800.000-Euro-Sponsoring Neue Anklage gegen Middelhoff

Gegen den Ex-Top-Manager Thomas Middelhoff werden neue Untreuevorwürfe erhoben. Zwei Tage vor seinem Abschied als Arcandor-Chef soll er 800.000 Euro an die Elite-Uni Oxford überwiesen haben - dort saß er selbst in einem Gremium.

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff vor Gericht: Neue Anklage wegen Untreue
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Ex-Arcandor-Chef Middelhoff vor Gericht: Neue Anklage wegen Untreue


Bochum/Essen - Es läuft nicht gut für den früheren Spitzenmanager Thomas Middelhoff: Er sitzt bereits im Gefängnis, und jetzt erreicht ihn dort der nächste Vorwurf. Die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass sie vor dem Landgericht Essen eine neue Anklage gegen den 61-Jährigen erhoben hat. Darin wirft sie ihm Untreue vor, weil er im Jahr 2009 zwei Tage vor seinem Ausscheiden als Chef des Arcandor-Konzerns 800.000 Euro als Sponsoring an die britische Universität von Oxford überwiesen habe. Über die neue Klage hatte die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ("WAZ") zuerst berichtet.

Für die Summe von 800.000 habe es keine Gegenleistung für das Essener Unternehmen gegeben, hieß es. In einem Zivilverfahren im Jahr 2013 hatte das Landgericht Essen die Zahlung bereits als "eigenmächtige Pflichtverletzung" des Managers gewertet. Middelhoff sitzt derzeit bereits in Untersuchungshaft, weil er Mitte November wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt worden war.

Das Gericht sprach den früheren Chef des inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor nach sechsmonatiger Verhandlung der Untreue in 27 Fällen und der Steuerhinterziehung in drei Fällen schuldig. Nach Überzeugung des Landgerichts hatte Middelhoff private Flüge und eine Festschrift zu Unrecht teils über Arcandor abgerechnet. Den von Middelhoff verursachten Schaden bezifferte das Gericht auf rund 500.000 Euro. Der 61-Jährige hat Revision gegen das Urteil eingelegt, sitzt aber in U-Haft.

Die neuen Vorwürfe basieren der "WAZ" zufolge auf Ermittlungen des Arcandor-Insolvenzverwalters. Belastendes Material sicherte die Staatsanwaltschaft demnach offenbar im Oktober 2010, als sie mit zwölf Ermittlern die Bielefelder Villa des ehemaligen Top-Managers durchsuchen ließ. Der SPIEGEL hatte damals die Vorwürfe als erstes Medium beschrieben. Dabei geht es um einen Sponsoring-Vertrag zwischen Arcandor und der britischen Universität aus dem Jahre 2008, als es dem Essener Konzern bereits schlecht ging. Weihnachts- und Urlaubsgelder bekam die Belegschaft schon nicht mehr. Middelhoff soll Anfang 2009 an seinem vorletzten Arbeitstag in Essen eigenmächtig und ohne Wissen des Aufsichtsrats die Überweisung von 800.000 Euro nach England abgezeichnet haben.

Die Bochumer Staatsanwälte werten das als Untreue, weil es keine Gegenleistung für Arcandor gegeben hätte. In der WAZ heißt es, Middelhoff, der in einem Gremium der geförderten "Said Business School" an der Uni Oxford saß, habe das Engagement 2010 verteidigt. Es sei ihm um englischsprachige Talente für das Unternehmen gegangen: "Wenn man in den Gremien in Oxford sitzt, kann man mögliche Nachwuchskräfte gezielt ansprechen und für das eigene Unternehmen rekrutieren." Das sei "um ein Vielfaches günstiger" als Aufträge an Personalberater.

nck/AFP

insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 14.01.2015
1. Wow...
...den machen sie jetzt ja richtig klein. Ist aber die Ausnahme....
mfins 14.01.2015
2. Endlich .....
mal ein Insolvenzverwalter der ernsthaft seinen Job betreibt und, wie in diesem Fall, den von einem "Top-Manager" willkürlich heruntergewirtschafteten Laden konsequent aufräumt. Hier sollten sich die übrigen Insolvenzverwalter einmal ein Beispiel nehmen.
hjcatlaw 14.01.2015
3. Au Backe!
Das vergangene Jahr ist für Middelhoff schon nicht sonderlich erquickend zu Ende gegangen - das neue Jahr scheint mindestens genau so ungemütlich zu beginnen. Der Mann ist wahrlich nicht zu beneiden. Aber bei allem Respekt: 800.000 EURO aus einem darniederliegenden Unternehmen zu pressen und dann "tschüss - nach mir die Sintflut" zu sagen, ist schon starker Tobak!
leo19 14.01.2015
4. Leider hatten andere Gauner bessere Juristen als Berater!
Der Herr Middelhoff hat unser Mitleid nicht verdient, aber er ist nur die Spitze des Eisbergs der Täter, die nie angeklagt werden.
spmc-135322777912941 14.01.2015
5. Untersuchungshaft ?
Sitzt er nicht bereits seine Strafe ab ? Natürlich darf ein Unternehmen eine Uni Sponsoren aber wollte er wirklich Oxford Absolventen als Verkäufer für Karstadt anwerben ? Ernsthaft, wenn ein Unternehmen bis zum Hals im Wasser steht und die Arbeitnehmer schon auf Teile des Lohn verzichten müssen ist kein Raum für eine Spende von sage und schreibe € 800 000. Ein weiteres Zeichen dafür dass der Mann abgehoben hatte. Hat er eigentlich seine Mitarbeiter auch in historische Ritteruniformen gesteckt ?
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