Teure Medizin Experten werfen Apothekern Abzocke vor

Viele Apotheker schlagen offenbar zusätzlichen Gewinn aus dem Verkauf überteuerter Medikamente. Dem Gesundheitsexperten Karl Lauterbach zufolge befördern Pharmafirmen diese Praxis, indem sie den Apotheken Rabatte auf hochpreisige Arzneien gewähren.


Deutsche Apotheken: "Betrug kostet zwei bis drei Milliarden Euro"
DPA

Deutsche Apotheken: "Betrug kostet zwei bis drei Milliarden Euro"

Berlin - "Es ist das schmutzige Geschäft der Apotheker, dass sie sich solche Geschenke machen lassen", sagte Lauterbach der "Berliner Zeitung". Die Pharmazeuten verkauften die teuren Originalmedikamente dann anstelle billiger Nachahmerprodukte an den Kunden weiter, um zusätzlichen Gewinn zu machen. Der Schaden für das Gesundheitswesen beläuft sich nach Schätzungen Lauterbachs auf zwei bis drei Milliarden Euro.

Dabei sind Apotheker eigentlich gesetzlich angehalten, dem Patienten die preiswertesten Mittel zu verkaufen. Im Rahmen der Gesundheitsreform wurden die Ärzte deshalb verpflichtet, wenn möglich kein bestimmtes Präparat, sondern lediglich einen speziellen Wirkstoff zu verschreiben.

Einige Hersteller von Nachahmerprodukten - sogenannten Generika - versuchen diese Praxis offenbar zu unterlaufen, indem sie Apothekern Medikamente kostenlos überlassen. "Es ist nicht unüblich, dass Apotheker von diesen Firmen für jede bezahlte Packung eine weitere Packung geschenkt bekommen", sagte Peter Kraus, Vorsitzender des Deutschen Generikaverbandes. Die geschenkten Mittel würden später von den Apothekern zum vollen Preis bei den Kassen abgerechnet, sagt Kraus.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.