Teuro: Das Geheimnis der gefühlten Inflation

Verbraucher, die in Supermärkten oder Restaurants häufig das Teuro-Gefühl beschleicht, leiden nicht unter Halluzinationen. Eine Untersuchung von Wirtschaftsforschern erklärt, warum der tägliche Einkauf deutlich teurer geworden ist - obwohl die Lebenshaltungskosten kaum gestiegen sind.

Das Euro-Paradox: Das Geld ist weniger wert - aber auch wieder nicht
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Das Euro-Paradox: Das Geld ist weniger wert - aber auch wieder nicht

Berlin - Das unternehmernahe Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt zu dem Schluss, dass die von Konsumenten wahrgenommenen Preissteigerungen seit der Einführung des Euro-Bargelds kein Hirngespinst sind. Im ersten Quartal 2002 hätten sich Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent verteuert. Damit sei die "gefühlte Inflation" zweieinhalb Mal höher als der offizielle Wert des Statistischen Bundesamtes für das erste Quartal (1,9 Prozent).

Monat für Monat checken Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes in 190 deutschen Städten und Gemeinden die Preise für 750 einzelne Waren und Dienstleistungen. All diese Güter bilden den so genannten statistischen Warenkorb, aus dem der "Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte" berechnet wird. Im ersten Quartal betrug die Teuerung der Waren im Statistik-Korb 1,9 Prozent. Im Mai kletterten die Preise im Schnitt nur um 1,2 Prozent im Vergleich zum Mai 2001.

Im europäischen Vergleich, so die IW-Forscher, seien die Lebenshaltungskosten in Deutschland sogar unterdurchschnittlich stark gestiegen. Im Durchschnitt seien die Lebenshaltungskosten in Euroland nämlich im ersten Quartal 2002 um 2,5 Prozent geklettert - in Deutschland aber lediglich um 1,9 Prozent.

Das Gefühl täuscht nicht

Dass Konsumenten trotzdem über Abzocke in Supermärkten und Restaurants klagten, sei dennoch zu erklären, so die Wirtschaftsforscher. Das iw nahm jene gut 100 Warengruppen, die in den Korb der Bundesstatistiker eingehen, genauer unter die Lupe und filterte jene 28 Segmente heraus, in denen es zu überdurchschnittlichen Preissteigerungen (mehr als 2,5 Prozent) gekommen ist.

An der Spitze der Teuerung steht der Studie zufolge Gemüse mit einem Plus von 14,3 Prozent. Flugreisen seien um 11,4 Prozent, Molkereiprodukte und Bier um je sieben Prozent, Brot und Fleisch um jeweils 4,1 Prozent teurer geworden.

Die Preissteigerungsrate des verkleinerten Warenkorbs beträgt laut iw 4,8 Prozent. Die Preise aller anderen in der Gesamtrechnung enthaltenen Güter stiegen im ersten Quartal lediglich um 1,2 Prozent. Der "Teuro"-Warenkorb (siehe Liste) macht lediglich 24 Prozent des Gesamtpakets aus.

Da Verbraucher aber vor allem die Preise solcher Güter wahrnähmen, die sie täglich in den Einkaufswagen packen, entstehe eine gefühlte Teuerung, die weit über dem vom Bundesamt für Statistik errechneten Mittelwert liege. Dass sich ein großer Teil der Lebenshaltungskosten, etwa für Miete, Heizung oder Strom kaum verändert habe, registrierten die Bürger hingegen nicht, weil diese Posten direkt vom Konto abgebucht würden, so die Forscher.

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