Teure Lebensmittel Washington und Berlin geben Millionen für Hungerhilfe

Erste Notmaßnahme gegen die weltweit explodierenden Nahrungspreise: Die US-Regierung stellt für Entwicklungsländer 200 Millionen Dollar bereit, auch die deutsche Regierung stockt ihre Hilfszahlungen auf - grundsätzlichere Lösungen für das Problem lassen auf sich warten.


Washington/Berlin – 500 Millionen Dollar, das ist die Zielmarke fürs erste. Diese Summe an Soforthilfen hatte Weltbank-Präsident Robert Zoellick in der vergangenen Woche von den Regierungen der Industrieländer eingefordert. Sie soll für Hilfsprogramme des Welternährungsprogramms (WFP) bereitgestellt werden. Die Regierungen in Washington und Berlin sind dem Appell nun gefolgt, aber das Ziel ist noch nicht erreicht.

Anti-Hunger-Protest: Studentinnen im indonesischen Jakarta machen mit einer Demonstration auf die dramatisch gestiegenen Lebensmittelpreise aufmerksam
AP

Anti-Hunger-Protest: Studentinnen im indonesischen Jakarta machen mit einer Demonstration auf die dramatisch gestiegenen Lebensmittelpreise aufmerksam

Die 200 Millionen Dollar Hilfsgelder sollen vor allem sicherstellen, dass die gestiegenen Lebensmittelpreise in Afrika und anderen armen Ländern aufgefangen werden können, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino.

Der drastische Anstieg der Nahrungsmittelpreise droht der Weltbank und zahlreichen Regierungen zufolge, Millionen Menschen in Armut und Hunger zu stürzen. In mehreren Ländern kam es bereits zu Unruhen: In Haiti stürzte am Wochenende die Regierung, Proteste gab es auch in mehreren afrikanischen Ländern, in Indonesien und auf den Philippinen.

Auch Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) kündigte eine Erhöhung der Mittel an. "Wir finanzieren das Programm regulär mit 23 Millionen Euro, haben im März bereits zusätzlich drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt und werden diese Summe noch einmal um zehn Millionen Euro erhöhen", sagte die Ministerin der "Berliner Zeitung". Der Nothilfe müssten dann mittel- und langfristige Maßnahmen folgen. Die Ministerin forderte die von Nahrungsmittel-Knappheit betroffenen Länder auf, wieder stärker in die Landwirtschaft zu investieren und ihre Nahrungsmittelproduktion erhöhen.

Die Ministerin sagte, die Krise sollte als Anlass genommen werden, "endlich die Agrarexportsubventionen abzuschaffen. Sie sind ein Hemmnis und demotivierend für die Bauern in Entwicklungsländern." Bis diese Maßnahmen griffen, "wird der Anteil der Nothilfe aufgestockt werden müssen".

Hilfsorganisationen forderten Unterstützung über die Finanzhilfen hinaus. Notwendig seien langfristige Investitionen um etwa die Produktivität in der Landwirtschaft zu erhöhen, sagte Jeffrey Borns, Direktor der staatlichen Hilfsagentur Usaid, dem größten US-Hilfsprogramm im Kampf gegen den Hunger.

"Das ist eine zunehmend schwierige Zeit. Wir müssen die richtigen Lebensmittel zum richtigen Zeitpunkt an die richtigen Menschen liefern", sagte Borns bei einer Konferenz der US-Regierung über weltweite Hungerhilfe. Borns forderte zudem den Abbau von Handelsbarrieren.

itz/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.