Telekom-Spitzelaffäre Ricke und Zumwinkel sollen Ausspähung persönlich veranlasst haben

Für die ehemalige Führungsspitze der Deutschen Telekom wird es eng: Einem Zeitungsbericht zufolge gibt es Beweise dafür, dass Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke die Bespitzelung von Aufsichtsräten, Vorständen, Betriebsräten und Journalisten persönlich in Auftrag gaben.


München - Zumwinkel und Ricke hätten einen Mitarbeiter der Abteilung Konzernsicherheit damit beauftragt, undichte Stellen in der Telekom aufzuspüren, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf interne Untersuchungsberichte des Konzerns. Der inzwischen in Untersuchungshaft sitzende frühere Fernmeldeoberrat Klaus T. sollte demnach herausfinden, wer im Konzern vertrauliche Informationen an Medien weitergegeben habe.

Ex-Telekom-Bosse Ricke (li), Zumwinkel: Maulkorb für den Spitzel
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Ex-Telekom-Bosse Ricke (li), Zumwinkel: Maulkorb für den Spitzel

Nach Aussagen des beauftragten Mitarbeiters war die Anweisung der Konzernspitze mit der strikten Anweisung verbunden, auch gegenüber seinen Vorgesetzten absolutes Stillschweigen über die Ermittlungen zu bewahren, zitiert die "SZ" aus einem der Untersuchungsberichte.

Die Untersuchungsberichte stehen laut "SZ" im Widerspruch zu jüngsten Aussagen Zumwinkels, wonach ein Aufsichtsrat Mitarbeitern keine Weisungen geben könne. Aus den internen Untersuchungsberichten der Telekom gehe allerdings nicht hervor, ob Ricke und Zumwinkel mit Klaus T. einzelne Ermittlungsmaßnahmen besprochen hätten oder detaillierte Anweisungen gegeben hätten. Es sei offen, ob es womöglich ein stillschweigendes Einverständnis für bestimmte Ermittlungsmethoden gegeben habe.

Zumwinkel hatte in der Vergangenheit stets darauf gepocht, dass für die Abteilung Konzernsicherheit der Personalvorstand verantwortlich sei. Der damalige Personalvorstand Heinz Klinkhammer gehörte der Zeitung zufolge aber selbst zu den Bespitzelten. Er habe darauf hingewiesen, dass er von den dubiosen Aufträgen zunächst nichts gewusst habe. Erst als er T. zur Rede gestellt habe, habe dieser ihm versichert, dass ihm Ricke und Zumwinkel "in dieser Sache einen Maulkorb erteilt" hätten. Den Auftrag, undichte Stellen zu finden, habe T. "an mir und am Chef der Konzernsicherheit vorbei aus dem Umfeld Ricke und Zumwinkel erhalten", sagte Klinkhammer laut "SZ".

Die Staatsanwaltschaft Bonn untersucht seit dem Frühjahr 2008 die Spitzelaffäre bei der Telekom. Nach Angaben der Ermittler hat das Unternehmen in den Jahren 2005 und 2006 die Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten der Telekom, Angehörigen des Betriebsrats und Journalisten ausgespäht, aber auch von Dritten wie Verdi-Chef Frank Bsirske, die mit dem Konzern nicht unmittelbar zu tun haben. Insgesamt ist von mindestens 55 Bespitzelten die Rede. Unter den Beschuldigten in dem Skandal befinden sich auch Ricke und der ehemalige Post-Chef Zumwinkel, den das Bochumer Landgericht im Januar wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte.

mik/AFP/ddp

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Forum - Wie weit darf Kampf gegen Korruption gehen?
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Seite 1
Petra Raab 21.01.2009
1.
Zitat von sysopDie Bahn hat Mitarbeiter von einer Detektei überwachen lassen, die schon der Telekom beim Bespitzeln half. Der Staatskonzern verweist auf seinen Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Wie weit aber darf die Korruptionsabwehr gehen?
Was genau wird denn bei der Bahn und der Telekom korrumpiert? Die Gleise der Bahn fahren doch immer auf der gleichen Strecke und bei der Telekom schaut es auch nicht anders aus. Wer soll da wen bestechen? Die einzige Korruption, die es gilt zu überwachen sind unsere Politiker und die Banken.
Tolotos 21.01.2009
2.
Zitat von sysopDie Bahn hat Mitarbeiter von einer Detektei überwachen lassen, die schon der Telekom beim Bespitzeln half. Der Staatskonzern verweist auf seinen Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Wie weit aber darf die Korruptionsabwehr gehen?
Es gibt Gesetze, und die sollten in einem Rechtsstaat für alle gelten. Leider ist das in Deutschland schon lange nicht mehr der Fall, und so gibt es hier eine Oberschicht, für die in der Praxis bei vielen Rechtsverstößen die Strafandrohung ausgehebelt ist. Auch bei den Bespitzelungsaffären dürfte für die Initiatoren keine wirklich schmerzhafte Strafe zur Anwendung kommen.
Clownfish 21.01.2009
3.
Zitat von sysopDie Bahn hat Mitarbeiter von einer Detektei überwachen lassen, die schon der Telekom beim Bespitzeln half. Der Staatskonzern verweist auf seinen Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Wie weit aber darf die Korruptionsabwehr gehen?
Geht garnicht! Ehemaliger Staatsbetrieb hin oder her, aber Kriminalitätsbekämpfung ist Aufgabe des Staates. Vor allem wenn dabei die Privatsphäre der Angestellten verletzt wird.
Reziprozität 21.01.2009
4.
Zitat von Petra RaabWas genau wird denn bei der Bahn und der Telekom korrumpiert? Die Gleise der Bahn fahren doch immer auf der gleichen Strecke und bei der Telekom schaut es auch nicht anders aus. Wer soll da wen bestechen? Die einzige Korruption, die es gilt zu überwachen sind unsere Politiker und die Banken.
Allein die DB Bahnbau GmbH hat pro Jahr einen Umsatz von ca. 500 Millionen Euro. Etliche Bauauftraege gehen darueber hinaus an externe Anbieter. Ein nahezu ideales Biotop...
BluesmanII, 21.01.2009
5. Hattu Möhrchen
Zitat von Petra RaabWas genau wird denn bei der Bahn und der Telekom korrumpiert? Die Gleise der Bahn fahren doch immer auf der gleichen Strecke und bei der Telekom schaut es auch nicht anders aus. Wer soll da wen bestechen? Die einzige Korruption, die es gilt zu überwachen sind unsere Politiker und die Banken.
Wenn einer verdient hat überwacht zu werden ist es doch Möhrchen Mähdorf und der Verkehrsminister Tiefensee. Nur glaube ich das es genau umgekehrt ist .Wahrscheinlich gehören diese beiden eher zu den Auftraggebern einer solchen Aktion.Die Codenamen sprechen jedenfalls dafür.Wer Möhrchen will mag auch Eichhörnchen.Psychologisch gesehen ist beides die Verniedlichung von dreisten Aktionen.
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