Rüstungsgeschäft Tausende EADS-Beschäftigte protestieren gegen Sparkurs

Die Airbus-Mutterfirma EADS will ihr schwächelndes Rüstungsgeschäft umbauen, Tausende Stellen sind in Gefahr. Die IG Metall hat deshalb zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen, dem Tausende Mitarbeiter gefolgt sind. "Das soll ein Warnschuss sein", sagen Gewerkschafter.

Protestierende Airbus-Mitarbeiter (in Hamburg): " Wir sind kein Sanierungsfall"
DPA

Protestierende Airbus-Mitarbeiter (in Hamburg): "Wir sind kein Sanierungsfall"


Hamburg/Manching - Mehrere tausend Beschäftigte des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS sind dem Aufruf der IG Metall gefolgt und haben am Donnerstag bundesweit gegen Sparpläne im Rüstungsgeschäft protestiert. Den Auftakt des Aktionstags machten in Norddeutschland 1200 Mitarbeiter des Airbus-Zulieferers Premium Aerotec in Nordenham und Varel: Sie versammelten sich mit roten IG-Metall-Fahnen und -Transparenten zu Kundgebungen vor den Werkstoren.

Hinzu kamen nach Gewerkschaftsangaben 4200 Demonstranten an den Airbus-Standorten in Hamburg-Finkenwerder und Stade. Einschließlich des Bremer Werks beteiligten sich in Norddeutschland rund 8000 Mitarbeiter an den Protesten. "Das soll ein Warnschuss sein, damit die Konzernleitung weiß, wenn sie Einschnitte umsetzen will, dass wir dann kämpfen werden", sagte ein Sprecher der IG Metall.

Im bayerischen Manching, wo EADS den Kampfjet "Eurofighter" baut, zogen rund tausend Mitarbeiter vor das Werkstor. "Wir sind doch kein Sanierungsfall", schimpfte Thomas Pretzl, Betriebsratschef von EADS Deutschland. "Uns rauszuschmeißen, die wir die höchsten Gewinne machen, ist blanker Unsinn." Er kritisierte das Renditeziel des Konzernchefs Tom Enders von zehn Prozent als überzogen. "Wegen dieser Maßlosigkeit müssen wir und unsere Familien zu Weihnachten um unsere Existenz bangen", rief er seinen Kollegen zu.

Die Gewerkschaft befürchtet den Wegfall mehrerer tausend Stellen, wenn EADS-Chef Enders seine Pläne für eine Zusammenlegung der drei Sparten Airbus Military, Astrium und Cassidian zu Airbus Defense & Space umsetzt. Die IG Metall verlangt Verhandlungen, um den Personalabbau in Grenzen zu halten. Statt kurzfristig auf Rendite zu setzen, müsse der Konzern in Forschung und Entwicklung investieren, um durch Innovationen an neue Aufträge zu kommen. Von der Politik fordert die IG Metall, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit EADS planen könne.

"Es liegt jetzt am Unternehmen, ob sie auf Kooperation oder Konfrontation setzen", sagte Konzernbetriebsratschef Rüdiger Lütjen und forderte EADS zu Verhandlungen auf. "Für uns ist klar: Es darf keine betriebsbedingten Kündigungen geben." Harte Kürzungen wären den Beschäftigten bei der insgesamt guten wirtschaftlichen Situation und der Auftragslage des Konzerns nicht zu vermitteln. Der bayerische Gewerkschaftschef Jürgen Wechsler betonte, seine Organisation sei bereit zu einem Dialog mit dem Management, um Arbeitsplätze zu sichern. Allerdings scheue die IG Metall auch keine Arbeitsniederlegungen, sollten sich die Fronten verhärten.

EADS schweigt zu den Zahlen und will die Pläne erst am 9. Dezember bekanntgeben, wenn Gespräche mit den Gewerkschaften anstehen. Der Konzern, der demnächst den Namen seiner Luftfahrttochter Airbus trägt, verdient gut an Verkehrsflugzeugen. Das Geschäft mit Wehrtechnik, Satelliten und Weltraumtechnik wirft dagegen immer weniger ab, weil die Staaten sparen müssen. Öffentliche Aufträge, von denen die Wehrtechnik lebt, sind rar.

nck/dpa/Reuters



insgesamt 6 Beiträge
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zeyfor 28.11.2013
1. Unglaublich
erst werden Gratisaktien an bezugsberechtigte Mitarbeiter verteilt und dann sollen diese entlassen werden.
LeBreton 28.11.2013
2. Stabilisierung sieht anders aus
Seit ca. 10 Jahren wird oder werden EADS Sparten durcheinandergewirbelt. Ottobrunn, Unterschleissheim, Manching, Immenstaad links oder rechts, Ulm etc. Nahezu alle 18 Monate eine Umorganisation oder Revironment. Dies immer nur mit dem Ziel die nächsten Monate profitabel zu sein. Wie soll so ein Unternehmen effizienter werden**
smartphone 28.11.2013
3. Unverständnis auf anderen Ebenen
Es ist interessant, wenn ein paar EADS-ler aufjaulen , aber in anderen Firmen zu oft sehr gute Ings regelrecht verheizt werden .... und keiner regt sich darüber auf .... Wie schon Papst Franzikus sagt , wenn der Alte auf der Straße bettelt schaut man weg ...wenn der Börsenkurs um 2 Punkte fällt ist das ne Schlagzeile wert . Das Renditezeil ist übrigens noch nicht mal wirklich hoch - speziell bei Rüstung ist das doch eher ein Witz
Newspeak 28.11.2013
4. ...
Sich um das Weihnachtsfest mit der Familie sorgen, aber täglich den Tod für alle Welt fabrizieren. Ich halte das für ziemlich widerlich.
mario_1269 29.11.2013
5. @zeyfor
Gratisaktien sind was anderes.
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