über unbefristete und flächendeckende Arbeitsniederlegungen hatten 93,1 Prozent der Ver.di-Mitglieder für einen Arbeitskampf bei der Post votiert. Ver.di hatte für die Tarifkräfte den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 30. Juni 2011, sieben Prozent mehr Geld sowie zehn Arbeitszeitverkürzungstage gefordert. Mit diesen zusätzlichen freien Tagen sollte die "arbeitsplatzvernichtende Wirkung" der erhöhten Wochenarbeitszeit der 55.000 Beamten von 38,5 auf 41 Stunden ausgeglichen werden.

Laut Post wird die wöchentliche Arbeitszeit der tariflichen Mitarbeiter bei 38,5 Stunden belassen. Als Ausgleich dafür hat das Unternehmen die Reduzierung bezahlter Pausen durchgesetzt.

Die Arbeitszeit der Post-Beamten werde - abweichend von der für andere Bundesbeamte geltenden Regelung - bei 38,5 Wochenstunden belassen, teilte das Unternehmen weiter mit. Dem müsse der Bundesfinanzminister aber noch zustimmen. Auch für diese Beschäftigtengruppe würden die bezahlten Pausenzeiten reduziert, so dass auch hier die genannte faktische Mehrarbeit über die 38,5 Wochenstunden hinaus zum Tragen kommt.

Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 30. Juni 2010. Die Ver.di-Tarifkommission hat dem Kontrakt bereits zugestimmt.

mik/ddp/dpa/Dow Jones

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