Telekom-Spitzelaffäre Staatsanwaltschaft durchsucht Zumwinkel-Burg in Italien

Italienische und deutsche Beamte haben das Anwesen des früheren Telekom-Aufsichtsratschefs Klaus Zumwinkel am Garda-See durchsucht. Der 65-Jährige wird verdächtigt, die Spitzelaffäre beim deutschen Kommunikationsunternehmen veranlasst zu haben.


Hamburg - Ungebetener Besuch für Klaus Zumwinkel: Wegen der Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom ist das italienische Anwesen des früheren Postchefs durchsucht worden. Das berichten mehrere Tageszeitungen übereinstimmend. Nach Informationen der "taz" wurden bei der Aktion auf der Burg Tenno am Gardasee unter anderem zwei Computer beschlagnahmt. An der Aktion sollen neben italienischen auch fünf deutsche Beamte beteiligt gewesen sein.

Zumwinkel-Burg nahe des Gardasees: Besuch vom Staatsanwalt
DDP

Zumwinkel-Burg nahe des Gardasees: Besuch vom Staatsanwalt

Die zuständige Staatsanwaltschaft in Bonn und der Anwalt Zumwinkels waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Zumwinkel war bis Februar 2008 Aufsichtsratschef bei der Telekom. Die Ermittler wollen klären, ob er von der massenhaften Bespitzelung bei dem Unternehmen wusste oder sie sogar persönlich in Auftrag gegeben hatte.

Zumwinkel war im erst im Januar 2009 vom Bochumer Landgericht wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Schon im Februar 2008 war er wegen dieser Affäre als Vorstandsvorsitzender der Post zurückgetreten.

In der Spitzelaffäre bei der Telekom ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn seit dem Frühjahr 2008. Nach Angaben der Ermittler hat das Unternehmen in den Jahren 2005 und 2006 die Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten der Telekom, Angehörigen des Betriebsrats und Journalisten ausgespäht, aber auch von Dritten wie Verdi-Chef Frank Bsirske, die mit dem Konzern nicht unmittelbar zu tun haben.

Insgesamt ist von mindestens 55 Bespitzelten die Rede. Nach Informationen des SPIEGEL sollen sogar Vorstände des Unternehmens ausgespäht worden sein.

Der SPIEGEL hatte die Affäre im Mai des vergangenen Jahres öffentlich gemacht. Die Telekom hatte eine Detektei damit beauftragt, Telefonverbindungen von Aufsichtsräten und Journalisten abzugleichen und herauszufinden, über welche Kanäle interne Informationen an die Öffentlichkeit gedrungen sind.

hut/dpa/AFP/AP



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