Telekom-Affäre Schaar fordert "Datennotar"

Die Spitzelaffäre der Telekom soll Folgen haben: Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat sich für einen "Datennotar" ausgesprochen. Der soll die Nutzung von Verbindungsdaten durch Unternehmen und Strafverfolger kontrollieren.


Osnabrück - Der Skandal macht ihn sprachlos, und er will, dass er sich nicht wiederholt: "Um Missbrauch vorzubeugen, könnten die bei den Unternehmen anfallenden Verbindungsdaten dort verschlüsselt werden", sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Der Schlüssel zur Freigabe ließe sich bei einer unabhängigen Treuhänderstelle, einer Art Datennotar, hinterlegen."

Die größte Gefahr gehe nicht von externen Hackern aus, sagte Schaar weiter. Das größere Risiko bestehe darin, dass diejenigen Daten auswerten, die berechtigterweise Zugang haben - also die Systemadministratoren oder andere Insider. Schaar kritisierte die gesetzlich vorgeschriebene Vorratsdatenspeicherung. Nur Daten, die nicht erfasst würden, könnten auch nicht missbraucht werden.

Die Idee einer zentralen Datei für Verbindungsdaten unter seiner Aufsicht hält Schaar hingegen für "völlig unrealistisch": Die so zu speichernde Datenmenge wäre wesentlicher größer als bei der derzeitigen getrennten Erfassung in den Unternehmen. Kontraproduktiv sei der Vorschlag auch deshalb, weil die Unabhängigkeit seiner Behörde "ganz gravierend beeinträchtigt werden würde". Der Datenschutzbeauftragte habe private und staatliche Datensammler zu beaufsichtigen, er sei nicht selbst Datensammelbehörde.

sam/dpa-AFX/ddp



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