Technologie Chinas fast echter Transrapid

Deutsche Transrapid-Entwickler schlagen Alarm: Chinesische Ingenieure haben auf ihrer Versuchsstrecke auf dem Gelände der Shanghaier Tongji-Universität ein eigenes Modell präsentiert, das der deutschen Schwebebahn stark ähnelt. Sind die Chinesen dabei, die Technik zu kopieren?

Von , Peking


Das Tauziehen um den Ausbau der Transrapid-Strecke in Shanghai wird immer dramatischer. Das auf der Versuchsstrecke gesichtete Modell sieht der deutschen Schwebebahn frappierend ähnlich. Der deutsche Transrapid flitzt seit Anfang 2003 auf der rund 31,5 Kilometer langen Trasse zwischen dem Flughafen Pudong und der U-Bahn-Station Longyang-Straße hin und her. Ein Foto der chinesischen Transrapid-Variante wurde jetzt auf einer Webseite für Schwebebahn-Experten veröffentlicht.

Die Verhandler von ThyssenKrupp und Siemens sind höchst beunruhigt. Sie halten es für möglich, dass die chinesische Seite derzeit die Verhandlungen über eine Verlängerung der Transrapid-Strecke verzögert, weil sie hofft, eine selbstgebaute Bahn einsetzen zu können.

Foulspiel wird nicht ausgeschlossen. Nach Zeitungsberichten waren vor einiger Zeit chinesische Experten nachts im Transrapid-Hangar entdeckt worden, die sich offenbar über die streng geheime Schwebetechnologie informieren wollten.

Noch Probleme mit der Technik

Bundeskanzlerin Angela Merkel sei bereits über die jüngste Entwicklung informiert worden, heißt es in Verhandlungskreisen. Die englischsprachige amtliche "China Daily" zitierte vorige Woche allerdings den Bahnexperten Xie Weida von der Tongji-Universität. China liege noch weit hinter der deutschen Schwebetechnologie zurück, sagte der Professor. "Wenn die Schwebebahn gebaut wird, muss der größte Teil aus Deutschland importiert werden. Bislang sind wir nur in der Lage, Strecke und Bahnhülle zu bewältigen."

Bereits vor einigen Tagen hatte es Aufregung um das Projekt gegeben. Die Shanghaier Stadtregierung dementierte Berichte der amtlichen Nachrichtenagentur "Xinhua", der Ausbau der Strecke sei "suspendiert" worden, weil Anwohner sich vor elektromagnetischer Strahlung fürchteten. "Wir haben die entsprechenden Abteilungen über diese Angelegenheit befragt. Es gibt zur Zeit keine Nachrichten über eine Suspendierung des Projekts", erklärte das Pressebüro.

Shanghaier Bürger sind bereits darüber informiert worden, dass sie wegen des Baus umziehen müssen. Dabei war von einem Sicherheitsabstand zwischen Häusern und Transrapid-Trasse von 22,50 Metern die Rede. Dies löste in den letzten Wochen Proteste unter den Anwohnern aus. Sie fürchten sich vor allem vor dem Lärm und dem Wertverfall ihrer Wohnungen.

Chinesen und Deutsche verhandeln derzeit darüber, die Strecke von der U-Bahn-Station Longyang-Straße zum Gelände der für 2010 geplanten Weltausstellung, dann weiter zum Südbahnhof und schließlich zu einem neuen Verkehrsknotenpunkt in der Nähe des Flughafens Hongqiao zu erweitern. Außerdem ist der Bau einer Trasse in das rund 180 Kilometer entfernte Hangzhou im Gespräch. Zunächst wollten die Chinesen aber nur die Verlängerung nach Hongqiao, heißt es in informierten Kreisen. Bevor der Staatsrat in Peking die Pläne genehmigt, muss die Umweltbehörde SEPA einen Bericht über mögliche schädliche Folgen für die Umgebung vorlegen.



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