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Teure Energie: Gaskunden müssen bis zu 319 Euro mehr zahlen

In Deutschland gibt es enorme Unterschiede bei den Gaspreisen. Laut einer aktuellen Untersuchung müssen die Verbraucher in manchen Regionen 54 Prozent mehr zahlen als in anderen. Und vielerorts steigen die Preise weiter: Allein für Juni und Juli kündigen mehr als 100 Versorger Erhöhungen an.

Heidelberg - Erdgas wird in Deutschland immer teurer. Seit Januar 2005 sind die Preise für Endverbraucher um 31 Prozent gestiegen. Das hat das unabhängige Verbraucherportal Verivox ermittelt. Dabei wurden enorme regionale Unterschiede festgestellt.

Gaszähler: Kaum Wettbewerb
AP

Gaszähler: Kaum Wettbewerb

Am günstigsten ist Erdgas zurzeit bei den Stadtwerken im niedersächsischen Stade. Dort zahlt ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden 1086 Euro pro Jahr. Über vergleichsweise niedrige Preise können sich auch die Kunden der Stadtwerke Pforzheim, Kempten und Buxtehude freuen.

Extrem teuer ist Gas dagegen bei den Stadtwerken Wismar. Hier liegen die durchschnittlichen Kosten bei 1672 Euro pro Jahr. Damit ergibt sich ein Preisunterschied vom günstigsten zum teuersten Anbieter von fast 600 Euro oder 54 Prozent. Besonders teuer ist Gas außerdem bei den Stadtwerken Saarlouis, in Pasewalk und in Weißwasser.

Die hohen Preisunterschiede in Deutschland sind historisch bedingt. Weil es auf dem Gasmarkt kaum Wettbewerb gibt, können die Unternehmen ihre Preise relativ frei bestimmen. Und manche Versorger nutzen ihre Marktmacht stärker aus als andere.

Die Energieunternehmen selbst begründen die regionalen Preisdifferenzen mit unterschiedlichen Kostensituationen. Insbesondere in Ostdeutschland haben die Versorger in den neunziger Jahren viel investiert - die Rechnung dafür begleichen die Verbraucher heute noch.

Auch in den kommenden Monaten ist eine Entspannung bei den Gaspreisen nicht in Sicht. Im Gegenteil: Für Juni oder Juli haben laut Verivox mehr als 100 Gasversorger Erhöhungen angekündigt. Durchschnittlich klettern die Preise um 7,6 Prozent nach oben. Im Vergleich zum Vorjahr ergeben sich damit Erhöhungen von bis zu 319 Euro.

Die Unternehmen nennen als Grund die explodierenden Rohölpreise, an die der Gaspreis vertraglich gekoppelt ist. Da sich Rohöl in den vergangenen Monaten massiv auf knapp 140 Dollar je Fass erhöht hat, ziehen nun die Gaslieferanten nach. Zunächst erhöhen die Produzenten in Russland oder Norwegen ihre Preise, die Importeure geben dies dann an die Stadtwerke weiter - und die erhöhen schließlich die Preise für die Endkunden.

Aus eben diesem Grund erwartet Verivox eine weitere Preisrunde zum Beginn der Heizperiode im Herbst. Dabei rechnet das Verbraucherportal mit Steigerungen von durchschnittlich etwa zehn Prozent, sagte Verivox-Sprecherin Dagmar Ginzel. Damit sind die Experten bei weitem nicht so pessimistisch wie Umweltstaatssekretär Michael Müller (SPD). Er hatte am Wochenende von bis zu 40 Prozent gesprochen.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.

wal/AP

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