Textil-Discounter Kik: Kinderarbeit nicht ausgeschlossen

Von Felix Ehlert

Der Textil-Discounter Kik ist bekannt für seine Kampfpreise. In Asien entstehen T-Shirts, die bei uns für unter zwei Euro verkauft werden. Inzwischen räumt das Unternehmen ein, was viele ohnehin vermuten: An der Billig-Produktion könnten Kinder beteiligt sein.

Hamburg - Wie bei den meisten Herstellern kommen auch die Pullover, Hosen und Röcke von Kik vornehmlich aus Asien. Länder wie China und Bangladesch, aber auch etliche weitere nennt die Firma mit Sitz im westfälischen Bönen als Produktionsstätten. Ein geschäftsführender Gesellschafter hat jetzt zugegeben, dass die Kontrolle der Lieferanten schwer fällt. "Wir können Kinderarbeit bei der Produktion unserer Waren nicht zu 100 Prozent ausschließen", sagte Heinz Speet der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Das könne kein Handelsunternehmen, denn Sublieferanten in der Produktionskette seien schwer zu überwachen.

Näherinnen in China: Produktionsorte nicht bekannt
DPA

Näherinnen in China: Produktionsorte nicht bekannt

Zwar hat Kik inzwischen nach eigenen Angaben die Kontrollen verstärkt, eine Stiftung für Not leidende Kinder gegründet und sich an internationalen Hilfsprojekten beteiligt. Jedoch hinken die Westfalen dem Wettbewerb in Sozialfragen hinterher.

Erst seit März 2007 schickt Kik Prüfer in Betriebe in China und Bangladesch. Erst seit zwei Jahren gibt es bei dem Unternehmen der Tengelmann-Gruppe einen Kodex, der die unternehmerische Verantwortung unterstreichen soll. Darin finden sich auch die Sozialstandards, die die deutsche Firma von Geschäftspartnern im Ausland erwartet: Keine Arbeitskräfte unter 14 Jahren, angemessene Bezahlung, Rücksicht auf die Gesundheit der Arbeiter. Für den Fall, dass Kinderarbeit bei einem Zulieferer bekannt wird, ist im Kodex schwammig formuliert: "Es muss nach einer Lösung gesucht werden, die das Alter, die soziale Lage und die Ausbildung des Kindes berücksichtigt, um die zukünftigen Lebensumstände bestmöglich abzusichern."

Zum Vergleich: Auch die schwedische Textilkette H&M lässt hauptsächlich in Asien produzieren. Bereits 1997 hat sie sich einen Ethik-Kodex gegeben, der auf den Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und der UN-Kinderrechtskonvention basiert. H&M ist Mitglied in der Fair Labor Association und nimmt am Global Compact der UNO teil, wonach die Globalisierung sozialer und ökologischer gestaltet werden soll.

Ein weiteres Beispiel für den Umgang mit Kleidungsproduktion in Asien ist die niederländische Stiftung "Fair Wear", in der Hersteller wie Mexx oder O'Neill organisiert sind. Sie vereint Firmen, Gewerkschaften und andere NGOs. Die Mitglieder müssen sich strengen Kontrollen unterziehen und die Namen aller Zulieferer offenlegen. "Ein gutes Modell, um Probleme wie Kinderarbeit anzugehen", sagt Peter Fuchs vom "Cora"-Netzwerk für Unternehmensverantwortung.

Die Kampagne "Aktiv gegen Kinderarbeit" kritisiert, dass Kik seine Produktionsstandorte nicht bekanntgibt. Aus Wettbewerbsgründen, wie eine Firmensprecherin auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE sagte.

Das Eingeständnis zur möglichen Kinderarbeit kommt spät und vielleicht nicht ganz freiwillig. Zu Beginn des Jahres veröffentlichte die "Kampagne für saubere Kleidung" (Clean Clothes Campaign, CCC) eine Studie über die Arbeitsbedingungen in Firmen in Bangladesch, die unter anderem für Kik tätig sind. In dem Papier, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, sind etliche Verletzungen des Kik-Kodex protokolliert. Die Rede ist von fehlenden Betriebsräten, zahllosen Überstunden und mickrigen Löhnen. Meist fehlten Arbeitsverträge, Diskriminierungen von Frauen seien alltäglich. Von einem Kodex habe keiner der befragten Arbeiter je gehört. Jedoch berichten sie in der Studie von Kontrollen durch westliche Geschäftspartner und deren Gesandte. Vorher würden dann extra die Toiletten geputzt, die Angestellten eingeschüchtert und Jugendliche nach Hause geschickt, um den Verdacht, dass Menschen unter 14 beschäftigt sind, gar nicht erst aufkommen zu lassen.

