Teure Energie Hunderte Versorger wollen Strompreise erhöhen

Erst Marktführer E.on, jetzt die Masse kleinerer Versorger: Deutsche Haushalte müssen sich darauf einstellen, dass Strom schon wieder kräftig teurer wird. Zum Oktober erhöhten 47 Stadtwerke und andere Versorger ihre Tarife - zur Jahreswende werden Hunderte folgen.


Hamburg – Die Stromversorger drehen mal wieder an der Preisschraube. Allein zum 1. Oktober hätten 47 Stadtwerke und andere Versorger ihre Tarife erhöht, sagte eine Sprecherin des Verbraucherportals Verivox SPIEGEL ONLINE. Für den ersten Januar erwartet sie sogar "Hunderte". Insgesamt gibt es in Deutschland gut 900 lokale und regionale Energieversorger.

Strommast: E.on geht vor, die anderen ziehen nach
DPA

Strommast: E.on geht vor, die anderen ziehen nach

"Die Unternehmen lassen E.on Chart zeigen vorgehen und ziehen dann selbst nach", sagte die Sprecherin. Der Marktführer hatte gestern angekündigt, zum Anfang des kommenden Jahres seine Preise für Privatkunden um bis zu knapp 10 Prozent bei Strom und um bis zu fast 9 Prozent bei Gas zu erhöhen. Betroffen sind bei Strom sieben Millionen Haushaltskunden und bei Gas 1,2 Millionen Haushaltskunden.

Getrieben von Preissteigerungen insbesondere bei Energie ist die Inflationsrate im September auf den höchsten Stand seit zwei Jahren geklettert. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im Juli und August hatte die Teuerungsrate noch bei 1,9 Prozent gelegen. Im Vergleich zum August erhöhte sich der Index um 0,1 Prozentpunkte.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.
Die Statistiker führten den Anstieg vor allem auf die Ölpreise zurück: Im Jahresvergleich stiegen die Preise für Kraftstoff um 8,9 Prozent und für leichtes Heizöl um 3,1 Prozent. Für diese Produkte gab es im September 2006 einen deutlichen Preisrückgang.

Ohne Mineralölprodukte hätte die Teuerungsrate im September 2007 bei nur 2,2 Prozent gelegen. Auch für Strom mussten Verbraucher viel mehr bezahlen als noch ein Jahr zuvor: Die Preise stiegen um 7,4 Prozent.

Die Verivox-Sprecherin sagte der "Bild"-Zeitung, die kommenden Tarifsteigerungen beim Strom könnten so hoch wie zuletzt zum 1. Juli und 1. Oktober 2007 ausfallen. Zu diesen Terminen hatten insgesamt fast 200 Versorger ihre Strompreise um durchschnittlich sieben bis acht Prozent angehoben.

Auch RWE Chart zeigen will die Strompreise bei seinen Regionalversorgern RWE Westfalen-Weser-Ems und RWE Rhein-Ruhr zum Jahreswechsel um durchschnittlich 6,6 Prozent erhöhen. Die RWE-Töchter Süwag und Lechwerke AG planen sogar Steigerungen um neun Prozent. Das Mannheimer Unternehmen MVV Energie wiederum will den Standard-Stromtarif zum Jahreswechsel um 4,2 Prozent erhöhen.

So stark steigen bei E.on die Strompreise

Regionalversorger Preiserhöhung zum 1. Januar in Prozent
E.on Hanse :7,1
E.on Avacon (Niedersachsen) :7,3
E.on Avacon (Sachsen-Anhalt) :8,7
E.on edis :8,3
E.on Thüringer Energie :9,1
E.on Westfalen Weser 9,1
E.on Mitte :9,8
E.on Bayern :9,9

Quelle: AP

Vattenfall Chart zeigen hatte seine Preise schon im Juli erhöht. Im Januar will das Unternehmen vorerst nicht mitmachen. Das Gleiche gilt auch für EnBW Chart zeigen. Allerdings dürfte dies nur eine Atempause sein: Der neue EnBW-Chef Hans-Peter Villis sagte in der vergangenen Woche, dass er weiter steigende Strompreise erwartet.

