Teurer Sport: Im Fitness-Club der Millionäre

Von , New York

Heidi Klums privater Trainer, Plasma-TV und Scanner-gesicherte Eingänge - mit immer exklusiveren Extras buhlen amerikanische Sportstudios um megareiche Klientel: Hollywood-Stars, Firmenchefs, Fondsmanager.

New York - Wer sich nachmittags ins Equinox-Sportstudio im New Yorker Greenwich Village verirrt, der trifft dort oft mehr Stars als auf einem roten Teppich. Neulich ächzten Jodie Foster, Sarah Jessica Parker und Comedienne Sandra Bernhard auf dem Laufband. Auch Daniel Craig ("James Bond") und Jake Gyllenhaal ("Brokeback Mountain") schauen gerne mal vorbei, wenn sie in der Stadt sind.

Nicht, dass das hier groß für Wirbel sorgen würde. Normalsterbliche und Prominente hanteln bei Equinox ungerührt Seite an Seite; die sprichtwörtliche New Yorker "Coolness" verbietet Stieren und Starren in einer Stadt, in der jeder ein Star ist. Alle werden gleich behandelt, ob im Pool, im Massage-Spa oder beim morgendlichen Gruppenschwitzen "Xtreme Boot Camp". Hauptsache, sie zahlen ihre Monatsgebühr von 150 Dollar pünktlich.

Will sich ein VIP trotzdem vom Plebs absondern, bietet Equinox eine Enklave, frei von allen potentiellen Gaffer-Blicken. "E at Equinox" heißt der exklusive Club im Club, eine noble Equinox-Dependance im Time Warner Center am Central Park. Satte 23.500 Dollar im Jahr kostet der Spaß - für überkandidelte Extras, die ihrerseits fast filmreif sind. Etwa der Eingang: Eine wenig bemerkenswerte Milchglastür, doch sie zu durchschreiten bedarf es futuristischer Autorisierung von oben: Ein Retina-Scanner prüft die optische Identität des Mitglieds. "Wie im Pentagon", prahlt Equinox-CEO Harvey Spevak, selbst Fitness-Fanatiker.

Lifestyle-Industrie mit Rundum-Service

Hinter der elektronischen Himmelspforte harren private Umziehkabinen aus Edelhölzern, mit Duschen, kostenlosen Skin-Care-Produkten und Frottee-Bademänteln der Luxusfirma Frette. Überall blühen weiße Orchideen. Der Sportbereich selbst hat höchstes Hightech-Ambiente, inklusive eines von Palmen gesäumten, olympischen Pools. Dies, lästert die volksnahe "Village Voice", sei "die schwarze American-Express-Karte der Sportstudios".

Zwei Trainerstunden pro Woche sind im Preis inbegriffen. Viele der Betreuer haben lange Profi-Erfahrung; jeder Klient bekommt sein eigenes Programm maßgeschneidert. Besonders beliebt, so hört man, sind die Aromatherapie-Laufbänder (Orangen-Essenz). Die Mitgliedschaft ist auf 200 beschränkt und wird einem nur auf private Einladung gewährt.

"Wir bedienen die V-VIPs", verkündet Spevak stolz. Will heißen: very VIP. "Sei es ein Elitegast des Mandarin Oriental" - ein Fünf-Sterne-Hotel im Hause, das selbst ein 1400-Quadratmeter-Spa hat - "ein Industrie-Kapitän oder Ricky Martin." Gesichtet: Anchorleute der CNN-Studios nebenan und Naomi Campbell.

"E at Equinox" zeigt, dass auch Krösusse körperlich fit bleiben wollen - allerdings mit Stil. Zwei Trends prallen aufeinander: Wall Street und Private Equity führen zu immer beispielloseren Reichtümern - gleichzeitig hat sich der Fitness-Wahn hier längst über die klassischen Hantel-Studios hinaus zu einer Lifestyle-Industrie mit Rundum-Service entwickelt. Mit knallharter Konkurrenz, die nun von ein paar erlesenen Clubs auf die Spitze getrieben wird.

"Hybrid aus Fitness und Medizin"

Zum Beispiel der Madison Square Club, ebenfalls in Manhattan, gegenüber vom Flatiron Building, wo sich Fifth Avenue und Broadway treffen. Für 25.000 Dollar im Jahr plus eine zusätzliche Monatsgebühr von 125 Dollar bietet der selbsternannte "Wellness-Guru" und Ex-Streitanwalt David Kirsch dort ein penibel "personalisiertes" Trimm- Dich-Erlebnis - samt teurem Orientteppich im Hantelbereich.

500 Mitglieder und zwölf Trainer hat der Club, doch nur sechs Leute dürfen auf den 4000 Quadratmetern hier gleichzeitig Gewichte stemmen, um die intim-lauschige Stimmung zu wahren. "Anti-Gym", nennt Kirsch das. Zu seinen Klienten zählen Banker, Entertainment-Größen, Schauspieler und Models, etwa Heidi Klum, Linda Evangelista, Liv Tyler und Ellen Barkin. "David brachte mich für die Victoria's Secret Fashion Show in Schuss, nachdem ich Henry hatte," sagt Klum - Henry ist ihr 2005 geborenes, zweites Kind. "Er ist taff!"

