Telekom Obermann soll schon 2007 von Spitzel-Affäre gewusst haben

Neue Vorwürfe gegen René Obermann: Einem TV-Bericht zufolge war der Telekom-Chef bereits im September 2007 über die Spitzel-Affäre seines Konzerns informiert. Das Unternehmen dementiert - man sei erst im April 2008 umfassend aufgeklärt worden.


Düsseldorf - Telekom-Chef René Obermann soll nach Erkenntnissen des ARD-Politmagazins "Report Mainz" wesentlich früher über das Ausmaß der Spitzelaffäre in seinem Haus informiert gewesen sein als bisher bekannt. Das gehe aus vertraulichen Unterlagen über die konzerninterne Aufarbeitung des Skandals hervor, die der Redaktion vorlägen, teilte das Magazin am Montagabend mit.

Telekom-Chef Obermann: Belastende vertrauliche Dokumente
AP

Telekom-Chef Obermann: Belastende vertrauliche Dokumente

Das Unternehmen sei bereits im September 2007 und nicht erst, wie von Telekom-Chef Obermann behauptet, Ende April 2008 über die Vorwürfe in Kenntnis gesetzt worden. Dies sagte unter anderem Frank Bsirske nach Sichtung der ihm vorgelegten Unterlagen. Der Ver.di-Chef gehört zu den Personen, die von der Telekom bespitzelt worden sind.

Laut Staatsanwaltschaft wurden 2005 und 2006 mindestens 60 Personen von der Konzernsicherheit der Telekom bespitzelt. Die Bespitzelungen haben laut den Ermittlern dazu gedient, eine undichte Stelle innerhalb des Konzerns zu finden. Bespitzelt wurden unter anderem Aufsichtsräte von Telekom und T-Mobile, ein Telekom-Vorstandsmitglied, Angehörige des Betriebsrats und weitere Mitarbeiter der Telekom dazu sieben Journalisten und sogar Personen, die mit dem Konzern in keiner unmittelbaren Verbindung stehen - wie auch Ver.di-Chef Bsirske.

Bsirske beschuldigte Obermann, gelogen zu haben, als er am 24. Mai 2008 in der "Tagesschau" erklärte, die Telekom sei erst Ende April 2008 mit den Vorwürfen der Spitzel-Affäre umfänglich konfrontiert worden. "Nach allem was wir wissen, ist der Vorstand seit September 2007 umfänglich informiert gewesen", sagte Bsirske.

Die Telekom wies den Vorwurf der Lüge in einer Stellungnahme "entschieden" zurück. Die Vorwürfe von "Report Mainz" könnten nicht nachvollzogen werden. Bis zum April 2008 sei die Telekom von einem Einzelsachverhalt ausgegangen, der ausschließlich einen Journalisten und ein Aufsichtsratsmitglied betroffen habe.

Diese Personen hätten natürlich auch andere Gesprächspartner mit einem entsprechenden Aufkommen von Verbindungsdaten gehabt. "Diese waren aber nach damaligem Erkenntnisstand nicht Gegenstand einer gezielten Auswertung", teilte das Unternehmen mit. Das von "Report Mainz" zitierte Papier fasse diesen Erkenntnisstand zusammen und sei der Staatsanwaltschaft im Rahmen der Strafanzeige im Mai 2008 zur Verfügung gestellt worden.

Erst mit dem Schreiben der Firma network Ende April 2008 habe sich der Verdacht ergeben, dass Verbindungsdaten einer wesentlich größeren Anzahl von Personen systematisch ausgewertet worden seien. Daraufhin habe der Vorstand dann Strafanzeige erstattet.

ssu/AP/dpa



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