Teurer Strom Energiekonzerne planen Rabatte für Unternehmen - auf Kosten der Privatverbraucher

Die zum Teil drastischen Gebührenaufschläge der Stromanbieter haben in den vergangenen Monaten immer wieder für Kritik gesorgt. Nun geben sich die Versorger einsichtig und gewähren Preisnachlässe für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch. Allerdings müssen die restlichen Kunden die Rabatte bezahlen.


Kraftwerk: Kosten auf alle anderen Stromverbraucher aufteilen

Kraftwerk: Kosten auf alle anderen Stromverbraucher aufteilen

Berlin/Düsseldorf - Die vier großen Stromkonzerne RWE Chart zeigen, E.ON Chart zeigen, Vattenfall Chart zeigen und EnBW Chart zeigen wollen laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) im neuen Energiewirtschaftsgesetz festschreiben, dass Unternehmenskunden mit einem jährlichen Verbrauch von mehr als 100 Gigawattstunden nur noch die Hälfte der Netznutzungsentgelte zahlen.

Gleiches gilt für Betriebe deren Stromkosten mehr als 20 Prozent der Bruttowertschöpfung beträgt. Davon würden vor allem Unternehmen aus energieintensiven Branchen profitieren, beispielsweise Stahlhersteller.

Allerdings wollen die Versorger den entstehenden Einnahmeausfall nicht hinnehmen. Tatsächlich sieht der Plan vor, dass die Kosten auf alle anderen Stromverbraucher aufgeteilt werden. Also müssen auch die Privatkunden die Rabatte bezahlen.

Clement findet die Idee gut

Vertreter der großen Stromkonzerne waren am Freitag mit Wirtschaftsminister Wolfgang Clement zusammengekommen, um über die Ausgestaltung des künftigen Energiewirtschaftsrechts zu sprechen. Ein Sprecher von RWE Energy bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass dabei ein entsprechender Vorschlag unterbreitet worden sei. "Wir wollen einen konstruktiven Beitrag leisten, um die Standortbedingungen für die Industrie zu verbessern", hieß es zur Begründung.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement zeigte sich aufgeschlossen. Die künftige Regulierungsbehörde müsse die Stromleitungsgebühren für stromintensive Betriebe etwa aus der Aluminium- und Kupferindustrie halbieren, heißt es in Papieren des Ministeriums, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen.

Voraussetzung sei, dass "das Ausmaß der Netznutzung eines Letztverbrauchers oder dessen kontinuierliche Netzauslastung dies rechtfertigt", heißt es in dem Formulierungsentwurf des Ministeriums für das geplante neue Energierecht. Halbiert werden sollten die Kosten auch, wenn die gleichmäßige Abnahme von Strommengen zu einer Senkung der Netzkosten führe.

Die Entlastung soll dem Entwurf zufolge letztlich auf alle Stromverbraucher umgelegt werden. Das Wirtschaftsministerium wollte sich dazu nicht äußern.

Preisexplosion bei den Nutzungsentgelten

Nutzungsentgelte, welche die Netzbetreiber für die Durchleitung des Stroms verlangen, haben in den vergangenen Jahren eine wahre Preisexplosion erlebt. Nach Angabe der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation stieg die Gebühr zwischen 2001 und 2005 um bis zu 46 Prozent. In der Regel geben die Stromanbieter diese direkt an die Kunden weiter.

Angesichts der massiven Preiserhöhungen standen die Stromkonzerne zuletzt in der Kritik. Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Der Energieexperte des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Werner Marnette, erklärt: "Der Strompreis steigt und steigt. Das ist ein Beitrag zur Deindustrialisierung Deutschlands." Mit ihrer Rabattinitiative wollen die Energieriesen offenbar nun die Gegner in der Wirtschaft besänftigen.

Jörn Sucher



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