Kirsch offeriert auch Open-Air-Drill-Klassen, darunter ein frühmorgendliches "Hamptons Boot Camp" am Flying Point Beach, in der Millionärs-Sommerfrische Water Mill am Ostende Long Islands. Außerdem liefert er selbstkreierte, proteinhaltige Mahlzeiten ins Haus (70 Dollar pro Tag), einen "Vitamin-Mineral-Supersaft" (40 Dollar) und "Thermo Bubbles", ein Fatburning-Elixir (35 Dollar).

Etwas gesetzter geht's bei La Palestra zu, einem Privatclub auf Manhattans Upper West Side. Im renovierten Ex-Ballsaal des Hotels Des Artistes steht nicht (nur) Sport im Mittelpunkt, sondern Gesundheit - der Laden rühmt sich als "Hybrid aus Fitness und Medizin". Für 8000 Dollar im Jahr kann sich der CEO-Kunde einem kompletten präventiv-medizinischen Programm unterziehen - samt Herz-Kreislauf-Diagnose, Physiotherapie und regelmäßiger Arztvisite. Ein Steamroom und eine medizinische Bibliothek runden das edle Wellness-Profil für dauergestresste Hedgefonds-Manager ab.

Bibliothek und Boxstudio unter einem Dach

Doch New York City ist nicht der einzige Ort, an dem sich die Jetsetter das Sitzfleisch vom Leib halten können. Im Sports Club/LA halten sich Hollywood-Stars in Form. Das 10.000-Quadratmeter-"Mega-Gym" in Westwood - das inzwischen auch Filialen in Washington, Boston, San Francisco und New York hat - ist mit 2500 Dollar Aufnahme- und 235 Dollar Monatsgebühr vergleichsweise billig. Dafür könnten hier Olympische Spiele abgehalten werden: Ein enormer Pool, eine Kletterwand, Courts für Basketball, Volleyball, Racquetball, Squash und Tennis und ein Golfkurs auf dem Dach. Hinzu kommen Salon, Spa, Restaurant, Café, Boutique und Sonnendeck.

Das Trainerteam wird ergänzt von Physiotherapeuten und Ernährungsberatern. Reinigung, Schuhpflege, Valet-Parken und Autowäsche sind im Preis mit inbegriffen. Unter den über 40 verschiedenen Fitness-Klassen findet sich auch eine namens Candlelight Stretch, begleitet von einem Streichquartett. Stammgäste: Linda Ronstadt, Jermaine Jackson, Arnold Schwarzenegger, Kenny Loggins, Linda Gray, Jack Nicholson, Teri Garr, Pat Boone, George Carlin, Magic Johnson und Prinzessin Stephanie von Monaco.

Der Houstonian Club im texanischen Houston dagegen ist eher etwas für den feinen Gentleman. Wie in einem echten prestigeträchtigen Herrenclub müssen auch hier neue Gäste von einem Mitglied geworben werden, um auf das durch Tor und Mauer abgesicherte Sieben-Hektar-Gelände gelassen zu werden. Dafür zahlen sie dann immer noch eine Jahresgebühr von 24.000 Dollar - dazu kommt natürlich nochmal die Monatsgebühr von 331 Dollar.

Doch hinter der betulichen Fassade - es gibt einen "Board Room" mit Kamin sowie eine getäfelte Bibiliothek - verbirgt sich auch hier ein hochmoderner Sportkomplex mit Boxring und Pilates-Studio, dem allerletzten Schrei in der amerikanischen Fitness-Szene. Kinder haben ihr eigenes, kunterbuntes "Gym".

Wo auch die deutschen Kicker trainieren

Athletes' Performance, ein Club in Tempe im US-Bundesstaat Arizona, ist eigentlich ein Camp für Profi-Athleten. Es hat ein komplettes Football-Feld, 60-Meter-Sprintbahnen und Baseball-Anlagen. Hier trainieren die Stars der Football-, Basketball- und Baseball-Ligen NFL, NBA und MLB sowie die amerikanische Frauen- Fußballnationalmannschaft. Auch die deutschen Nationalkicker sind gelegentlich in Tempe.

Jedes Jahr dürfen bis zu zehn betuchte Laien mittrainieren. Im Angebot: Plyometrics (eine besondere Art des Krafttrainings), ein Stress-Management-Programm und "Reise-Erholungs-Strategien" für Vielflieger. Bewerber müssen eine Einverständniserklärung unterzeichnen, in der sie dramatisch schwören: "Ich bin bereit, mir maximale Mühe zu geben."

Und, nicht zu vergessen, 25.000 Dollar im Jahr zu zahlen.

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