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Teure Energie: Verbraucher sind Verlierer auf dem Strommarkt

Gut gemeint, aber das Ziel verfehlt? Von der Öffnung des Strommarkts haben Verbraucher laut einer Studie nicht profitiert - obwohl genau das gewollt war. Für die Konzerne dagegen hätte die EU-weite Liberalisierung demnach kaum besser laufen können.

Recklinghausen - Um 118 Prozent sind die Gewinne der Strombranche in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Für private Verbraucher sanken die Strompreise im gleichen Zeitraum aber nur um fünf Prozent, die für Industriekunden lediglich um drei. Das ist das Ergebnis einer Studie der Fachhochschule Gelsenkirchen und der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Strommast nahe Riesa: Profite von 118 Prozent Zur Großansicht
dpa

Strommast nahe Riesa: Profite von 118 Prozent

Die Verfasser der Studie üben darin scharfe Kritik an den Konzernen: Diese hätten ihre hohen Profite der vergangenen Jahre bei weitem nicht an ihre Kunden weitergegeben.

Doch genau das war das Ziel der EU-Kommission, die den Energiemarkt 1998 für den Wettbewerb geöffnet hatte. Die Unternehmen sollten effizienter, der Strom für die Endkunden billiger werden. Der Studie zufolge ist dieses Ziel aber nicht erreicht worden.

Studie kritisiert "Konzentration" auf dem Energiemarkt

Das sieht der Energieriese RWE jedoch anders: "Die Kunden profitieren sehr wohl von der Liberalisierung", erklärte der Konzern am Donnerstag. Während die Lebenshaltungskosten in den vergangenen zehn Jahren gestiegen seien, ginge die Studie immerhin von Preissenkungen beim Strom aus. Außerdem könnten Verbraucher sich ihren Stromversorger heute selbst aussuchen, wurde angeführt.

Doch anstelle eines stärkeren Wettbewerbs sieht die Studie eine Marktkonzentration. "90 Prozent der Kraftwerkskapazitäten in Deutschland liegen bei den vier großen Stromkonzernen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall", sagte Heinz-Josef Bontrup, der gemeinsam mit Ralf-Michael Marquardt die Studie verfasst hatte. Die Strategie der Unternehmen habe in den vergangenen Jahren gelautet: Fusionen auf nationaler und europäischer Ebene. Die Mittel dafür hätten "die großen Vier" aus den hohen Gewinnen geschöpft.

Schuld an dieser "Fehlentwicklung" sei die Politik. Bontrup spricht von einem "eindeutigen Politikversagen": Deutschland habe auf die Selbstregulierung des Strommarktes gesetzt und erst 2006 mit der Bundesnetzagentur eine Regulierungsbehörde für Strom geschaffen.

Kritik üben die Verfasser auch an internen Vorgängen in den Konzernen. So soll die Strombranche im überprüften Zeitraum von 1998 bis 2007 sehr viel produktiver geworden sein - und zwar um 70 Prozent. Die Produktivität sei aber vor allem durch schlechtere Arbeitsbedingungen und Entlassungen erreicht worden sein, kritisierte Bontrup. "Zwei Drittel der befragten Betriebsräte [...] berichten, dass sich die allgemeinen Arbeitsbedingungen seit der Liberalisierung "verschlechtert" bzw. "stark verschlechtert" hätten", heißt es in der 600-seitigen Studie.

yes/da-AFX

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