Tarifverhandlungen bei der Bahn Transnet droht mit Streiks ab Ende Januar

Die Tarifverhandlungen zwischen der Bahn und den Gewerkschaften Transnet und GDBA sind vertagt. Die Bahn bietet eine Lohnerhöhung von maximal drei Prozent - der neue Transnet-Chef Alexander Kirchner weist das vehement zurück - und droht mit Streiks nach dem 22. Januar.


Berlin - Knapp ein Jahr nach dem großen Streik steuern Gewerkschaften und Bahn auf eine neue heftige Konfrontation zu: Die Gewerkschaften Transnet und GDBA wiesen nach der ersten Verhandlungsrunde am Mittwoch ein Angebot des Bahn-Vorstands als Provokation zurück.

Zugbegleiterin: "Bis hierhin und nicht weiter"
DPA

Zugbegleiterin: "Bis hierhin und nicht weiter"

Die Gespräche wurden auf den 22. Januar vertagt. Bis dahin soll es noch keine Warnstreiks geben. Für die Zeit nach der nächsten Verhandlungsrunde schloss Kirchner "andere Mittel" zur Durchsetzung der Forderungen allerdings nicht mehr aus.

Die Bahn bot eine Lohnerhöhung von jeweils einem Prozent für 2009 und 2010, um die erwartete Inflationsrate auszugleichen. Zudem sollte es Einmalzahlungen von jeweils 200 Euro geben, wenn die jeweiligen Geschäftsfelder des Unternehmens den Gewinn des Vorjahres mindestens erreichen. Bahn-Arbeitsdirektor Norbert Hansen bezifferte für diesen Fall das Gesamtvolumen auf eine Lohnerhöhung von 2,7 bis 3,0 Prozent.

Der neue Transnet-Chef Alexander Kirchner protestierte vehement gegen dieses Angebot: Es sei "nicht nur unzureichend, sondern ein Farce". Bahnchef Mehdorn habe schließlich für 2008 vom besten Ergebnis in der Geschichte der Bahn gesprochen. Die Gewerkschaft verlangt zehn Prozent mehr Lohn.

Dazu fordert Transnet Verbesserungen bei der Arbeitszeit für rund 130.000 Beschäftigte. Dienstpläne und Schichten vieler Eisenbahner seien häufig "inhuman", freie Wochenenden die Ausnahme. "Die Belastung ist für viele so stark, dass sie sagen: Bis hierhin und nicht weiter."

In der Frage der Arbeitszeiten signalisierte Hansen Gesprächsbereitschaft. "Ich gehe davon aus, dass wir in der nächsten Verhandlungsrunde bereits einen entscheidenden Schritt weiter kommen", sagte er.

Bahnchef Hartmut Mehdorn appellierte an die Gewerkschaften Maß zu halten. "Wir wissen nicht, was auf uns zukommt", sagte er mit Blick auf die wirtschaftliche Lage. Der Schienen-Güterverkehr habe sich in den letzten Monaten praktisch halbiert, die Tendenz zeige weiter nach unten. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderte die Tarifparteien auf, zügig zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Ex-Transnet-Chef Hansen: Provokation aus Sicht der GDL
AP

Ex-Transnet-Chef Hansen: Provokation aus Sicht der GDL

Nicht nur Transnet und GDBA verhandeln derzeit mit der Bahn, sondern auch die Lokführergewerkschaft GDL. Die Konkurrenz der beiden Gewerkschaftslager hatte in der vergangenen Tarifrunde zu einem beinahe ein Jahr dauernden Tarifkonflikt geführt, der nach zahlreichen Streiks im Zugverkehr im März 2008 endete.

Die GDL verlangt 6,5 Prozent mehr Lohn und ebenfalls Entlastungen bei den Dienstzeiten. Ihr Chef Claus Weselsky weigerte sich, über die aktuelle Bahn-Offerte beim nächsten Termin überhaupt zu sprechen.

Weselsky nannte es zudem eine Provokation, dass der frühere Transnet-Chef Hansen die Verhandlungen für die Bahn führe. Hansen hatte die letzten Tarifverhandlungen noch als Chef der größten Bahn-Gewerkschaft Transnet geführt, war im Mai dann aber in den Vorstand der Bahn gewechselt. Hansen habe die konkurrierende Gewerkschaft GDL vernichten wollen. "Wir haben kein Vertrauen", sagte Weselsky.

ssu/AP/ddp/Reuters



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