Teurere Tickets Bahn hebt Preise erneut an

Zweite Verteuerung in diesem Jahr: Die Bahn hebt die Preise für Fahrscheine und BahnCard wieder an. Auch Platzreservierungen werden ab Dezember teurer. Der Konzern begründet den Schritt mit gestiegenen Personalkosten und höheren Energiepreisen.


Berlin - Noch im August hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn bei der Vorstellung der Zwischenbilanz gesagt, es gebe keinen konkreten Plan für eine Fahrpreiserhöhung. Zugleich schloss er eine Erhöhung aber nicht aus - und die kommt jetzt: Die Deutsche Bahn (DB) hebt zum 9. Dezember 2007 die Preise für Einzelfahrscheine und Zeitkarten in der 2. Klasse um durchschnittlich 2,9 Prozent an.

Bahnkunde am DB-Automaten: Durchschnittlich 2,9 Prozent höhere Preise
DPA

Bahnkunde am DB-Automaten: Durchschnittlich 2,9 Prozent höhere Preise

Man reagiere damit vor allem auf den erheblich höheren Personalaufwand ab 2008 und die gestiegenen Energiepreise, teilte der Konzern heute in Berlin mit und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Preis für Reservierungen im Fernverkehr werde auch angehoben: in der 2. Klasse um 50 Cent auf zwei Euro im Internet und an DB-Automaten sowie auf vier Euro am Schalter. In der 1. Klasse werde der Preis auf drei Euro im Internet und an DB-Automaten sowie auf fünf Euro am Schalter angehoben.

Die Preise für die BahnCard steigen den Angaben zufolge im Durchschnitt um 3,8 Prozent. So koste eine BahnCard 25 in der 2. Klasse dann 55 statt 53 Euro. Gleichzeitig erhielten BahnCard-Kunden aber ab Dezember 25 Prozent Rabatt bei Bahnreisen in 29 europäische Länder. Auch würden in manchen Bundesländern die Länder-Tickets teurer.

"Ab 2008 haben wir einen deutlich höheren Personalaufwand. Die mit Transnet und GDBA vereinbarten Tarifmaßnahmen führen allein im Personenverkehr zu einer Mehrbelastung von fast 100 Millionen Euro jährlich", sagte DB-Vorstand Personenverkehr, Karl-Friedrich Rausch. "Wir haben kräftig gegengesteuert, können aber nicht alle Kostensteigerungen kompensieren." Auch der Streit mit der Lokführergewerkschaft GDL trage zu den gestiegenen Kosten bei; die Gewerkschaft will für ihre Mitglieder einen eigenen Tarifvertrag erzwingen.

Kritik vom VCD und aus Nordrhein-Westfalen

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisierte die Preiserhöhungen bei der Bahn. Während der Konzern immer neue Gewinnrekorde in allen Sparten vermelde und "hohe Finanzierungszusagen für unsinnige Prestigeprojekte wie Stuttgart 21 oder den Transrapid mache, müssten die Kunden immer tiefer in die Tasche greifen, wenn sie umweltschonend unterwegs sein wollten". Das sei die falsche Preispolitik für das Massenverkehrsmittel Bahn, teilte der Verband mit.

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) sagte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", er erwäge Schritte gegen die Erhöhung der Bahnpreise. "Wir werden die Preiserhöhung genau prüfen und notfalls ein Veto aus NRW einlegen." Das Vorgehen der Bahn kritisierte er scharf: "Wir wollen mehr Menschen auf die Bahn bekommen. Und das schafft man nicht mit höheren Fahrpreisen, sondern nur mit besserer Leistung." Er halte Preiserhöhungen für wenig kreativ. "Bevor man darüber spricht, sollte man über Effizienzsteigerungen nachdenken."

In einem formalen Verfahren geben die Länder ein Votum zu den geplanten Preiserhöhungen ab. Sie können aber von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) überstimmt werden.

Zuletzt hatte die Bahn die Preise zum Jahresbeginn um 2,9 Prozent erhöht.

kaz/ddp/AP/dpa/dpa-AFX

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.