Die großen Konzerne haben eine erhebliche Marktmacht - und die nutzen sie aus. Die vier großen Energieunternehmen E.on, RWE, EnBW und Vattenfall kontrollieren 80 Prozent der deutschen Stromerzeugung und 100 Prozent der überregionalen Verteilungsnetze.

wal/itz/ddp/AP



Forum - Energiekosten - Nur noch Vorwand zum Abzocken?
insgesamt 1570 Beiträge
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Seite 1
Rainer Helmbrecht 15.11.2005
1.
Ein Scheich hustet und der Ölpreis steigt, ein Wirbelsturm droht, der Ölpreis steigt, der Wirbelsturm kommt nicht, nun steigt der Preis, weil der Sturm nicht kommt. Das gleiche Phänomen kann man auch bei sonstigen Kursen an der Börse bemerken. Wir (Normalen) wissen nämlich garnicht was der Sinn der Börse ist. Wir Dummchen glauben immer, da werden Tatsachen bewertet, das stimmt aber nicht, das Ziel der Börse ist Geldverdienen. Geldverdienen ist aber so eine Art Spiel, dieses Spiel hat, wie alle Spiele, nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Wem es gelingt, einen Haufen Mist für viel Geld zu verkaufen, siegt. An der Börse bedeutet das nutzloses Papier bunt zu bedrucken und teuer zu verkaufen. Dann hat man das Ganze modernisiert und das bedruckte Papier auch noch weggelassen. Nun sind wir soweit, das der Kurs einer Aktie schon durch einen Stromausfall beeinflußt werden kann. Irgendwie wie der Hase und der Igel, nur das der Igel hier Geier heißt.
Gnom, 15.11.2005
2.
---Zitat von sysop--- Öl, Gas, Strom, alles wird immer schneller immer teurer. Die Energiekonzerne brauchen sich um ihr Image beim Kunden nicht zu sorgen: Schlechter kann es nicht mehr werden. Sind die Energielieferanten wirklich die bösen Abzocker? Oder müssen sie auch nur der immer größeren Nachfrage und den gestiegenen Rohstoffpreisen Tribut zollen? Sollten die Konsumenten statt zu stöhnen einfach mehr Energie sparen? ---Zitatende--- Es muss sich was ändern und es wird sich etwas ändern auf dem Energiesektor! Das Einsparen von Energie wird dabei eine Rolle spielen. Außerdem ist der Gesetzgeber gefordert, aber hoffentlich nicht überfordert.
hubert neues, 15.11.2005
3. Änderung des Energiemarktes
Nun es wird sich was ändern auf dem Markt, aber solange die weltweit bestimmende Industrie die Automobilhersteller sind ist das kaum vorstellbar. Ich kann mich nur schwach daran erinnern, aber es gab zahlreiche Studie zu Beginn der Rot/Grünen Regierung wieviel Potential im Umweltschutz und in der alternativen Energiegewinnung liegt. Das haben wir alles vergessen,bzw. es wurde vergessen gemacht. Denn wenn Opel oder VW keine guten Zahlen vorlegen ist das Geschrei und die Angst in der Politik groß. 3 Liter Auto?! Die ersten vernünftigen kammen erst dieses Jahr auf dem Markt, wurden uns aber schon lange versprochen. Und was ist mit der Chance auf den wachsenden chinesischen (Energie-)Markt Einfluß zu nehmen, um dort den vernünftigen Umgang mit Resourcen zu vermitteln. Hätte man damals in die alternative Energiegewinnung/-technologie in deutschland investiert, könnte man heute sicher mehr als nur Know-How dorthin verkaufen. Die Chancen sind vertan. Jetzt sollten wir vielleicht nur unseren Markt retten und vielleicht auch unsere Umwelt!
Urquhart, 15.11.2005
4. Wer sind die Abzocker?
Nicht die Scheichs sind Abzocker. Abzocker sind: Der Bundesfinanzminister (Mineralölsteuer und Ökosteuer, Umsatzsteuer auf bereits gezahlte Steuer) Die Landesfinanzminister (Wasserpfennig, Umsatzsteuer) Die Stadt- und Gemeindekämmerer per se(Schmutzwasserabgabe, Niederschlagsabgabe usw.) Die Stadt- und Gemeindekämmerer als Vertreter der Städte und Gemeinde als Anteilseigner an Energieversorgern und Wasserwerken (Kapitalverzinsung) Das Kartell zwischen Energieversorgung, Mineralölunternehmen und Regierungen muss unbedingt durchbrochen werden. Es wundert mich eigentlich, dass diese Machenschaften verfassungskonform sein sollen.
sitiwati 16.11.2005
5. mir
---Zitat von Rainer Helmbrecht--- Ein Scheich hustet und der Ölpreis steigt, ein Wirbelsturm droht, der Ölpreis steigt, der Wirbelsturm kommt nicht, nun steigt der Preis, weil der Sturm nicht kommt. Das gleiche Phänomen kann man auch bei sonstigen Kursen an der Börse bemerken. Wir.... ---Zitatende--- aus der Seele gesprochen!
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