In den sechs besuchten Firmen konnte die "Kampagne für saubere Kleidung" keine Fälle von Kinderarbeit aufdecken. Anfang März setzte sich dann das Unternehmen mit den Kampagnenmachern an einen Tisch. Kik versprach, Prüfer zu allen seinen Lieferanten zu schicken. Die CCC will den Vorstoß "kritisch beobachten", wie es heißt.

Kik steht als Abkürzung für "Kunde ist König". Die Handelskette wirbt damit, dass Käufer sich in den über 2500 Filialen in Deutschland und Österreich für 30 Euro komplett von Socken bis zur Mütze einkleiden können.

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Forum - Was bringt die Globalisierung?
insgesamt 1801 Beiträge
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1.
Albedo4k8 23.07.2007
Nicht viel! Solange die Globalisierung sich auf rein wirtschaftliche Weise vollzieht und nicht auf Problemloesungen fuer die globalen Probleme die wir haben. Den dort wird leider immer noch hauptsaechlich lokal gedacht.
2.
Kapaun 23.07.2007
Zitat von sysopÖkonomen und Politiker verweisen auf fallende Zollschranken und die Vorzüge internationaler Handelsströme hin - Globalisierungsgegner auf die wachsenden Unterschiede zwischen arm und reich. Was glauben Sie - überwiegen bei der Globalisierung die Vor- oder Nachteile?
Eine sinnlose Frage. Ebenso könnte man sich über die Vor- und Nachteile von Regenwetter oder Sonnenschein unterhalten. Zudem kommt es drauf an, für wen. Für die Zweite und Dritte Welt überwiegen freilich ganz klar die Vorteile - was sich die Herren Globalisierungskritiker mal hinters Ohr schreiben sollten.
3.
DJ Doena 23.07.2007
Der Haken ist doch, dass die Industrie die Globalisierung ganz toll findet. Wenn der Verbraucher das aber machen will (DVDs aus Amerika; Musik aus Russland), dann ist das ganz furchtbar böse und muss mittels Handelsrestriktionen (á la Regioncodes) unterdrückt werden, weil kann ja nicht angehen, dass der Kunde seine Produkte billiger bei Paramount USA erwirbt und nicht bei Paramount Deutschland.
4.
Perleberger 23.07.2007
Zitat von KapaunEine sinnlose Frage. Ebenso könnte man sich über die Vor- und Nachteile von Regenwetter oder Sonnenschein unterhalten. Zudem kommt es drauf an, für wen. Für die Zweite und Dritte Welt überwiegen freilich ganz klar die Vorteile - was sich die Herren Globalisierungskritiker mal hinters Ohr schreiben sollten.
"Die Globalisierung" wird von Menschen gemacht und gesteuert - ganz im Gegensatz zum Wetter. Zollschranken fallen seit 150 Jahren, die Insdutrialisierung nimmt exponential zu und internationale Handelsströme gibt es seit Jahrtausenden - nur die Geschwindigkeit der Transportmittel wächst. Alles in allem ein Kunstwort, um Verantwortung zu verschleiern und das Nachdenken über geordnetere Formen zu vernebeln.
5. Globalisierung bitte ohne Subventionierung
vorsteuerzahler 23.07.2007
Zitat von KapaunEine sinnlose Frage. Ebenso könnte man sich über die Vor- und Nachteile von Regenwetter oder Sonnenschein unterhalten. Zudem kommt es drauf an, für wen. Für die Zweite und Dritte Welt überwiegen freilich ganz klar die Vorteile - was sich die Herren Globalisierungskritiker mal hinters Ohr schreiben sollten.
Zustimmung - die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Aber ebenso wenig lässt sich sagen, dass die G. für die zweite und dritte Welt von Vorteil sei. In den gemeinten Ländern gibt es klar auch Verlierer der G. Ob es jetzt mehr Verlierer als Gewinner sind, auch das lässt sich nicht eindeutig sagen. Ich erinnere mich an Bilder von Märkten afrikanischer Länder, wo dank Globalisierung holländische Zwiebeln und andere europäische Agrarprodukte zu Preisen angeboten wurden, mit denen die einheimischen Bauern nicht mithalten konnten - dank der großzügigen Subventionierung der EU-Landwirte. Das ist für mich dann Globalisierung verkehrt.
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