Teurer Stahl Preissprünge von 50 Prozent bedrohen Mittelstand

Preisschock für stahlverarbeitende Betriebe: Große Stahlhersteller haben Preiserhöhungen von 50 Prozent und mehr angekündigt. Viele der meist mittelständischen Abnehmer seien in ihrer Existenz bedroht, warnt der Branchenverband.


Stuttgart - Die Autohersteller sind ein gutes Beispiel: ArcelorMittal will von Daimler Chart zeigen und Co 60 Prozent mehr für Stahl verlangen, wie die Zeitschrift "Auto Motor und Sport" berichtet. Entsprechende Informationen der Fachzeitschrift aus Herstellerkreisen bestätigte Jean-Luc Maurange, Vice President Automotive bei ArcelorMittal: "Unsere Kostenerhöhungen entsprechen diesem Ausmaß."

Motorproduktion im Daimler-Werk in Berlin: Rohstoffpreise haben sich in einem Jahr verdoppelt
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Motorproduktion im Daimler-Werk in Berlin: Rohstoffpreise haben sich in einem Jahr verdoppelt

"Die Rohstoffpreise haben sich in den vergangenen zwölf Monaten fast verdoppelt und dies betrifft nicht nur das Eisenerz, sondern auch die Energie, die Frachtkosten und so weiter", sagte Maurange dem Magazin. Auf der anderen Seite sei die Nachfrage nach Stahl sehr hoch.

Dieses Problem trifft nicht nur Autohersteller - und ArcelorMittal ist auch nicht der einzige Hersteller, der mehr für seinen Stahl verlangen will. Auf die zumeist mittelständische Branche der stahl- und metallverarbeitenden Branche kommt nach den jüngsten Ankündigungen der Stahlkonzerne ab dem zweiten Halbjahr insgesamt ein Kostenschub von 50 Prozent und mehr zu. "Unsere Mitgliedsfirmen haben keine Chance, dem Preisdiktat der Stahlhersteller auszuweichen", sagte Andreas Möhlenkamp, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) in Düsseldorf, dem "Handelsblatt": "Im Vergleich zu 2004 haben wie jetzt eine viel gefährlichere Situation." Damals sah sich zeitweise jedes sechste Unternehmen der Branche in seiner Existenz bedroht.

Dem "Handelsblatt" liegen nach eigenen Angaben mehrere Briefe vor, in denen die Stahlkonzerne ihren mittelständischen Kunden aus der stahl- und metallverarbeitenden Industrie sozusagen die Pistole auf die Brust setzen: "Um unsere Lieferfähigkeit auch im zweiten Halbjahr 2008 weiter aufrecht zu erhalten, sehen wir uns gezwungen, unsere Preise massiv ... anzuheben. Hiervon sind auch laufende Jahresabschlüsse betroffen."

Möhlenkamp wirft den Stahlproduzenten vor, ihre Angebotsmacht ohne Rücksicht auf die gravierenden Folgen für eine ihrer größten Abnehmerbranchen auszunutzen. 2007 haben die Mitgliedsfirmen des WSM knapp 20 Millionen Tonnen Stahl verarbeitet, dies entspricht knapp 40 Prozent der gesamten deutschen Stahlproduktion. Der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal hatte am Wochenende eine neue Preisrunde für September angekündigt.

ase/dpa-AFX



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